Samstag, 23. März 2019

Herbert Diess: "Ebit macht frei" Volkswagen-Chef entschuldigt sich für Wortwahl

VW-Chef Herbert Diess während der Bilanzpressekonferenz am 12. März. 2019 in Wolfsburg. Am Abend sagte er seinen Führungskräften: "Ebit macht frei".
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VW-Chef Herbert Diess während der Bilanzpressekonferenz am 12. März. 2019 in Wolfsburg. Am Abend sagte er seinen Führungskräften: "Ebit macht frei".

Der Abend nach der Bilanzpressekonferenz gehört dem Management, das hat Tradition bei Volkswagen Börsen-Chart zeigen. Der Konzernchef informiert seine Führungscrew, inzwischen ein sehr weit gefasster Kreis von mehr als 10.000 Mitarbeitern (von gut 650.000 Beschäftigten insgesamt) über die Ergebnisse des Vorjahres. Er schwört sie auf die Herausforderungen des neuen Jahres ein und die Manager werden über die Aufteilung der Boni auf die einzelnen Marken informiert; die Reden der Vorstände in Wolfsburg werden im Konzernnetz weltweit übertragen.

In diesem Jahr allerdings waren bei vielen Teilnehmern nicht die von Personalchef Gunnar Kilian verkündeten Gehaltszuschläge das Topthema (Porsche: Höchstbetrag, VW: Mittelfeld, Audi: unten). Vielmehr erregte Dienstagabend eine Formulierung in der Rede von Konzernchef Herbert Diess viele Teilnehmer.

Der CEO benutzte gleich mehrfach einen Begriff, der Erinnerungen an das Dritte Reich und damit die Anfänge der Volkswagen-Historie weckte, wie mehrere Führungskräfte manager magazin bestätigten. "Ebit macht frei", sagte Diess demnach, das gelte für den Konzern, aber auch für die Marke VW. Der Slogan hatte die Zuhörer an den Schriftzug "Arbeit macht frei" erinnert. Der Satz stand über den Eingangstoren verschiedener nationalsozialistischer Konzentrationslager, unter anderem auch in Auschwitz. "Ebit" ist eine Gewinngröße (Earnings before Interest and Taxes).

Diess, so berichten es Teilnehmer, habe den Satz gleich nach einigen eröffnenden Worten zweimal benutzt und damit die Bedeutung des Gewinns und damit auch des Aktienkurses für das Unternehmen betont, berichten Teilnehmer. Er habe sich dabei auf einen seiner früheren Hochschullehrer berufen.


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Teilnehmer der Veranstaltung am Dienstag in Wolfsburg berichten, im Plenum sei anschließend nicht über die Diess-Äußerungen diskutiert worden. Im kleinen Kreis habe es aber peinlich berührte bis entsetzte Reaktionen gegeben. "Wenn er es wenigstens nur einmal gesagt hätte", sagte ein Teilnehmer. "Dann wäre es vielleicht nur herausgerutscht. Aber dazu hat er es zu häufig wiederholt." Diess habe sicherlich nicht bewusst provozieren wollen, kommentierte ein anderer. Aber so etwas dürfe nicht passieren.

Auf Anfrage des manager magazin bedauerte Herbert Diess die "sehr unglückliche Wortwahl". "Falls ich damit unbeabsichtigt Gefühle verletzt haben sollte, tut mir das außerordentlich leid. Dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen." Die Äußerung "Ebit macht frei" sei im Zusammenhang mit der operativen Rendite von verschiedenen Konzernmarken gefallen. Marken mit einer hohen Rendite verfügten über eine höhere Entscheidungsfreiheit im Konzern. Diess betonte, es sei "in keiner Weise" seine Absicht gewesen, diese Aussage in einen falschen Zusammenhang zu setzen. Er habe nicht daran gedacht, dass diese Möglichkeit besteht.

VW-Chef Diess trägt sich im November 2018 in das Besucherbuch der Gedenkstätte Auschwitz ein.

Volkswagen unterstützt seit 30 Jahren das Internationale Auschwitz-Komitee. Insbesondere die Volkswagen-Stiftung kümmert sich um KZ-Gedenkstätten. Auch Herbert Diess persönlich hatte Ende November 2018 mit einer Abordnung von Volkswagen-Mitarbeitern Ausschwitz und das Vernichtungslager in Birkenau besucht und dort einen Kranz niedergelegt.

Volkswagen war in der Zeit des Nationalsozialismus gegründet worden. Auf dem Werksgelände waren während des Zweiten Weltkriegs auch Zwangsarbeiter eingesetzt worden, der Konzern hat dazu 1999 eine Dauerausstellung auf dem Werksgelände eröffnet.

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