Samstag, 24. September 2016

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Freispruch für Wiedeking und Härter im Porsche-Prozess "Es gab keinen Geheimplan des Vorstands"

Freisprich: Ex-Porsche-Chef Wiedeking (l.) und Ex-Finanzchef Härter sind nach Ansicht des Gerichts nicht schuldig

Das Landgericht Stuttgart hat Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking vom Vorwurf der Marktmanipulation im Zusammenhang mit der Übernahmeschlacht um Volkswagen 2008 freigesprochen. Eine Verurteilung wäre "nicht rational begründbar" gewesen, sagte Richter Frank Maurer am Freitag. Die Kammer sei zu diesem "eindeutigen Ergebnis" gelangt.

Die Staatsanwaltschaft hatte im Zusammenhang mit dem Übernahmepoker einen Geheimplan von Wiedeking und seinem damaligen Finanzvorstand Holger Härter vermutet, durch den die Anleger getäuscht und der Kurs der VW-Aktie manipuliert werden sollte. Maurer widersprach dem: "Es gab keinen Geheimplan des Vorstands."

Auch Härter wurde freigesprochen. Die Ankläger hatten für Wiedeking zweieinhalb Jahre Haft und eine Million Euro Geldbuße gefordert. Für Härter war die geforderte Freiheitsstrafe etwas geringer. Die Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert.

Für die Porsche SE - heute Großaktionärin des VW-Konzerns - hatte die Staatsanwaltschaft eine Geldbuße von gut 800 Millionen Euro gefordert. Auch dies wurde abgewiesen. Gegen das Urteil ist Revision beim Bundesgerichtshof möglich.

Porsche und Piech hätten aufklären können, sagten aber nicht aus

Porsche hatte unter Wiedekings und Härters Führung vor rund sieben Jahren den Anteil an Volkswagen schrittweise erhöht. Erst als die Kontrollmehrheit von 75 Prozent im Oktober 2008 fast erreicht war, machte Wiederking die Übernahmeabsicht öffentlich. Bis dahin hatte Porsche dies stets bestritten - nach Ansicht der Angeklagten zu Recht, da der Aufsichtsrat der von den Familien Porsche und Piech kontrollierten Holding erst Ende Oktober zugestimmt hatte.

Die Staatsanwaltschaft sah es dagegen als erwiesen an, dass Wiedeking und Härter insgeheim die Übernahme schon viel früher beschlossen und die Anleger mit falschen Aussagen getäuscht hatten.

Mit dem Urteil endet einer der seit Jahren spannendsten Wirtschaftskrimis in Deutschland - zumindest vorläufig: An gut 20 Verhandlungstagen ging es darum, was hinter verschlossenen Türen geschah, als der kleine Sportwagenbauer aus Stuttgart ein großes Rad mit milliardenschweren Optionen auf VW-Aktien drehte, um Europas größten Autokonzern zu schlucken.

Wie es wirklich war, wissen neben den Angeklagten nur die Oberhäupter der Familien Porsche und Piech, denen Porsche und der größte Anteil an VW gehören. Doch Wolfgang Porsche und Ferdinand Piech mussten vor Gericht nicht in den Zeugenstand - wegen des mittlerweile beendeten Ermittlungsverfahrens gegen die Aufsichtsräte wegen Beihilfe zur Marktmanipulation hatten sie das Recht, die Aussage zu verweigern.

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rei/cr/rrtr/dpa

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