Sonntag, 28. Mai 2017

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Ergebnisse der VW-Hauptversammlung Volkswagens Wut-HV - die Spaltung der Aktionäre

Ermittlungen gegen Volkswagen-Aufsichtsratschef: Das sollten Sie über Hans Dieter Pötsch wissen
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DPA

Das Management des VW-Konzerns zeigt sich auf der Hauptversammlung demütig. Kleinaktionäre und Profi-Aktionäre üben ätzende Kritik an Aufsichtsrat und Vorstand - die beide dank der Stimmen des Großaktionärsblocks ungeschoren davon kommen.

Donnerstag, 5.30 Uhr: Guten Morgen, da sind wir wieder. Erwartungsgemäß wurden sämtliche Anträge, die der von den Familien Porsche und Piëch dominierte Aufsichtsrat der von den Familien Porsche und Piëch dominierten Hauptversammlung gestellt hat, mit überwältigender Mehrheit angenommen. Die konkreten Ergebnisse finden Sie in diesem offiziellen Dokument von Volkswagen. Das Land Niedersachsen, mit 20 Prozent der Stammaktien Großaktionär, gab an, sich bei der Entlastung der Ex-Vorstandschefs Martin Winterkorn und des aktuellen VW-Markenchefs Herbert Diess enthalten zu haben. Grund: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen die beiden Vorstände.

Mit den Stimmen des Altsystemsblocks aus Niedersachsen, den Familien Porsche und Piëch sowie des Emirats Katar wurde auch der Antrag verschiedener Profi-Investoren auf einen externen, unabhängigen Sonderprüfer zur Untersuchung der Diesel-Affäre abgeschmettert. Einer ihrer Wortführer, Hermes aus Großbritannien, hat bereits angekündigt, diesen Sonderprüfer nun gerichtlich durchsetzen zu wollen.

Mittwoch, 21.15 Uhr: Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch schließt nach elf Stunden die Aussprache und leitet die Abstimmung über die einzelnen Tagesordnungspunkte ein. Über deren Ergebnisse und etwaige Reaktionen werden wir Sie am Donnerstagmorgen ab 6 Uhr informieren. Für heute beenden wir unsere Live-Berichterstattung. Haben Sie vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

16 Uhr: Werte Leserin und Leser. Angesichts der fortdauernden Diskussion mit bekannten Argumenten ziehen wir ein Zwischenfazit.

Unser Fazit aus Hamburg: In seiner schwersten Krise hat das Volkswagen-Management zur Hauptversammlung so viel Gegenwind erfahren wie wohl schon lange nicht mehr. Alte Fehler wollte es nicht wiederholen. So unterließen Vorstandschef Matthias Müller und Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch also möglichst jede Geste, die an alten Größenwahn oder alte Überheblichkeit erinnern könnte - auch wenn Kleinaktionäre die verkürzte Redezeit auf 3 Minuten als genau das empfunden haben mögen. Statt dessen übten sich Müller und Pötsch - vor allem sie standen im Feuer der Kritik - in Demut und skizzierten erneut, wie sie die Krise hinter sich lassen und VW in eine neue Zukunft führen wollen. Wirklich viel Neues lieferten ihre Aussagen nicht. Einmal mehr deutlich geworden ist aber auch:

Mögen die zu Recht aufgebrachten (Klein-)Aktionäre bei VW sich noch so sehr aufregen, die das Unternehmen beherrschenden Gründerfamilien Porsche und Piëch ficht das in ihrer Macht nicht an. Ihnen steht mit dem Emirat Katar zudem ein - auch das zeigte sich am Mittwoch - extrem loyaler Großaktionär zur Seite. Und auch das Land Niedersachsen als weiterer Großaktionär ist über den Aufsichtsrat eng in Firmenführung und Krisenmanagement eingebunden. Gegen insgesamt 89 Prozent der Stimmrechte ist nichts auszurichten, da können (auch institutionelle) Aktionäre noch so sehr auf die Barrikaden gehen. Eine Revolution kann bei Volkswagen nur von innen heraus beginnen - im Machtzentrum selbst.

15.45 Uhr: VW-Investoren, die sich Schadensersatz für Kursverluste erhoffen, müssen sich beeilen. Denn sonst drohen Verjährungsfristen zu verstreichen. Darauf weist der auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Rechtsanwalt Dietmar Kälberer aus Berlin hin. Hintergrund: Beim Landgericht Braunschweig sind bereits mehrere gleichlautende Klagen gegen Volkswagen eingegangen. Darin fordern Aktionäre Schadensersatz, weil das Unternehmen nach ihrer Ansicht die Öffentlichkeit zu spät über die Abgasmanipulation in den USA informiert hat. Aufgrund der Masse der Klagen soll es nun ein Kapitalanleger-Musterverfahren gegen Volkswagen geben, dem sich alle betroffenen Aktionäre anschließen können. Problem ist jedoch: Das könnte sich noch so lange hinziehen, dass es für viele Anleger zu knapp wird.

Der entscheidende Termin ist laut Kälberer der 19. September 2016, und zudem die Frage, ob ein Aktionär seine Anteilsscheine vor oder nach dem 10. Juli 2015 erworben hat. Wurden die Aktien vor dem 10. Juli gekauft, so droht am 19. September die Verjährung, so Kälberer. Durch die Zeitplanung des Gerichts erscheint es nach seinen Angaben jedoch kaum möglich, dass das Musterverfahren noch bis zum 19. September eröffnet wird. Anlegern, die vor dem 10. Juli 2015 gekauft haben, rät der Anwalt daher, bis spätestens 19. September selbst Klage einzureichen. Nur dann seien sie auf der sicheren Seite.

15.30 Uhr: Noch reden sich die VW-Aktionäre in den Messehallen von Hannover den Frust von der Seele - und stellen Fragen. Viele Fragen. Wann das Management sie beantworten wird, ist unklar. Mit anderen Worten: Diese Hauptversammlung kann sich noch lange hinziehen. Vor Mitternacht muss die HV auf jeden Fall beendet sein. Gelingt dies nicht, muss Aufsichtsratschef Pötsch das Treffen laut Aktienrecht neu ansetzen. Pötsch wird also alles daran setzen, das Aktionärstreffen vor Mitternacht zu beenden.

15.15 Uhr: VW-Kleinanleger Norbert Cultus hat das Wort. Der Mann hat früher im VW-Werk malocht - und somit eine nicht zu unterschätzende Innensicht vom Konzern. Dass Cultus kein Blatt vor den Mund nimmt, wissen VW-Vorstände schon aus vergangenen Hauptversammlungen zu berichten. Diesmal hat Cultus gleich drei Gegenanträge eingereicht - gegen die Entlastung des Vorstands, des Aufsichtsrats, und gegen die Wahl von Pötsch als Aufsichtsratsvorsitzenden. Cultus Fazit: Der Vorstand hat auf ganzer Linie versagt. Nun will er wissen: Wie viele Lobbyisten sind für VW in Berlin tätig, wie viele in Washington?

14.40 Uhr: Und wieder nix! Auch der zweite Antrag auf Pötschs Abwahl als Versammlungsleiter scheitert: 99,99 Prozent des anwesenden Kapitals stimmen dagegen.

14.25 Uhr: Aufsichtsratschef Pötsch muss über einen weiteren Antrag auf seine Abwahl als Versammlungsleiter abstimmen lassen. Denn es wurde zusätzlich die Wahl von Ministerpräsident Stephan Weil als neuem Versammlungsleiter des Aktionärstreffens beantragt wurde.

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