Donnerstag, 17. Januar 2019

Umbaupläne für Werke in Emden und Hannover Wie VW bis zu 7000 Stellen für E-Autos streichen will

Produktion des VW-Passat im Werk Emden

Der Schwenk Richtung Elektromobilität wird Arbeitsplätze in der Autoindustrie kosten, warnen Branchenkenner schon seit längerem. Die Einschnitte werden sich über Jahrzehnte hinziehen, und es kursieren unterschiedlichste Szenarien. Doch besonders im Bereich Motorenbau und -entwicklung werden tausende Jobs wegfallen.

Wie deutlich sich der Schwenk Richtung Elektroautos auf die Beschäftigtenzahl in einzelnen einzelne Werke auswirken kann, zeichnet sich nun bei Europas größtem Autohersteller Volkswagen Börsen-Chart zeigen ab. Ab 2022 wollen die Wolfsburger in drei deutschen Werken Elektrofahrzeuge produzieren. Die Umstellung bringe auch den Verlust von Arbeitsplätzen mit sich, warnte Betriebsratschef Bernd Osterloh noch Mitte November. Nun zeigt sich, um welche Dimensionen es sich dabei handeln könnte.

Denn beim Hochfahren der E-Auto-Produktion könnten an den Volkswagen-Standorten Emden und Hannover insgesamt bis zu 7000 Stellen wegfallen, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete. Das wäre rund ein Drittel der aktuellen Belegschaft beider Werke.

Dies sei aber nur möglich, wenn Altersteilzeitregelungen voll ausgeschöpft würden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus gut informierten Kreisen. In diesem Fall könnten bis zu 4000 Stellen in Hannover und bis zu 3000 in Emden gestrichen werden. Dies sei aber nur auf freiwilliger Basis möglich. In Hannover blieben dann gut 10.000 Beschäftigte, in Emden etwa 6000.

Volkswagen will tausende Arbeitsplätze in Emden und Hannover sozialverträglich, also ohne betriebsbedingte Kündigungen, abbauen. Das hatte VW-Konzernchef Herbert Diess Mitte November so angekündigt. Um die Umstellung an den beiden Standorten abzufedern, wurde eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2028 vereinbart. Befristet Beschäftigten will Volkswagen Verträge bei Porsche und im VW-Werk in Kassel anbieten.

Wegen schärferer CO2-Ziele der EU will Diess mehr Jobs abbauen

Die Umbaupläne in Hannover und Emden sind offenbar Teil des "Zukunftspakts", den die VW-Führung und Arbeitnehmervertreter vor gut zwei Jahren geschlossen hatten. Damals hatte sich VW vorgenommen, die Kosten bis 2020 um drei Milliarden Euro zu senken. Zugleich wurde damals vereinbart, das Personal an den deutschen Standorten um ein Fünftel oder 23.000 Stellen zu senken. Das will VW vor allem über natürliche Fluktuation und Altersteilzeit erreichen. Gleichzeitig bauen die Wolfsburger 9000 Stellen in der Elektromobilität auf.

Allerdings hat der Konzern seinen Sparkurs zuletzt verschärft: Anfang Dezember erklärte die Kernmarke VW, ihre Kosten schnellersenken zu wollen als bisher geplant. Bis 2022 soll die Marke zusätzliche drei Milliarden Euro einsparen. Dafür will VW auch mehr Stellen abbauen als bislang vereinbart. Es gebe dazu bereits Verhandlungen mit dem Betriebsrat, hieß es vor wenigen Wochen.

Und auch VW-Konzernchef Diess ließ ähnliches anklingen - mit Bezugnahme auf die Politik. Auf die von der EU beschlossene Verschärfung der CO2-Grenzwerte bis 2030 sei Volkswagen in dieser Form nicht vorbereitet, sagte Diess vor kurzem. Um die Flottenziele erreichen zu können, müsse der Konzern in zwölf Jahren bereits 40 Prozent seines Gesamtabsatzes mit Elektrofahrzeugen bestreiten.

Dafür langen die bisher beschlossenen Maßnahmen nicht, sagte Diess nun im Interview mit der Braunschweiger Zeitung. Es sei absehbar, dass der "vorgesehene Abbau von Arbeitsplätzen entlang der demografischen Kurve nicht mehr funktioniert." Weil der Wandel nun verschärft werde, "müssen wir noch mehr Arbeitsplätze abbauen. Dafür wird die Altersteilzeit nicht mehr ausreichen".

Im Klartext: VW wird wohl im kommenden Jahr weitere Pläne für Stellenstreichungen vorstellen - und die dürften dann auch betriebsbedingte Kündigungen enthalten.

mit Material von dpa

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