Dienstag, 22. August 2017

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VW-Abgasskandal Was weiß Ferdinand Piëch wirklich?

Ferdinand Piech:
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Ferdinand Piech:

Mit Ferdinand Piëchs neuen Schuldvorwürfen gegen den Aufsichtsrat sei die Einzeltäterthese im Abgasskandal nicht mehr haltbar, sagen Grüne und Linke. Sie wollen ihn vor dem Ausschuss des Bundestags befragen. Doch es hagelt Dementis. Was kann man Piëch noch glauben, was weiß er wirklich?

Erst belastete Ferdinand Piëch den ehemaligen VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Dann sollen seinen Aussagen zufolge auch mehrere Aufsichtsratsmitglieder über die Manipulationssoftware in der Abgasaffäre frühzeitig informiert gewesen sein. Diese dementieren die Vorwürfe entschieden. Doch die Politik will jetzt endlich Klarheit - und verspricht sie sich bemerkenswerterweise gerade von dem ehemaligen VW-Aufsichtsratschef:

Die Fraktionen von Grünen und Linken wollen Piëch laut "Süddeutsche Zeitung" vor den zuständigen Ausschuss des Bundestages zitieren. Die Grünen hätten am Donnerstag mit Zustimmung der Linken einen entsprechenden "Beweisantrag" auf den Weg gebracht, schreibt das Blatt.

In dem Antrag werde gefordert, "Herrn Ferdinand Piëch" als Zeugen zu vernehmen. Eine Vernehmung könnte nach Angaben aus Ausschusskreisen bereits in der kommenden Woche erfolgen. Als Anhörungstermin werde der kommende Donnerstag geprüft, hieß es weiter.

Bei den Abgeordneten wächst demnach der Ärger über die schleppende Aufklärung der Affäre. "Mit Piëchs Aussage wird die Einzeltäter-These immer mehr zum VW-Märchen", sagt Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. Dass niemand von den Verantwortlichen im VW-Konzern etwas gewusst haben wolle, werde immer unglaubwürdiger. Die Abgeordneten erhofften sich von Piëch Erkenntnisse darüber, wer wann etwas wusste, sagt Krischer.

Welche Rolle spielte womöglich der ehemalige israelische Botschafter?

Piëch soll bei der Braunschweiger Staatsanwaltschaft ausgesagt und vier Aufsichtsräte des VW-Konzerns beschuldigt haben, dass sie frühzeitig über den Diesel-Skandal informiert gewesen seien.

Demnach soll Ende Februar 2015, so stellte es Piëch angeblich dar, der ehemalige israelische Botschafter Avi Primor ihm ein Dokument gezeigt haben, demzufolge US-Behörden den damaligen VW-Chef Martin Winterkorn frühzeitig über den Betrug bei Abgaswerten in Kenntnis gesetzt hätten. Primor sei begleitet worden von Juval Diskin, Ex-Chef von Israels Inlandsgeheimdienst Schin Bet.

Nun widersprechen Diskin und Primor Piëchs Darstellung vehement. "Das ist kompletter Nonsens", ließ Diskin Spiegel Online über einen Mitarbeiter ausrichten. Diskin habe "nicht den Hauch einer Information über den Dieselskandal" besessen - und erst über die Medien von den Vorgängen bei VW erfahren.

Ex-Botschafter Primor meldete sich im "Handelsblatt" zu Wort. Er kenne Piëch zwar schon lange und habe ihn regelmäßig getroffen. Die Abgasaffäre sei dabei aber nicht zur Sprache gekommen. "Darüber haben wir nicht geredet", so Primor.

Die Vorwürfe stehen trotzdem im Raum, und sie stammen offenbar von keinem Geringeren als dem ehemaligen VW-Aufsichtsratschef selbst. Insofern ist es nur verständlich, dass die Mitglieder des Abgas-Untersuchungsausschusses Piëch hier vorladen möchten.

Piëch müsste als Österreicher wohl nicht vor dem Ausschuss erscheinen

Doch auch auf für den Konzern selbst sind sie alles andere als bedeutungslos. Schließlich werfen Investoren dem Unternehmen vor, sie zu spät über den Skandal informiert zu haben und verlangen Schadenersatz in Milliardenhöhe. Volkwagen bestreitet, gegen Publizitätspflichten verstoßen zu haben. Vielmehr hätten von der US-Kanzlei Jones Day überprüfte Untersuchungsergebnisse gezeigt, dass Piëchs schon im Frühjahr 2016 aufgestellte Behauptungen unglaubwürdig seien, berichtet die "Börsen-Zeitung".

Ob sich Piëch aber wie der frühere VW-Chef Winterkorn vor wenigen Wochen vernehmen lasse, sei offen, hieß es dem Bericht "Süddeutschen Zeitung" weiter. Piëch ist Österreicher und müsste deshalb nicht erscheinen. Außerdem habe er wohl ein umfassendes Schweigerecht, um sich nicht selbst belasten zu müssen.

rei mit afp

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