Dienstag, 30. August 2016

VW als größter Verlierer der Brasilien-Krise Wie Volkswagen seine eigene Hochburg schleifen lässt

Volkswagen verliert Marktführerschaft: Die Lieblingsautos der Brasilianer
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DPA/ Volkswagen

Für die Ära nach Ferdinand Piëch muss der Volkswagen-Konzern noch neue Glaubenssätze finden. Der Altmeister und Immer-noch-Großaktionär war nie um knorrige Weisheiten verlegen. Eine davon, vor zwei Jahren dem "Spiegel" diktiert: "Wir verstehen Europa, wir verstehen China, und wir verstehen Brasilien, aber wir verstehen die USA bislang nur in einem begrenzten Maße."

Wie wahr, wird dieser Ausspruch nun wohl in Wolfsburg empfunden - mit Blick auf die USA. Doch der Diesel-Skandal kostet auch in Europa Marktanteile, die aus China gewohnten Wachstumsraten gehören der Vergangenheit an. Und Brasilien?

Das größte Land der Südhalbkugel, jahrelang als Wachstumsmarkt gefeiert, steht am Rand einer veritablen Depression. Der Automarkt schrumpfte im vergangenen Jahr um ein Viertel. Für die Marke Volkswagen Börsen-Chart zeigen, die dort zwischenzeitlich mehr Autos absetzte als auf dem deutschen Heimatmarkt, ging es noch stärker abwärts als für alle Konkurrenten: um 38 Prozent. Volkswagen ist jetzt hinter Fiat Börsen-Chart zeigen und General Motors Börsen-Chart zeigen auf den dritten Platz abgerutscht. Der Marktanteil hat sich in fünf Jahren annähernd halbiert.

27 Jahre lang Marktführer - und jetzt auf Rang 10

Beispielhaft zeigt der Volkswagen Gol (ohne F, der Name kommt vom portugiesischen Wort für ein Fußballtor), wie dem Konzern das Verständnis für den brasilianischen Markt verloren zu gehen scheint - und damit auch eine der wichtigsten Stützen für die Ambition als weltweite Nummer eins.

"Der Gol war 27 Jahre in Folge nationaler Marktführer", heißt es stolz bei Volkswagen. War. Denn 2015 rutschte er auf den 6. Platz der Verkaufsstatistik, im Monat Dezember sogar auf den 10. ab. Für das Gesamtjahr stehen weniger als 83.000 Neuzulassungen zu Buche - in den Jahren 2009 bis 2013 waren es regelmäßig um die 300.000. Unter den meistgesuchten Modellen des Fachmagazins "Quatro Rodas" taucht der Gol gar nicht mehr auf.

Noch zu Jahresbeginn soll eine lang erwartete neue Version des Gol auf den Markt kommen - aber nicht als kompletter Modellwechsel wie zuletzt 2008, sondern nur mit einem weiteren Facelift. "Alle Varianten mit Reflektoren an der hinteren Stoßstange", zählt zu den aufregenderen Versprechen des Herstellers. Drinnen soll es mehr Infotainment geben, spekuliert die Motorpresse.

Technisch aber steht das Auto, das einst der Stolz brasilianischer Ingenieure war (das erste Modell mit Flexfuel-Antrieb, der sowohl Benzin als auch aus Zuckerrohr gewonnenen Ethanol verträgt), immer noch auf der Plattform des Polo IV. Der wurde in Deutschland von 2001 bis 2009 gebaut.

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