Dienstag, 25. September 2018

Verhaftung des Audi-Chefs Rupert Stadler Die Parallelwelten der deutschen Top-Manager

Hier noch als freier Mann: Rupert Stadler Mitte März 2018 auf der Jahrespressekonferenz von Audi.

Natürlich gilt für den frisch inhaftierten Volkswagen-Star Rupert Stadler weiterhin die Unschuldsvermutung. Zweifelsfrei bewiesen ist allerdings die Naivität des Mannes, der bis Anfang der Woche mehr als elf Jahre lang Audi-Chef war.

Seit Monaten verschrecken immer wieder kleine und große Geheimnisse über ungesetzliche Audi-Modelle die Öffentlichkeit. Das Signal: Großes, undurchschaubares Problem.

Allein durch seinen trotzigen Verbleib im Amt sandte Stadler in dieser Zeit genau das entgegengesetzte, provozierende Signal: Großer, unbelehrbarer Problemlöser.

Dass ein solcher Konflikt nach Auflösung schreit, verrät schon die geringste Spur an Lebenserfahrung. Als dann auch noch die Staatsanwälte Durchsuchung auf Durchsuchung über Audi und Stadler in personam rollen ließen, und die Politik kaum verhüllt in die Formulierung, es müsse doch mal jemand "Verantwortung übernehmen", einen Kopf forderte, hätte es nicht einmal mehr die gebraucht.

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Stadler hätte mit einem Rücktritt - natürlich ohne Schuldeingeständnis - sich selbst, dem Konzern und der deutschen Kernindustrie viel Leid erspart. Aber Stadler hat sich in seiner Welt zu sicher gefühlt: Dem Patronat der VW-Großaktionäre, der Familien Piëch und Porsche, den Stäben und Beratern, die hochmächtigen CEO nach dem Mund reden. Eine Parallelwelt.

Natürlich ist Deutschland ein Rechtsstaat. Aber Deutschland ist auch ein Moralisier-Staat. Und dessen Urteil lautet in solchen Fällen eigentlich immer: Rücktritt, Verbal-Buße, Rückzug ins Private - meist mit der Begründung, dass der Angefeindete, wenn er denn schon möglicherweise persönlich sich nichts habe zuschulden kommen lassen, doch immerhin Schuld am Versagen seiner Organisation trage.

Für Stadler mag sich diese Perspektive nach einer ungerechtfertigten Niederlage angefühlt haben. Das ist, wenn er denn wirklich unschuldig im juristischen Sinne ist, nachvollziehbar. Dennoch wäre der Schritt im Vergleich zu dem Bild, das er jetzt abgibt, für ihn und das Image der Topmanager in diesem Land viel besser gewesen.

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