Mittwoch, 15. August 2018

Automobile Trends Die neue Verbundenheit der Autobosse

Auto-Salon: Die wichtigsten Autopremieren in Genf
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Ferrari

Üblicherweise stehen auf dem Genfer Autosalon gewagte Konzeptautos im Rampenlicht. Doch in diesem Jahr ist etwas anders. Daimler spricht viel über Vernetzung, VW über die Digitalisierung. Ganz leicht tun sich die großen Hersteller nicht damit, das Auto zum rollenden Smartphone umzumodeln.

Genf - Dieter Zetsche hätte genügend Auswahl gehabt, um vor dem Start des Genfer Autosalons noch einmal das ganz große Auto-Aufgebot auf die Bühne zu bringen. Mercedes hat gerade seinen Bestseller C-Klasse neu aufgelegt, der Kompakt-SUV GLA ist ebenfalls noch taufrisch - und die im Herbst auf den Markt gebrachte neue S-Klasse ist punkto Modellvarianten noch nicht ausgereizt.

Doch statt ein neues Modell nach dem anderen auf die Bühne zu rollen, entschied sich der Daimler-Chef am Vorabend des Genfer Autosalons für eine etwas andere Show. Im Mittelpunkt der Daimler-Veranstaltung standen diesmal weniger die Autos - sondern die Internetdienste der Sternen-Marke, die der Konzern künftig unter dem Namen "Mercedes me" bündelt.

Seinen Anspruch beschrieb Zetsche so: Er will die Autos künftig in eine "Wolke nahtlos ineinandergreifender Dienstleistungen" einbetten. Künftig sollen alle Internetdienste von Daimler Börsen-Chart zeigen über ein einziges Portal erreichbar sein. Via "Mercedes Me" lassen sich dann nicht nur Car2Go-Carsharing-Autos finden oder Taxifahrten bestellen, sondern auch der Standort des eigenen Mercedes ermitteln, Werkstatttermine vereinbaren oder Leasingangebote einholen.

Die Präsentation des neuen S-Klasse Coupés geriet da schon fast zur Nebensache, was kurz vor dem Start einer Automesse eher ungewöhnlich ist. Doch Zetsche ist mit seinem Vorstoß ins Digitale längst nicht alleine. Fast alle Hersteller setzen auf eine bessere Einbindung von Smartphones in ihre Fahrzeuge, um jüngere Kunden bei der Stange zu halten. Doch das stellt die Branche vor neue Probleme.

Alles wird schneller

VW-Chef Martin Winterkorn etwa erklärte, dass strengere Abgasregelungen und die fortschreitende Digitalisierung die Autoindustrie vor große Herausforderungen stelle. Er sieht in den nächsten Jahren "einem der größten Umbrüche seit Bestehen des Automobils". Da sich die Wünsche der Kunden und ihre Erwartungen an Mobilität immer schneller verändern, müsse sich auch die Industrie darauf einstellen, meinte Winterkorn. Die Autohersteller müssten darüber nachdenken, ob die Modellzyklen von sieben bis acht Jahren nicht "deutlich kürzer" werden müssten, meinte der VW-Konzernchef.

Denn bei ihrem Wunsch, Smartphones und Autos besser zu verzahnen, stehen die Autohersteller vor einem Problem: Die Technologiesprünge bei Smartphones sind deutlich rasanter als bei Autos - und Menschen wechseln ihre Handys deutlich häufiger als ihre Autos.

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