Donnerstag, 8. Dezember 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Betriebsratschef kritisiert Vorstand "Wir erwarten, dass VW die Sicherheit der Arbeitsplätze garantiert"

10 Prozent mehr Produktivität: manager magazin hatte zuerst über die Pläne des neuen VW-Markenchefs berichtet. Mit dem Betriebsrat seien die Ziele nicht vereinbar, sagt der mächtige Betriebsratschef Osterloh und kritisiert das Management
dpa
10 Prozent mehr Produktivität: manager magazin hatte zuerst über die Pläne des neuen VW-Markenchefs berichtet. Mit dem Betriebsrat seien die Ziele nicht vereinbar, sagt der mächtige Betriebsratschef Osterloh und kritisiert das Management

Bei Volkswagen bahnt sich neuer Streit zwischen Management und Betriebsrat über den Sparkurs des Autokonzerns an. Betriebsratschef Bernd Osterloh äußerte in einem Interview mit einem internen Mitarbeiterportal zum Teil scharfe Kritik am Vorgehen des Chefs der Konzern-Kernmarke VW , Herbert Diess.

Ein von Diess vorgeschlagenes 12-Punkte-Programm zur Zukunft der Marke schaffe "Unruhe", sagte Osterloh in dem Interview. Die VW-Kollegen seien wegen des Abgas-Skandals ohnehin "verunsichert".

Volkswagen hatte auch als Folge der immensen Kosten des Skandals seinen Sparkurs verschärft. Investitionen wurden bereits gekürzt. Die ertragsschwache Konzern-Kernmarke VW mit Modellen wie dem Golf und dem Passat soll außerdem profitabler werden. Der mächtige Betriebsrat hatte in den vergangenen Monaten wiederholt Kritik an der neuen VW-Führung geäußert.

Neuausrichtung der Marke verunsichert

Das in großen Teilen bekannte 12-Punkte-Programm sieht eine Neuausrichtung der Marke vor. So soll es in einer neuen Unternehmenskultur "mehr Kreativität und um einen offenen Austausch" gehen. In der Vergangenheit war VW stark zentralistisch geführt worden. Unter dem Begriff "New Volkswagen" will sich VW vom reinen Autobauer zum "Mobilitätsanbieter" entwickeln. Außerdem sollen wie im gesamten Konzern die einzelnen Regionen mehr Verantwortung bekommen. Alle Kosten sollen zudem auf den Prüfstand gestellt werden.

Osterloh sagte zu dem Programm: "Eine neue Strategie für die Marke ist das noch lange nicht. Vieles ist nur an-, aber noch nicht zu Ende gedacht."

Bericht des manager magazin schlägt weiter Wellen

Der VW-Betriebsratschef bestätigte außerdem, dass Markenchef Diess die Produktivität bei der Marke VW um 10 Prozent steigern wolle. In der vergangenen Woche hatte das "manager magazin" bereits berichtet, Diess peile schon für 2016 deutliche Sprünge bei der Pkw-Kernmarke an.

"Natürlich gibt es das 10-Prozent-Produktivitätsziel", sagte Osterloh. Der Betriebsrat lehne das Ziel auch nicht grundsätzlich ab. "Aber wir erwarten, dass Volkswagen gleichzeitig die Sicherheit der Arbeitsplätze garantiert. Das ist der Leistungspakt",

Laut Osterloh gehe es vor allem um den indirekten Bereich - also die Verwaltung. Mit dem Betriebsrat seien die Ziele aber nicht vereinbar. "Schon deshalb, weil wir dieses Ziel für unrealistisch halten." Nach Informationen von manager magazin will Diess die Effizienz in allen Bereichen um 10 Prozent erhöhen. Dem Plan könnten schlimmstenfalls bis zu 10.000 Stellen zum Opfer fallen.

Weiter sagte der Betriebsratschef, der auch im Aufsichtsrat sitzt: "Unsere Kollegen in den indirekten Bereichen bohren ja nicht in der Nase. Und einer weiteren Leistungsverdichtung werden wir nicht zustimmen. Im Übrigen würden wir gerade in den Angestelltenbereichen natürlich doch über Arbeitsplätze sprechen."

Der Betriebsrat stehe einer Steigerung der Produktivität grundsätzlich positiv gegenüber."Aber wir erwarten, dass Volkswagen gleichzeitig die Sicherheit der Arbeitsplätze garantiert."

rei/dpa

Nachrichtenticker

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH