Samstag, 18. November 2017

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Vernetztes Fahren "Es werden weiter Autos gehackt werden"

Automatisiertes Fahren: Die Forschungsflotte der BMW Group auf der Autobahn

Wer autonomes Fahren anbieten will, muss nicht nur die Steuerungstechnik vor Hackern abschotten, sagt Wolfgang Bernhart. Der Automobil-Experte von Roland Berger hält die Herausforderungen aber für lösbar - und sagt, in welchen Bereichen BMW, Conti oder Bosch auf gleicher Höhe sind wie die US-Konkurrenz.

manager-magazin: "Achtung, das Betriebssystems Ihres Fahrzeugs ist gehackt worden!" Herr Bernhart, gehören solche Warnhinweise künftig zum Alltag eines Autofahrers?

Wolfgang Bernhart: Vielleicht darf ich mit einem Witz antworten, Sie kennen ihn vielleicht. Zwei Antilopen werden von einem Löwen gejagt. Die eine zieht sich Turnschuhe an. "Warum tust Du das?", fragt die andere. "Mit Turnschuhen bist Du auch nicht schneller als der Löwe." "Das stimmt", antwortet die eine, "aber schneller als Du".

mm: Und übertragen in die Welt Autofahrers oder Autoherstellers bedeutet das, ...

Bernhart: ... dass es den kompletten Schutz vor Hackerangriffen nicht geben wird. Also muss der Hersteller das Auto erstens so gut gegen Angriffe schützen, dass der Aufwand für den Hacker so groß wird, dass andere Ziele lohnender erscheinen. Und dass zweitens zumindest die für die unmittelbare Verkehrssicherheit, ...

mm: ... Funktionen wie Lenken, Bremsen, Beschleunigen, ...

Bernhart: ... wichtigen Bereiche geschützt sind.

mm: Kann wenigstens dieser Mindestschutz gelingen? Die Gefahr wird durch immer neue Connectivity-Systeme, durch automatische Fahrhilfen bis hin zum rein computergelenkten Fahrzeug und all die Sensoren, Chips und Software-Systeme, die dafür benötigt werden, eher weiter steigen.

Zur Person
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    Wolfgang Bernhart ist Partner der Unternehmensberatung Roland Berger in Stuttgart. Elektromobilität gehört ebenso wie die Vernetzung von Automobilen zu seinen Spezialgebieten.
Bernhart: Es werden weiter Autos gehackt werden; und vermutlich wird es dabei auch das ein oder andere Mal in den sicherheitsrelevanten Bereich gehen. Aber ich bezweifle, dass viele solche Fälle in die Öffentlichkeit kommen. Das dürfte er eher ähnlich wie bei den Banken laufen. Es gibt eine Attacke oder sogar einen Erpressungsversuch, die Lücke wird wieder geschlossen; und die Sache wird nicht an die große Glocke gehängt.

mm: Damit bleiben Sie auf der Firmenebene. Der Privatfahrer bekommt von dem also nichts mit, selbst die Infotainmentsysteme sind geschützt?

Bernhart: Nein, die Infotainmentsysteme werden das offenste Einfalltor bleiben. Gut vorstellbar, dass sich da eine ähnliche Situation ergibt wie heute bei den Smartphones. Da gibt es bei Apple relativ wenige Problemfälle, weil die ihre Systeme am besten unter Kontrolle behalten. Da ist die Hürde für Angreifer am höchsten.

mm: Sie gehen also auch davon aus, dass Apple mit dem iCar kommen wird?

Bernhart: Da möchte ich mich nicht festlegen. Aber ganz sicher wird Apple das Angebot für Infotainment im Auto und für die iPhone-Nutzung im Auto noch deutlich erweitern. Und wenn da die Sicherheit nicht stimmt, könnten Hackern natürlich erstens auf Nutzerdaten zugreifen, ...

mm: …, und zweitens darüber doch Fahrfunktionen stören.

Bernhart: Ja, aber das ist erst recht eine Herausforderung für andere Smartphone-Anbieter. Und solche möglichen Lücken sind auch ein Thema der Autohersteller: wer demnächst wirklich autonomes Fahren anbieten will, muss die Steuerungstechnik möglichst komplett abschotten.

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