Samstag, 15. Dezember 2018

Kartellverdacht, Dieselaffäre, Unwissensmanagement Die wahren Ursachen der VW-Krise

Das Bild und das Image Volkswagens sind durch Skandale arg in Mitleidenschaft gezogen

Dieselbetrug, technologische Fehleinschätzungen und jetzt möglicherweise auch noch verbotene Absprachen - mit individuellen Fehlern einzelner ist all das nicht zu erklären. Auch wenn die Konzernführung das Gegenteil behauptet: Die Ursachen der VW-Krise liegen offenbar im System.

Ferdinand Piëch, der vielleicht erfolgreichste Automanager aller Zeiten, brauchte zehn Jahre, um mit einer schier unvorstellbaren Energieleistung als Kapitän den Tanker Volkswagen Börsen-Chart zeigen trotz rauer See, ungünstiger Strömungen und einzelner Lecks erfolgreich zu drehen und erheblich zu beschleunigen. Er hat einen behäbigen Provinzkonzern, der trotz globaler Größe letztlich in dörflichen Denkmustern und beamtenähnlichen Strukturen verhaftet war, zu einem wahren Global Player und dem am Ende seiner Amtszeit technologisch wohl führenden Automobilunternehmen weltweit gemacht.

Utz Claassen
  • Copyright: Syntellix
    Syntellix
    Utz Claassen, geboren am 7. Mai 1963 in Hannover, ist Topmanager, Unternehmensberater, Unternehmer, Investor, Wissenschaftler und Publizist. Er war unter anderem Vorsitzender des Vorstandes der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Sartorius AG und Solar Millennium AG und ist Gründer, Mehrheitsaktionär und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Syntellix AG, Mitgründer und Anteilseigner der Rulebreaker Management GmbH sowie Senior Advisor der Cerberus European Investments LLC, New York/USA.

So betrachtete es die Mutter aller Premiummarken, Mercedes, zeitweise als erstrebenswertes Ziel, zu den Erfolgen einer einzelnen Marke des Volkswagen-Reiches - Audi Börsen-Chart zeigen - aufschließen zu können. Und Piëch bekam zu Recht seinen Platz in der Ruhmeshalle des Automobilbaus.

Heute, fast 15 Jahre nach Piëchs Pensionierung als Kapitän (und mehr als zwei Jahre nach seinem Abschied als oberster Kontrolleur), hat sich die Situation dramatisch gewandelt. Piëch dürfte ob der Performance seiner Nachfolger entsetzt sein, die nur begrenzt ruhmreich ist und vor deren Hintergrund er sich letztlich auch von seinem Aktienpaket getrennt hat.

Um die Strafzahlungen in den USA zu "Dieselgate" zu begrenzen, hat der Volkswagen-Konzern im US-Strafverfahren offiziell kriminelle Handlungen eingeräumt, einer seiner Manager sitzt in einem US-Gefängnis und sieht sich der Gefahr einer 169-jährigen (!) Haftstrafe gegenüber, diverse weitere aktive oder ehemalige VW-Führungskräfte können Deutschland nicht mehr verlassen, ohne Angst haben zu müssen, sofort verhaftet und an die USA ausgeliefert zu werden.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH