Dienstag, 25. September 2018

Volkswagen investiert 1 Milliarde Euro in Indien VW wagt dritten Billigauto-Anlauf

Inderinnen posieren neben einem VW-Polo im Volkswagen-Werk in Chakan bei Pune in Indien.

Billigauto? Diesen Begriff hören Manager im Volkswagen-Konzern gar nicht gerne. Das suggeriere ein Auto minderer Qualität, heißt es gerne zur Begründung, und solche Fahrzeuge baue der Autoriese nun mal nicht. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, der Begriff Billigauto ist bei Volkswagen Börsen-Chart zeigen auch aus einem anderen Grund ein Reizwort: Seit 2004 arbeiten die Wolfsburger an einem solchen "Budget Car", also einem sehr günstigen Modell für rund 5000 Dollar Neupreis. Herausgekommen ist dabei bislang nichts - außer Frust und Enttäuschungen.

Mit seinen Günstigauto-Plänen für Indien ist Volkswagen sogar gleich doppelt gescheitert. Schon im Jahr 2009 sollte eine Kooperation mit dem japanischen Gelände- und Günstigautospezialisten Suzuki den Weg Richtung indisches Günstig-Mobil ebnen. Doch die Zusammenarbeit endete in einem spektakulären Rosenkrieg samt anschließender Entflechtung.

Im März 2017 verbündete sich der Volkswagen-Konzern mit dem indischen Autobauer Tata Motors, der das letztlich wenig erfolgreiche Billigmobil Nano erdacht hatte. Doch auch aus dieser Zusammenarbeit wurde nichts - auch aufgrund verschärfter indischer Abgasnormen, die Tatas Plattform zu teuer für ein echtes Billigauto gemacht hätten.

Vor einigen Monaten hat die Volkswagen-Konzernführung die Zuständigkeit für das Indien-Mobil an die tschechische Tochter Skoda übertragen. Die hat im Konzern ohnedies die Rolle des Günstig-Anbieters. Skoda-Chef Bernhard Maier wagt nun mit der Zustimmung der Konzernführung den dritten Versuch in Indien: Der VW-Konzern will von 2019 bis 2021 eine Milliarde Euro in Indien investieren, wie Maier in New Delhi bekanntgab. Damit wird nicht nur das VW-Werk im indischen Pune erweitert. Unter Skodas Führung bauen die Wolfsburger auch eine technische Entwicklungsabteilung in Indien auf, die eigene Modelle für den Subkontinent entwickeln wird.

Warum Skoda eine teurere Konzernplattform verwendet

Die Preise für die indischen VW-Autos sollen einem "Paradigmenwechsel in der Automobilindustrie" gleichkommen, erklärte der Skoda-India-Geschäftsführer Gurpratap Boparai vollmundig. Genauere Preisangaben vermied er. Doch schon die Pressemitteilung gibt klare Hinweise darauf, dass VW in Indien nun doch nicht Richtung Preisbrecher marschiert. Denn gebaut werden die neuen Indien-Modelle auf Basis des modularen Querbaukastens- jener konzernweiten Plattform, die Volkswagen vor einigen Jahren einführte.

Zwar soll diese Plattform für Indien "tiefenlokalisiert" werden, also wohl in intensiver Zusammenarbeit mit indischen Zulieferern gebaut werden. Für den Subkontinent greift Skoda zudem zur kleinsten Variante, dem MQB A0. Sie wird aktuell bei den Modellen VW Polo, Audi A1, dem Seat Ibiza und dem Klein-SUV Seat Arona eingesetzt wird.

Doch die Plattform ist noch vergleichsweise frisch und damit wohl kaum zum Niedrigpreis zu haben. VW hat aber wohl kaum eine andere Wahl beim Griff ins Konzernregal. Ab 2020 tritt in Indien die Abgasnorm Bharat VI in Kraft, die der Euro VI-Norm entspricht. Ältere Konzernplattformen darauf zu trimmen, die strengere Abgasnormen zu erfüllen, hätte auf jeden Fall Geld gekostet. Erfolgversprechender scheint es den Skoda-Leuten da wohl, aktuelle europäische Technik in leicht abgespeckter Variante nach Indien zu verfrachten.

Die Kehrseite der MQB-Entscheidung : Beobachter rechnen damit, dass die für Indien entwickelten Skoda- und VW-Modelle ab 8000 Dollar zu haben sein werden. Extrem günstig werden die Autos damit also eher nicht, der versprochene "Paradigmenwechsel" könnte also schwer werden. Loslegen wollen die Wolfsburger im Jahr 2020 mit einem SUV als erstem Modell, danach sind Medienberichten zufolge ein weiteres SUV-Modell und je eine Limousine mit Skoda- und VW-Enblem vorgesehen.

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