Montag, 25. Juli 2016

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120.000 VW-Beschäftigte zittern Volkswagen droht heißer Kampf um den Haustarif

120.000 Beschäftigte bei VW profitieren von einem Haustarifvertrag, der ihnen deutlich mehr Geld sichert als der Metall-Flächentarifvertrag. Die Neuverhandlung des Vertrags birgt angesichts der milliardenschweren Lasten des Dieselskandals erheblichen Sprengstoff
DPA / Volkswagen
120.000 Beschäftigte bei VW profitieren von einem Haustarifvertrag, der ihnen deutlich mehr Geld sichert als der Metall-Flächentarifvertrag. Die Neuverhandlung des Vertrags birgt angesichts der milliardenschweren Lasten des Dieselskandals erheblichen Sprengstoff

Der VW-Haustarifvertrag läuft aus. Vielen Mitarbeitern sichert er mehrere tausend Euro zusätzlich im Jahr. Das Management plant wegen des kostspieligen Diesel-Skandals hier offenbar Einschnitte. Dem Konzern steht ein heißer Kampf um den Haustarif bevor.

Beim Autobauer Volkswagen droht heftiger Streit um den neuen Haustarif in diesem Frühsommer. Die Arbeitnehmer wollen trotz der milliardenteuren Abgas-Affäre ein Abschluss mindestens auf dem Niveau des Metall-Flächentarifes. Zudem soll die auslaufende Altersteilzeit ohne Abstriche für Arbeitnehmer in Neuauflage gehen. Zugeständnisse wollen die Arbeitnehmervertreter auf jeden Fall vermeiden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Gewerkschaftskreisen.

Ab Montagnachmittag trifft sich der Volkswagen-Aufsichtsrat. Dem Vernehmen nach sprechen die Kontrolleure über die brisante Lage in den USA, wo jüngst Landeschef Michael Horn das Handtuch geworfen hatte, sowie über Investitions- und Sparpläne.

Der VW -Haustarif ist der größte Firmentarifvertrag in der deutschen Privatwirtschaft. Er gilt für 120.000 Menschen vor allem in Niedersachsen und umfasst die sechs westdeutschen VW-Werke Emden, Hannover, Salzgitter, Braunschweig, Wolfsburg und Kassel sowie die VW-Finanztochter. Seit 2008 orientieren sich die Tarifforderungen an denen der Fläche. In den vergangenen Jahren fielen die Erhöhungen immer gleich aus, im VW-Haustarif gab es aber meist ein Sahnehäubchen obendrauf - etwa Einmalzahlungen oder einmalige Rentenzuschüsse.

Der Haustarif sichert den VW-Beschäftigten jeden zehnten Euro vom Gewinn vor Zinsen und Steuern bei der Pkw-Kernmarke als Erfolgsbonus. Zuletzt flossen 5900 Euro pro Kopf. Da die Kernsparte VW-Pkw wegen der Diesel-Krise in den roten Zahlen steckt, soll diesmal für das Jahr 2015 alternativ eine "Anerkennungsprämie" fließen. Die genaue Höhe ist noch unklar.

VW-Arbeiter stellen sich mit Haustarifvertrag deutlich besser

Im VW-Haustarif kommt ein durchschnittlicher Facharbeiter mindestens auf gut ein Zehntel mehr Einkommen als im IG-Metall-Flächentarif für Niedersachsen. Demnach stehen als Eckentgelte 2856 Euro in der Fläche den bei VW gängigen Facharbeiter-Eckentgelten 3378 und 3540 Euro gegenüber - ein Unterschied von ungefähr einem Fünftel. Jedoch ist im Flächentarif laut IG Metall eine Leistungszulage von 10 Prozent der Standard, was das Eckentgelt daher auf rund 3140 Euro anhebt. Bei VW wiederum fließt eine "Leistungsorientierte Vergütungskomponente" von im Schnitt etwa 100 Euro. Damit bleibt ein Unterschied von 11 bis 16 Prozent. Hinzu kommt die in Rekordzeiten üppige Erfolgsbeteiligung im VW-Haustarif, zuletzt waren das mehrere Tausend Euro pro Kopf.

Die Arbeitnehmer verweisen darauf, dass VW sich im Rennen um die Fachkräfte vor allem mit anderen Autobauern vergleichen müsse - weniger mit Zulieferern, bei denen meist der Metall-Flächentarif greift. Daimler und BMW haben ihre Heimat in Tarifregionen, in denen das Entgeltniveau spürbar über dem in Niedersachsen liegt.

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