Dienstag, 22. Mai 2018

Volkswagen-Hauptversammlung am 3. Mai Wo Aktionäre die VW-Führung hart rannehmen werden

Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess bei der Vorstellung der Elektroauto-Studie I.D. Vizzion

Rein geschäftlich betrachtet gibt es nicht viel zu meckern für die Aktionäre des weltgrößten Autoherstellers Volkswagen Börsen-Chart zeigen: Der Laden läuft. Der Volkswagen-Konzern hat nicht nur das vergangene Jahr mit starken Zahlen abgeschlossen. Auch für das erste Quartal meldete die Volkswagen AG einen neuen Rekordabsatz samt Milliardengewinn. Auch Abgasskandal und Dieselkrise scheinen weitgehend überwunden, der Konzern geht wieder in die Offensive.

Doch wie er das tut, und wie weit er die vergangene Krise tatsächlich bewältigt hat - dazu dürfte es viele kritische Fragen von Anteilseignern geben am kommenden Donnerstag, dem 3. Mai. Da stellt sich die Volkswagen-Führung bei ihrer jährlichen Hauptversammlung im Berliner Messegebäude CityCube ihren Aktionären, und sie dürfte dabei einigen Gegenwind bekommen.

Für kritische Nachfragen sorgen dürfte der plötzliche Wechsel auf dem Posten des Vorstandschefs: Vor zweieinhalb Wochen übernahm Herbert Diess, bis dahin Chef der Kernmarke VW, überraschend von Matthias Müller den Vorstandsvorsitz des Gesamtkonzerns . Aktionäre dürften vom Aufsichtsrat Erläuterungen über die Umstände und Gründe für die Ablösung einfordern - und von den VW-Vorständen wissen wollen, wie sich der Kurs von Diess von seinem Vorgänger unterscheidet. Mehr zu Diess' Weg für den Volkswagen-Konzern erfahren Sie auch in der aktuellen Ausgabe des manager magazins.

Harte Aktionärskritik an Unternehmensführung erwartet

Sein Ziel sei es, beim größten Autohersteller der Welt das Tempo für Innovationen zu erhöhen und neue Akzente zu setzen, hatte Diess nach seiner Berufung angekündigt. Es geht auch um einen Wandel hin zu einem Mobilitätskonzern. Die Autobranche ist mitten in einem umfassenden Veränderungsprozess hin zu alternativen Antrieben, mehr Vernetzung und autonomem Fahren. Dem bisherigen Konzernchef Müller soll intern Entscheidungsschwäche vorgeworfen worden sein.

Doch neben Fragen nach dem künftigen Kurs muss sich Diess auch mit Kritik zur Unternehmensführung herumschlagen, insbesondere beim Umgang mit dem Diesel-Skandal. So hat der Ökonomieprofessor und Corporate-Governance-Experte Christian Strenger mehrere Gegenanträge eingereicht. Er beantragt darin, dem Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern - aufgrund des Umgangs der VW-Führung mit dem Dieselskandal. Zudem fordert er, Wolfgang Porsche nicht als VW-Aufsichtsrat wiederzuwählen.

Strengers Anträge haben so gut wie keine Chance, eine Mehrheit zu finden. Doch die Vorstände des Konzerns müssen passende Antworten auf seine Fragen finden, die der durchaus prominente VW-Aktionär in seiner Rede stellen wird.

Diess drängt auf Dezentralisierung

Dabei will Diess vermutlich viel lieber über den massiven Konzernumbau sprechen, mit dem Volkswagen neue Markengruppen einführt. Die schwere Nutzfahrzeugsparte soll fit gemacht werden für den Kapitalmarkt, die neuen Markengruppen "Volumen" (VW, Skoda, Seat, leichte Nutzfahrzeuge), "Premium" (Audi) und "Super Premium" (Porsche, Bentley, Bugatti und Lamborghini). Dazu kommen die Einheiten Beschaffung/Komponente sowie Finanzdienstleistungen. Der Umbau soll dazu beitragen, den Konzern weniger zentral geführt aufzustellen.

Das ist aber nicht die einzige Herausforderung für den neuen Konzernchef: Gleichzeitig läuft die Aufarbeitung der Abgasaffäre weiter, außerdem muss Volkswagen den grundlegenden Wandel hin zu Elektromobilität und Digitalisierung bewältigen. Ab 2019 soll in Zwickau die elektrische ID-Modellfamilie vom Band rollen. Insgesamt will VW früheren Angaben zufolge in die Entwicklung von E-Autos, neue Mobilitätsdienste und Digitalisierung von 2018 bis 2022 mehr als 34 Milliarden Euro stecken.

Rückenwind durch gute Zahlen

Wie das genau funktionieren soll, ob der Volkswagen-Konzern einen solch tiefgreifenden Wandel überhaupt hinbekommt - da dürften am Donnerstag auch mehrere Aktionäre nachhaken. Rückenwind verschafft Diess aber die zuletzt gute Performance des Konzerns: Im ersten Quartal kletterte der Volkswagen-Konzernumsatz dank eines Rekords bei den Auslieferungen um 3,6 Prozent auf 58,2 Milliarden Euro, unter dem Strich verdiente der Autogigant mit 3,3 Milliarden Euro allerdings etwas weniger als vor einem Jahr mit rund 3,4 Milliarden Euro.

Die Volkswagen-Kernmarke, lange Zeit das Sorgenkind, steigerte sich operativ leicht, Konzernmarken wie Audi oder Skoda schnitten gut ab. Insgesamt hievte Volkswagen die Zahl der Auslieferungen an die Kunden um 7,4 Prozent auf fast 2,7 Millionen Fahrzeuge nach oben. Und auch den Ausblick für das laufende Jahr hat der Konzern vor kurzem bestätigt: Demnach soll der Umsatz 2018 um bis zu fünf Prozent steigen, die operative Rendite - also der Anteil des Betriebsergebnisses am Umsatz - soll zwischen 6,5 und 7,5 Prozent liegen - im ersten Vierteljahr lag sie bei 7,2 Prozent.

Diess kann seinen Aktionären also einen durchaus erfolgreichen Kurs der vergangenen Monate vorzeigen. Wie weit das schöne Zahlenwerk aber bei harter Aktionärskritik am Umgang mit dem Dieselskandal hilft, muss sich am Donnerstag noch weisen.

mit Material von dpa/Reuters

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