Samstag, 20. Oktober 2018

Volkswagen-Hauptversammlung VW denkt über Ausgliederung von Randbereichen nach

VW-Chef Herbert Diess bei der Hauptversammlung in Berlin: "Belastbare Zukunftsperspektiven finden"

Volkswagen denkt im Zuge des Konzernumbaus über die Ausgliederung von Randbereichen nach. "Für Nicht-Kerngeschäfte wie Ducati, Renk und MAN Diesel & Turbo werden wir belastbare Zukunftsperspektiven finden", sagte Vorstandschef Herbert Diess am Donnerstag seinem Redemanuskript zufolge vor den Aktionären in Berlin. Diese Überlegungen könnten zu einer Perspektive für diese Bereiche im Konzern führen. "Aber auch Ausgliederungen sind denkbar."

Diess deutete damit an, dass auch ein Verkauf oder ein Börsengang dieser Bereiche denkbar ist. Konkrete Pläne dafür gibt es aber offenbar nicht. Diess sagte, man werde sich bei der Überprüfung der Randbereiche Zeit lassen und mit der "gebotenen Gründlichkeit" vorgehen.

Der neue Konzernchef will seine Strategie erstmals den Aktionären erläutern. Die zwölf Marken des weltgrößten Autobauers sollen in den Segmenten Massenmarkt, Premium und Luxus gebündelt werden, um den schwerfälligen Tanker aus Wolfsburg wendiger zu machen und Doppelarbeiten zu vermeiden. Diess will zudem den Schwenk in die Elektromobilität, selbstfahrende Autos und neue Mobilitätsdienste vorantreiben.

Für das bei der Automesse IAA im vergangenen September angekündigte Beschaffungsvolumen von 50 Milliarden Euro für Batterietechnologie und -Zellen habe Volkswagen Börsen-Chart zeigen inzwischen Lieferanten für ein Volumen von 40 Milliarden Euro engagiert. In diesem Zusammenhang forderte Diess erneut auch eine Batteriezellenfertigung in Europa: Das enorme Beschaffungsvolumen mache deutlich, "dass wir im Industrieverbund mit vereinten Kräften über den Aufbau einer Fertigung von Batteriezellen in Europa nochmals verstärkt diskutieren müssen."

Geschäfte laufen gut, doch Sorgen bleiben

Klar ist: Auch wenn die Geschäfte wieder laufen, bleiben noch einige dunkle Wolken am Horizont. Da sind etwa die Anlegerklagen - Investoren werfen VW vor, im September 2015 zu spät über die Abgas-Manipulationen informiert zu haben.

Nach dem Bekanntwerden der Manipulationen waren die VW-Aktien abgestürzt und hatten zwischenzeitlich fast die Hälfte ihres Werts verloren. Auch gegen frühere und aktuelle Manager wird ermittelt. Zudem klagen tausende von Autobesitzern gegen den Hersteller oder ihren Autohändler - in der Hoffnung auf Schadenersatz oder die Rücknahme der Autos mit der Betrugs-Software.

Auf der Haben-Seite dürfte stehen: Die aktuellen Geschäfte laufen wie geschmiert, auch wenn der Dieselanteil an den verkauften Autos in Deutschland seit einiger Zeit dramatisch sinkt. Damit dürfte es künftig deutlich schwieriger werden, die immer strengeren Vorgaben der EU zum Ausstoß des Klimagases CO2 zu erfüllen.

Aber auch die Bezahlung der Vorstände bleibt ein Aufreger. Die Vergütung der Mitglieder des Konzernvorstands stieg 2017 auf rund 50,3 Millionen Euro - nach 39,5 Millionen Euro im Jahr zuvor. Ein Thema, zu dem sich auch Kanzlerin Angela Mekel (CDU) "erstaunt" äußerte. Darüber hinaus sorgte Müller unlängst mit DDR-Vergleichen in Gehalts- und Regulierungsfragen für Unmut. Man sieht: VW hat noch einige Aufreger in petto.

Für kritische Nachfragen sorgen dürfte der plötzliche Wechsel auf dem Posten des Vorstandschefs: Vor zweieinhalb Wochen übernahm Herbert Diess, bis dahin Chef der Kernmarke VW, überraschend von Matthias Müller den Vorstandsvorsitz des Gesamtkonzerns .

Aktionäre dürften vom Aufsichtsrat Erläuterungen über die Umstände und Gründe für die Ablösung einfordern - und von den VW-Vorständen wissen wollen, wie sich der Kurs von Diess von seinem Vorgänger unterscheidet. Mehr zu Diess' Weg für den Volkswagen-Konzern erfahren Sie auch in der aktuellen Ausgabe des manager magazins.

Rückenwind durch gute Zahlen

Ob der Volkswagen-Konzern einen solch tiefgreifenden Wandel überhaupt hinbekommt - da dürften am Donnerstag auch mehrere Aktionäre nachhaken. Rückenwind verschafft Diess aber die zuletzt gute Performance des Konzerns: Im ersten Quartal kletterte der Volkswagen-Konzernumsatz dank eines Rekords bei den Auslieferungen um 3,6 Prozent auf 58,2 Milliarden Euro, unter dem Strich verdiente der Autogigant mit 3,3 Milliarden Euro allerdings etwas weniger als vor einem Jahr mit rund 3,4 Milliarden Euro.

Die Volkswagen-Kernmarke, lange Zeit das Sorgenkind, steigerte sich operativ leicht, Konzernmarken wie Audi oder Skoda schnitten gut ab. Insgesamt hievte Volkswagen die Zahl der Auslieferungen an die Kunden um 7,4 Prozent auf fast 2,7 Millionen Fahrzeuge nach oben. Und auch den Ausblick für das laufende Jahr hat der Konzern vor kurzem bestätigt: Demnach soll der Umsatz 2018 um bis zu fünf Prozent steigen, die operative Rendite - also der Anteil des Betriebsergebnisses am Umsatz - soll zwischen 6,5 und 7,5 Prozent liegen - im ersten Vierteljahr lag sie bei 7,2 Prozent.

Diess kann seinen Aktionären also einen durchaus erfolgreichen Kurs der vergangenen Monate vorzeigen. Wie weit das schöne Zahlenwerk aber bei harter Aktionärskritik am Umgang mit dem Dieselskandal hilft, muss sich am Donnerstag noch weisen.

la/dpa/reuters

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