Montag, 29. August 2016

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Milliardenklage in Braunschweig eingereicht Großanleger fordern 3,3 Milliarden Euro von Volkswagen

Volkswagen-Fabrik in Wolfsburg: Auch in Deutschland rollt jetzt auf den Konzern eine Klagewelle zu

Jetzt rollt die Klagewelle auf Volkswagen auch in Deutschland zu. Im Abgasskandal fordern 278 Großanleger Schadenersatz in Milliardenhöhe. Eine weitere Milliardenklage ist in Vorbereitung. In den USA soll VW Beweise vernichtet haben, lautet der Vorwurf einer weiteren Klage.

Profi-Investoren nehmen Volkswagen im Abgas-Skandal ins Visier. 278 institutionelle Großanleger - darunter der größte US-Pensionsfonds Calpers und die Sparkassen-Fondstochter Deka - haben den Wolfsburger Autobauer auf Schadenersatz in Höhe von 3,255 Milliarden Euro verklagt. Einen entsprechenden Bericht von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR bestätigte der Tübinger Rechtsanwalt Andreas Tilp. Schon zuvor gab es allerdings dutzende vergleichbarer Klagen.

Vorbörslich notierte am Dienstag die Aktie von Volkswagen Börsen-Chart zeigen gut 2,3 Prozent leichter.

Bei den Vorwürfen geht es darum, ob der Konzern seiner Auskunftspflicht gegenüber Anteilseignern nachgekommen ist. VW hatte erst Tage, nachdem die US-Umweltbehörde EPA ihre Betrugsvorwürfe am 18. September öffentlich machte, über drohende finanzielle Konsequenzen informiert. Volkswagen bekräftige mehrfach seine Auffassung, alle Informationspflichten befolgt zu haben.

Weitere Milliarden-Klage in Vorbereitung

Tilp vertritt die Investoren vor dem Landgericht Braunschweig. Bei den Klägern handelt es sich um Anleger, die ab Mitte 2008 VW-Aktien gekauft haben. Sie fordern einen Ausgleich für die hohen Kursverluste, die sie im Zuge der Affäre um manipulierte Emissionswerte erlitten haben.

Laut Tilp wollen sich noch diverse andere Investoren der Klage anschließen. "Das ist erst der Anfang", sagte der Anwalt. Weitere Klagen von mehr als 20 Investoren mit Forderungen von mehr als einer Milliarde Euro würden vorbereitet, um eine im September 2016 drohende Verjährung von Ansprüchen zu verhindern. Unter den Klägern soll auch eine Allianz-Tochter sein.

Ein Sprecher der Vermögensverwaltung Allianz Global Investors (AGI) hatte vor einigen Tagen gesagt, man müsse prüfen, "ob unsere Anleger geschädigt worden sind und wir dann dementsprechend Schritte einleiten". Die AGI hält 0,06 Prozent an dem Wolfsburger Autokonzern.

Der kalifornische Lehrer-Pensionsfonds CalSTRS hatte bereits Anfang März angekündigt, vor deutschen Gerichten um Schadensersatz streiten zu wollen.

Ex-Mitarbeiter bezichtigt VW der Vernichtung von Beweisen

Derweil spitzt sich die Abgasaffäre für Volkswagen in den USA zu: So hat ein früherer VW -Mitarbeiter in den USA den Autobauer verklagt und wirft dem Konzern die Vernichtung von Beweismaterial vor.

Wie aus den eingereichten Gerichtsunterlagen hervorgeht, bezichtigt der Mitarbeiter die Volkswagen Group of America ihn im Dezember vergangenen Jahres gefeuert zu haben, weil er sich geweigert habe, Unterlagen zu beseitigen und die Justiz zu behindern. Ein weiterer Grund für die Entlassung sei gewesen, dass er vorgehabt habe, die Vernichtung von Beweismitteln den Behörden zu melden, gab Daniel D. an.

Eine Sprecherin von Volkswagen sagte, die Trennung von dem Mitarbeiter stünde nicht in Zusammenhang mit dem Skandal um manipulierte Diesel-Abgaswerte. Die Klage sei daher unbegründet. Der Anwalt von D., Sam Morgan, wollte sich nicht dazu äußern.

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rei/dpa/Reuters

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