Dienstag, 16. Oktober 2018

Möglicher Deal mit der US-Regierung VW-Chef Diess soll Winterkorn in den USA belastet haben

Früher geeint, heute getrennt: die Volkswagen-Manager Winterkorn (l.) und Diess

Der neue Volkswagen-Chef Herbert Diess soll bei der US-Justiz über seinen Vorgänger Martin Winterkorn ausgesagt haben. Wie die "Bild"-Zeitung am Dienstag berichtete, reiste Diess "um den 1. Mai herum" in die USA, um mit Vertretern des US-Justizministeriums sowie der Bundespolizei FBI zu sprechen. Diese stuften seine Aussagen als "offenbar belastend" für Winterkorn ein.

Diess selbst weist die Behauptung, er habe den früheren Konzernchef Winterkorn in der Abgasaffäre gegenüber der US-Justiz belastet, einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge zurück. Diess muss laut "Bild"-Zeitung keine unmittelbare Festnahme durch die USA mehr fürchten - im Gegensatz zu seinem ehemaligen Chef Winterkorn, dem in den USA der Prozess gemacht werden soll.

Der "Bild"-Zeitung zufolge soll Diess den US-Ermittlern gesagt haben, was aus seiner Sicht am 27. Juli 2015 in Wolfsburg besprochen worden sei. An diesem Tag sollen der damalige Konzernchef Winterkorn und weitere Spitzenmanager detailliert über den Abgasbetrug des Konzerns aufgeklärt worden sein. VW wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Die US-Justiz erhebt in einer am Donnerstag veröffentlichten Anklage schwere Vorwürfe gegen Winterkorn. Sie wirft dem 70-Jährigen unter anderem Verschwörung zum Betrug an den Vereinigten Staaten vor. Volkswagen hatte im September 2015 unter dem Druck der US-Behörden zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Dieselwagen unterschiedlicher Marken eine illegale Software eingebaut zu haben, die den Stickoxidausstoß zwar bei standardisierten Tests verringert - nicht aber im Normalbetrieb auf der Straße.

Diess kann normal reisen

Winterkorn trat kurz nach diesem Eingeständnis zurück, bestritt jedoch stets, von den Betrügereien frühzeitig erfahren zu haben. Der Aufsichtsrat von Volkswagen prüft, den früheren Konzernchef für den durch den Dieselskandal entstandenen Milliardenschaden haftbar zu machen.

Diess hingegen sollen die US-Behörden freies Geleit zugesichert haben. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" bekam Diess nur eine mündliche Zusicherung, da das US-Justizministerium offenbar keinen Präzedenzfall schaffen wollte. Jedoch gelte diese Zusage als sicher und verlässlich. Aus dem VW-Konzern sei zu hören, dass Diess ganz normal reise. Sein Vorgänger Matthias Müller, den Diess im April abgelöst hatte, habe hingegen jedes Mal aufs Neue sondieren lassen müssen, ob er risikolos fliegen könne.

Die "Bild"-Zeitung berichtete ebenfalls, Diess habe nun die Zusage, dass er bei Reisen ins Ausland oder in die USA nicht festgenommen und über eine mögliche Klage oder einen Haftbefehl gegen ihn vorab informiert würde.

Allerdings wird gegen Diess weiterhin in Deutschland wegen des Verdachts der Marktmanipulation ermittelt. Anleger werfen ihm und anderen Spitzenmanagern vor, dass Volkswagen sie zu spät über die Risiken aus dem Dieselskandal informiert habe. Wegen dieses Vorwurfs ermitteln Staatsanwälte auch gegen Winterkorn, Müller sowie den Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.

cr/rtr/afp

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