Mittwoch, 12. Dezember 2018

Verstopfte Busspuren Die Nebenwirkungen des Elektroauto-Booms

Elektroauto-Ladestation in Oslo: Kostenloses Laden gehört zu den vielen Annehmlichkeiten für Norwegens Elektroauto-Käufer

Hohe Steuerrabatte und Verkehrs-Sonderregelungen machen Norwegen zum Eldorado für Elektroautos. Die Fahrzeuge machen aber nicht nur Oslos Busfahrern zu schaffen. Nun steigt der Druck, manche Förderungen zu überdenken.

Hamburg - Ein eher raues Klima und große Ölvorräte: In der Theorie bietet Norwegen nicht gerade ideale Bedingungen für Elektroautos. Dennoch gilt das nordeuropäische Land längst als Mekka der Elektromobilität. Denn die norwegische Regierung fördert den Kauf von Elektroautos im großen Stil: Beim Kauf eines Elektroautos fallen die hohe Mehrwertsteuer und Verbrauchsabgaben weg. Elektroauto-Fahrer zahlen in Städten keine Straßenmaut, können auf öffentlichen Parkplätzen kostenlos parken und laden - und sogar die Busspuren nutzen.

Die Folge der staatlichen Großzügigkeit: Auf Norwegens Straßen fahren heute 32.000 E-Mobile bei nur 5,1 Millionen Einwohnern. Der Marktanteil der Stromer lag im vergangenen Jahr bei 5,6 Prozent. Doch manche Sonderreglungen führen zu ungewöhnlichen Problemen. In Oslo beschweren sich Busfahrer zunehmend darüber, dass Elektroautos auf den Busspuren zum Verkehrshindernis werden

"Das ist zu einem Problem geworden", sagt der Busfahrer Erik Haugstad gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Als Busfahrer wolle er seine Passagiere so schnell als möglich transportieren. Doch Elektroautos versperren ihm häufig den Weg. "Diese Verzögerungen sind mit Kosten für die Gesellschaft verbunden", kritisiert Haugstad. "Die Zeit, die tausende unserer Passagiere dadurch verlieren ist in Summe viel größer als jene, die ein paar Dutzend Elektroauto-Fahrer gewinnen".

Elektroauto-Marktanteil bereits bei 13 Prozent

Im Berufsverkehr sorgen Elektroautos bereits für 85 Prozent des Verkehrsaufkommens auf Busspuren, hat eine Studie der norwegischen Verkehrsbehörde auf einer vielbefahrenen Straße am Rand von Oslo ergeben. Laut AFP werden neue Regelungen für die Busspuren-Nutzung der Stromer wahrscheinlicher, um die Lage auf stark befahrenen Straßen zu den Hauptzeiten zu entspannen. Eine Entscheidung darüber haben die Behörden aber noch nicht gefällt.

Derweil steigen die Verkaufszahlen für Elektroautos in Norwegen weiter stark an. Im ersten Halbjahr lag der Marktanteil von Elektroautos am gesamten Neuwagenmarkt bereits bei 12,9 Prozent. Teslas Model S war im März Norwegens meistverkauftes Auto, obwohl die Basisversion des Autos erst bei 60.000 Euro startet. Inklusive der in Norwegen üblichen Mehrwert- und Verkaufssteuern würde das Auto gut das Doppelte kosten.

Steuervorteile sollen weiterbestehen

Die Wirkung ihrer Maßnahmen haben die Behörden aber offenbar unterschätzt. Ursprünglich plante die Regierung, die Anreize bis zum Jahr 2017 aufrechtzuerhalten - oder solange, bis in Norwegen mehr als 50.000 Elektroautos zugelassen sind.

Diese Zahl wird wohl bereits Anfang des kommenden Jahres erreicht. Das zwingt die Regierung dazu, ihre teuren Maßnahmen zu überdenken. Alleine die Steuererleichterungen dürften bis zu 650 Millionen Euro kosten. Norwegens Premierministerin Erna Solberg hat bereits angekündigt, dass ihre Regierung Anpassungen plant. Doch sie versprach Fahrern auch, dass es weiterhin Steuervorteile für Elektroautos geben werde.

Eine solche Zusage ist wichtig. Fast die Hälfte aller Elektroautobesitzer gibt an, dass Geld sparen der Hauptgrund für den Erwerb ihres E-Mobils war. Rund ein Viertel kaufte aus Umweltschutzgründen, nur jeder achte will durch das Elektroautofahren Zeit sparen.

Norwegens Elektroauto-Verband weist bereits darauf hin, dass es zu früh sei, um die Steueranreize aufzuheben. Wenn die Mehrwertsteuerbefreiung jetzt abgeschafft werde, könnte der Markt zusammenbrechen. Norwegen könnte dann kaum seine Klimaschutzziele erreichen. "Wir müssen die Zahl von Elektroautos erhöhen, nicht verringern", fordert die Verbandspräsidentin. Derzeit entfallen 10 Prozent aller CO2-Emissionen in Norwegen auf den Straßenverkehr.

Den städtischen Busfahrer und ihren Passagiere wird die Regierung jedoch zügig ein Friedensangebot machen müssen.

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