Samstag, 23. Juni 2018

VW-Chef Müller kassiert 10,1 Millionen Euro - trotz Obergrenze VW halbiert Dieselgate-Kosten und erhöht Vorstandsgehälter

VW-Chef Müller ist mit 10 Millionen Euro Spitzenverdiener im VW-Vorstand, der insgesamt 50 Millionen Euro einstrich. VW steigerte den Gewinn 2017 auf 3,3 Milliarden Euro, die Kosten für die Abgasaffäre wurden halbiert

Die Volkswagen -Kernmarke VW Pkw hat 2017 im laufenden Geschäft deutlich mehr verdient. Das um Sonderkosten für die Dieselaffäre bereinigte operative Ergebnis der Stammmarke kletterte im Jahresvergleich auf rund 3,3 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte der Wert noch bei rund 1,9 Milliarden Euro gelegen, wie das Unternehmen am Dienstag in Berlin mitteilte.

Der Umsatz der Marke mit dem VW-Logo lag 2017 bei 80 Milliarden Euro - das waren 24,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Allerdings sind die Zahlen nicht direkt mit dem Vorjahreswert vergleichbar, weil VW mehrere ausländische Importgesellschaften nicht mehr zur Marke zählt.

Die Konzernzahlen für 2017 hatte VW bereits vorgelegt. Der Umsatz der Volkswagen-Gruppe stieg um 6,2 Prozent auf 230,7 Milliarden Euro. Mit unterm Strich 11,4 Milliarden Euro fiel der auf die Aktionäre entfallende Gewinn 2017 mehr als doppelt so hoch aus wie im Vorjahr.

Kosten für Diesel-Skandal halbiert

Die Bewältigung des Diesel-Skandals hat den VW -Konzern 2017 nur noch halb so viel Geld gekostet wie im Jahr davor, bleibt aber eine milliardenschwere Last. Die entsprechenden Ausgaben betrugen 3,2 Milliarden Euro, heißt es in dem am Dienstag in Berlin vorgelegten Geschäftsbericht.

2016 hatte die Summe, die für Rückkäufe und Nachrüstungen manipulierter Autos sowie juristische Risiken draufging, bei 6,4 Milliarden Euro gelegen.

Ohne diesen Sondereinfluss erreichte der Gewinn des VW-Konzerns im laufenden Geschäft im vorigen Jahr den Rekordwert von 17,0 Milliarden Euro. Insgesamt ist die Rechnung für die Folgen der Manipulationen an der Abgasreinigung von Millionen Dieselautos, die im September 2015 bekanntgeworden waren, inzwischen auf mehr als 25 Milliarden Euro gestiegen. Bei der Tochter Audi sanken die jährlichen "Dieselgate"-Kosten zuletzt von 1,8 Milliarden (2016) auf 400 Millionen Euro.

VW-Finanzvorstand Frank Witter sagte, trotz der hohen Abflüsse infolge der Dieselkrise sei die finanzielle Lage solide: "Wir gestalten aktiv den Wandel unseres Unternehmens." VW will Milliarden in die Elektromobilität, das autonome Fahren und neue Dienstleistungen investieren. Die Kosten der Dieselaffäre blieben jedoch auch im laufenden Jahr eine "Herausforderung".

Müller: Abgasskandal hat VW "bis auf das Äußerste gefordert"

Zur Dieselkrise äußert sich Müller natürlich auch - und deutet an, dass die Bewältigung nicht gerade einfach war. "Der schwerste Rückschlag" sei dies gewesen, den das Unternehmen je habe einstecken müssen. Sie habe das Unternehmen "bis auf das Äußerste gefordert". Doch entscheidend sei laut Müller, dass der Konzern überall vorankomme - "vor allem bei den technischen Lösungen, die wir den betroffenen Kunden schulden", so Müller. 2,1 Millionen Euro 5-Dieselfahrzeuge in Deutschland seien bereits mit Software-Updates aufgerüstet.

Weitere vier Millionen Fahrzeuge will der Konzern freiwillig mit neuer Software ausstatten, die die Stickoxid-Emissionen "um bis zu 30 Prozent" senken soll. Wie weit es zu Fahrverboten kommen werde, sei heute noch nicht absehbar. Zu möglichen Hardware-Nachrüstungen sagt Müller aber im offiziellen Redetext nichts.

Bezüge der 10 VW-Vorstände steigen auf 50 Millionen Euro

Die Mitglieder des Volkswagen -Konzernvorstands kassieren für das abgelaufene Jahr deutlich mehr Gehalt als noch 2016. Insgesamt summieren sich die Bezüge auf rund 50,3 Millionen Euro. Im vorangegangenen Jahr hatte das Top-Management des weltgrößten Autobauers noch rund 39,5 Millionen Euro erhalten. Volkswagen begründete den Anstieg vor allem mit der guten Geschäftsentwicklung.

Warum VW-Chef Müller die Marke von 10 Millionen Euro durchbricht

Spitzenverdiener unter den zehn obersten VW -Führungskräften - einschließlich der ausgeschiedenen Christine Hohmann-Dennhardt - ist Vorstandschef Matthias Müller, der mehr als 10,1 Millionen Euro einstrich. Ein Jahr zuvor waren es 7,25 Millionen Euro. Ohne Nebenleistungen und Versorgungsaufwand kommt Müller 2017 auf rund 9,5 Millionen Euro.

Rechnet man diesen "Versorgungsaufwand" heraus, rutscht Müller wieder unter die Obergrenze von 10 Millionen Euro, die VW für seine Vorstandsmitglieder festgelegt hatte.

Personalchef Karlheinz Blessing bekommt an zweiter Stelle rund 5,2 (2016: 3,33) Millionen Euro.

Der Konzern hatte zum Geschäftsjahr 2017 sein System zur Bestimmung der Vorstandsgehälter reformiert - nach langer Kritik an der Höhe der Bezüge. So gibt es für den Vorstandschef seit 2017 eine Höchstgrenze von 10 Millionen Euro, für Vorstandsmitglieder von 5,5 Millionen Euro. Während die festen Grundgehälter tendenziell angehoben werden, fallen die Regeln zur Berechnung erfolgsabhängiger Bonuszahlungen strikter aus und orientieren sich teils an der künftigen Entwicklung.

la/dpa/mmo

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