Montag, 23. Juli 2018

Autokonzern erhöht Einsatz bei Elektroautos VW investiert in schwedische Batterie-Gigafactory

Skizze der geplanten Batteriefabrik von Northvolt

Volkswagen beteiligt sich über seine Lkw-Tochter Scania an der Errichtung von Europas größter Batteriezell-Fabrik in Nordschweden. Scania werde zehn Millionen Euro in eine Kooperation mit dem Unternehmen Northvolt investieren, das mit dem Bau einer Demonstrationslinie noch in diesem Jahr beginnen will, teilte Scania am Donnerstag mit.

Zusammen wollen die Firmen nach eigenen Angaben Zellen für den Einsatz in schweren Lastkraftwagen entwickeln und herstellen. Im vergangenen Jahr hatte Volkswagen erklärt, der Konzern wolle bis 2022 etwa 1,5 Milliarden Euro in elektrische Lastwagen und Busse investieren. Insgesamt sollen in den nächsten Jahren 34 Milliarden Euro in den Aufbau einer elektrifizierten und digitalisierten Produktpalette fließen.

Wie stark sich Volkswagen Börsen-Chart zeigen jedoch bei der Herstellung von Zellen, dem Herzstück der Batterien, engagieren will, wird erst nach und nach klar. In Salzgitter baut der Konzern Batteriemodule zusammen und will zu Testzwecken auch dafür benötigte Zellen in kleiner Stückzahl produzieren.

Auch in Schweden tasten sich die Wolfsburger mit eher kleinem Einsatz voran, der den Aufbau einer Produktionslinie ermöglichen soll. Zugleich verpflichtet sich Scania, Zellen abzunehmen.

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"Die aktuelle Batteriezell-Technologie muss weiterentwickelt werden, um den Bedürfnissen von Lkw- und Buskunden gerecht zu werden", sagte Scania-Präsident Henrik Henriksson. "Mit Northvolt als Partner, erwarten wir entscheidende Schritte nach vorn machen zu können."

Firma TerraE will Standort für deutsche Zellfabrik in Kürze bekannt geben

Wenn die Demonstrationsanlagen funktionieren und weitere Investoren an Bord kommen, will Northvolt im nordschwedischen Skelleftea eine Batteriezell-Fabrik hochziehen, deren Jahreskapazität bis 2023 auf 32 Gigawattstunden ansteigen soll. Damit stößt das Projekt in die Dimension der Gigafactory von Tesla in Nevada vor. Northvolt-Chef Peter Carlsson war früher selbst bei Tesla.

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In Europa mahnen Experten, Politiker und Branchenvertreter seit Jahren den Bau großer Batteriezell-Fabriken an. Andernfalls könnten weite Teile der Wertschöpfung in der Automobil-Industrie nach Asien abwandern, warnt beispielsweise Batterie-Fachmann Martin Winter, Professor an der Universität Münster.

"Die Nachfrage an Batterie-Kapazität für das Jahr 2025 wird auf rund 1000 Gigawattstunden prognostiziert", skizziert das Bundesministerium für Bildung und Forschung den potenziellen Markt. Es unterstützt die wissenschaftliche Erkundung neuer, Erfolg versprechender Speicher-Technologien seit Jahren.

Zunehmend wächst jedoch der Frust, dass die Industrie sich weiterhin scheut, eine große Fertigung in Deutschland aufzubauen. Ende 2015 hatte Daimler eine eigene Batteriezellfertigung in Kamenz (Sachsen) sogar eingestellt. Zuletzt hat auch die Europäische Kommission ihre Aktivitäten erhöht und hofft, dass sich europäische Firmen in einem Batterie-Konsortium zusammen tun.

Mehrere kleinere deutsche Unternehmen haben sich bereits verbündet, um die Firma TerraE beim Aufbau einer "deutschen Gigafactory" zu unterstützen. TerraE-Chef Holger Gritzka kündigte am Mittwoch auf einer Fachtagung in Berlin an, seine Firma werde den Standort in den kommenden Tagen bekanntgeben.

mit rtr

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