Freitag, 2. Dezember 2016

Ticker-Nachlese zur VW-Betriebsversammlung In Wolfsburg geht die Jobangst um

Rockmusiker Peter Maffay (links) mit VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch: Der Musiker sprach den VW-Mitarbeitern Mut zu - und erhielt am meisten Applaus

15.55 Uhr: Hier noch eine schnelle Zusammenfassung - diese Erkenntnisse brachte die dritte VW-Betriebsversammlung seit dem Ausbruch der Abgasaffäre im September 2015:

  • Betriebsratschef Bernd Osterloh warnte deutlich: Sollten die Strafzahlungen in den USA hoch ausfallen, werde dies "dramatische soziale Folgen" auch in Europa haben - die Arbeitnehmervertreter fürchten einen Stellenabbau.
  • VW-Chef Matthias Müller gibt zu: Die finanziellen Folgen der Abgasaffäre sind noch lange nicht zur Gänze absehbar, sie werden aber "substanziell und schmerzhaft werden". Er fordert seine Belegschaft zum Zusammenhalt auf - und zu Geduld und Beharrungsvermögen. Doch er verbreitet auch Optimismus: Volkswagen gelang es auch in früheren Krisen, sich immer wieder neu auszurichten - und "für sichere Beschäftigung zu sorgen".
  • Ministerpräsident Stephan Weil fordert von VW, dass es keinen Stellenabbau bei Leiharbeitern ohne neue Job-Alternativen geben darf. Zudem stärkt er Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch öffentlich den Rücken: Das Kontrollgremium unter Leitung von Pötsch kooperiere "sehr intensiv und einvernehmlich". Die Kontrolleure seien sich ihrer enormen Verantwortung auch für die Beschäftigten sehr bewusst.
  • Auslöser für Weils Aussagen zum den obersten VW-Kontrolleur waren Berichte, dass der VW-Vorstand rund um Martin Winterkorn früher als bekannt vom Abgas-Skandal wusste und zu wenig tat. Pötsch war zur fraglichen Zeit als VW-Finanzchef auch Vorstandsmitglied. Müller beteuerte deshalb nochmals, dass VW die Affäre "schonungslos" aufkläre. Osterloh mahnte eine "unabhängige und neutrale" Berichterstattung an.

Wir schließen hiermit unseren Ticker und wünschen noch einen erfolgreichen Nachmittag.

14.25 Uhr: Volkswagen hatte es bei der Betriebsversammlung mit einem wahren Staraufgebot an Managern versucht: Konzernchef, Aufsichtsratschef, VW-Markenchef, Betriebsratschef, und auch noch Niedersachsens Landeschef Weil. Chancenlos, die größte Zustimmung bekam ein Stargast, der am allerwenigsten Licht ins Dunkel der Abgasaffäre bringen kann: Altrocker Peter Maffay. Der Musiker war als Gast bei der Versammlung - er ist schon lange Beiratsmitglied im Kuratorium der Volkswagen-Stiftung. Gesungen hat er auf der Versammlung nicht - Mut vom Podium aus zugesprochen aber doch. Was er dabei gesagt hat, ist nicht überliefert - doch seine Worte wirkten offenbar dank wahrem Rockstar-Status: Er erhielt den meisten Applaus.

14.00 Uhr: Und noch eine Sache war dem VW-Chef wichtig: Er wollte den Eindruck zerstreuen, dass VW zu zögerlich vorgehe. Deshalb trat er der Darstellung entgegen, VW verschleppe die Aufarbeitung der Dieselaffäre oder vertusche. "Wir sind dabei, schonungslos aufzuklären, wer für das Geschehene verantwortlich ist." Eine saubere Aufarbeitung sei wichtig für die Zukunft des Konzerns.

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