Montag, 20. August 2018

Nachfrage bei Autobauern steigt Keine Angst vor Fahrverboten - Diesel vor Comeback

"Verbot für Diesel-Kraftwagen": Erste Fahrverbote in einzelnen Großstädten scheinen die Käufer von Dieselwagen nicht mehr ernsthaft zu beunruhigen

Diesel-Krise? Von wegen. Deutsche Autobauer spüren bei den Aufträgen eine verstärkte Nachfrage. Ein großer Fan des Diesel sind und bleiben Behörden und Firmen. Bis zu 60 Prozent ihrer neu angeschafften Fahrzeuge sind bei diesen Kunden ein Selbstzünder. Für das sich abzeichnende Comeback des totgesagten Dieselmotors gibt es Gründe.

Drohende Fahrverbote? Imageprobleme? Behörden und Unternehmen in Deutschland hält dies nicht davon ab, ihre Flotten und Fuhrparks ganz überwiegend mit Dieselautos auszustatten. Beim Neuwagenkauf setzen sie weiter auf den Selbstzünder und zählen zu den größten Kunden dieser viel kritisierten Motorisierung.

Laut einem Bericht der Zeitungen der Funke-Mediengruppe haben aktuell noch immer fast 60 Prozent der von Behörden zugelassenen neuen Autos einen Dieselmotor. Bei Firmenwagen waren es Stand Juni noch 55 Prozent. Im Unterschied dazu entscheide sich nur jeder fünfte Privatkunde (19 Prozent) beim Neuwagen für einen Diesel, heißt es. Privatkunden hätten sich auch viel deutlicher vom Dieselmotor abgewandt: Ihr Anteil an den Neuzulassungen von Diesel-Pkw sei von 2015 bis heute mit rund minus 40 Prozent viel stärker gesunken als der von Firmen und Behörden (je 25 Prozent Minus).

Nach einem Bericht des "Handelsblatt" (kostenpflichtig) spürt Volkswagen nach zwei Jahren des Rückgangs nun wieder sogar eine verstärkte Nachfrage nach Diesel-Autos. Der Diesel-Anteil an den Auftragseingängen habe sich im zweiten Quartal auf 38 Prozent erhöht, wie der VW-Vertriebschef Deutschland, Thomas Zahn, der Zeitung gegenüber erklärt.

Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr betrug dem Bericht zufolge die Diesel-Quote bei den Neuzulassungen in Deutschland 32 Prozent. Also liegen die VW-Bestellungen damit schon jetzt über der aktuellen Neuzulassungsquote.

In einigen Monaten dürfte der erhöhte Auftragseingang auch in einem höheren Diesel-Anteil auf den Straßen niederschlagen, ist man nicht nur bei Volkswagen überzeugt. Denn auch BMW spüre seit März wieder deutlich steigende Auftragseingänge für Dieselmotoren, heißt es weiter. BMW als auch Daimler hätten die Erholung beim Diesel nicht weiter kommentieren wollen.

Für das sich abzeichnende Diesel-Comeback gibt es Gründe:

  • Drohende Fahrverbote in den Innenstädten der Republik hätten ihren Schrecken verloren, nachdem sich diese in einzelnen Städten wie Hamburg bislang auf wenige Straßen beschränkten. Mit flächendeckenden Einfahrtverboten für Diesel sei nicht mehr zu rechnen, ist man auf Käuferseite offenbar überzeugt.
  • Für große und schwere Karosserien ist der Diesel mit seinen bis zu 15 Prozent besseren Verbrauchswerten noch deutlich günstiger als ein Benzinantrieb - ein nicht zu unterschätzendes Kaufargument insbesondere für die Betreiber von Firmenflotten und großen Fuhrparks.
  • Vor allem SUV mit Dieselmotor verkaufen sich besser. Ihr Absatz stieg im 1. Halbjahr um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr, heißt es in dem Bericht weiter. Dabei dürften den Kauf schwerer großer Wagen mit Dieselantrieb neben günstigen Angeboten auch die ausgesprochenen Garantien der Hersteller beflügelt haben. So garantiert BMW zum Beispiel seinen Kunden die Rücknahme des neuen Leasingfahrzeugs, sollte der Wagen von einem Fahrverbot in den Innenstädten betroffen sein.
  • Die Hersteller trimmen ihre neuen Dieselmotoren verstärkt auf den neuen Abgas-Standard Euro 6d-temp, der im Zusammenspiel mit dem strengeren Messstandard WLTP die Abgaswerte auch im Fahrbetrieb verifiziert und die gesetzlichen Anforderungen an den Stickoxidausstoß schafft. Schließlich sind alle Hersteller verpflichtet, bis zum Jahr 2021 die für den Flottendurchschnitt festgelegten 95 Gramm Kohlendioxid zu erreichen. Ohne den Diesel werden sie dieses Ziel nach eigenen Angaben nicht erreichen.

mit dpa

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