Freitag, 25. Mai 2018

Großaktionär drängt auf Verschlankung von VW Hedgefonds TCI fordert Fusion von VW mit Porsche SE

VW-Autostadt in Wolfsburg: Hedgefonds-Chef Hohn sieht Interessenkonflikte des Großaktionärs Niedersachsen - und erwägt, gegen das Bundesland zu klagen

Der Chef des britischen Hedgefonds TCI, Christopher Hohn, erwägt eine Klage gegen das Bundesland Niedersachsen. Die Landes-Vertreter im Volkswagen-Aufsichtsrat stimmten auch über VW-Werke zum Beispiel in Emden, Hannover oder Wolfsburg ab, sagte Hohn dem manager magazin (Erscheinungstermin 27. Mai). Das sei ein klarer Interessenkonflikt. TCI prüfe das gerade juristisch, sagte Hohn. "Gegebenenfalls werden wir klagen." TCI hält nach eigenen Angaben Volkswagen-Vorzugsaktien im Wert von rund 1,2 Milliarden Euro. Der Kurs der VW-Aktien lasse sich leicht verdoppeln, sagte Hohn dem manager magazin in dem Interview. Dazu müssten vor allem die lähmenden Machtkämpfe im Aufsichtsrat aufhören. Der Konzern benötige ein komplett neues Governance-System.

Am besten für das Unternehmen sei eine Fusion Volkswagens mit Großaktionär Porsche SE, sagte Hohn. Das bringe klarere Strukturen, erläuterte der TCI-Chef. "Volkswagen würde entschlackt; eine ganze Entscheidungsebene fiele weg."

Hohn drängt auf Fusion von VW mit Porsche SE

Insbesondere kritisierte Christopher Hohn die Rolle der niedersächsischen Landesregierung. Das Land müsse Einfluss abgeben. Falls Ministerpräsident Stephan Weil das nicht einsehe, müsse die Bundesregierung Druck ausüben. "Frau Merkel kann nicht wollen, dass Deutschlands größtes Unternehmen auf der Kippe steht."

Das Land mische sich zu stark in Managemententscheidungen ein, der TCI-Chef dem manager magazin. Das sei langfristig schädlich für Aktionäre und Arbeitnehmer und müsse aufhören oder mindestens reduziert werden. Niedersachsen solle seine Stimmrechte im Aufsichtsrat am besten auf für Volkswagen wirklich bedeutende Fragen beschränken. Das sei "höchst wünschenswert für den Erfolg des Unternehmens", sagte Hohn.

Der TCI-Chef Hohn forderte die Landesregierung im Gespräch mit dem manager magazin auf, Branchenexperten in den Aufsichtsrat zu entsenden. "Volkswagen braucht Profis, keine Erben und Politiker." In keinem anderen Dax-Unternehmen griffen Politiker so in das Tagesgeschäft ein wie es Niedersachsen bei Volkswagen mache.

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