Sonntag, 2. Oktober 2016

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Britische Nobelmarken Jaguar Land Rover zieht es in die Wüste

Jaguar Crossover-Konzept C-X17:
Jaguar Land Rover
Jaguar Crossover-Konzept C-X17:

Vor fünf Jahren waren die britischen Nobelmarken noch Sanierungsfälle - jetzt mutieren sie zum Angreifer. Jaguar Land Rover-Chef Ralf Speth über neue Investitionen, seine weit fortgeschrittenen Pläne für ein Werk in Saudi-Arabien - und das behutsame Vorgehen in China.

mm: Herr Speth, vor vier Jahren brauchte Jaguar Land Rover dringend das Geld des indischen Eigentümers Tata, um überhaupt über die Runden zu kommen. Jetzt hat sich die Situation umgekehrt: Ihre hohen Gewinne stützen Tatas Autosparte. Wie war ein so schneller Wandel möglich?

Speth: Ohne den Tata-Konzern wären Jaguar und Land Rover nicht mehr am Leben. Ratan Tata hatte Vertrauen in die Marken, und mit diesem Vertrauen hat er investiert. Er hat uns aber den unternehmerischen Freiraum gegeben, zwei Dinge gleichzeitig zu machen: Zu restrukturieren und in zusätzliches Wachstum zu investieren. Dieses simultane Vorgehen hat uns auf unseren jetzigen Wachstumskurs gebracht. Vollkommen stabilisiert sind wir nicht - aber das ist ja derzeit niemand in der Branche.

mm: Ihr Eigentümer Tata jedenfalls steht zurzeit finanziell nicht sehr solide da. Dabei wollen sie ja bis 2014 2,75 Milliarden Pfund in neue Produkte stecken. Machen die Inder bereits Abstriche bei den angekündigten Investitionen?

Speth: Überhaupt nicht. Das Geld für unsere Investitionen bekommen wir nicht von Tata, sondern wir müssen es selbst verdienen. Im vergangenen Jahr haben wir fast um ein Drittel mehr Autos verkauft - das zeigt deutlich, dass wir wachsen können. Wir finanzieren unsere zukünftigen Entwicklungen komplett aus unserem eigenen Cash-Flow. Eines ist aber klar: Wir investieren überproportional zum Wettbewerb. Und wir trauen uns das zu, weil beide Marken noch weiteres Potenzial haben.

mm: Im Jahr 2012 haben sie weltweit 304.000 Autos der Marke Land Rover abgesetzt - ein Plus von 36 Prozent. Bei Jaguar fiel das Wachstum mit 6 Prozent und 54.000 verkauften Autos deutlich geringer aus. Ist die Raubkatzen-Marke ihr Problemkind?

Speth: Vom Volumen her hat Land Rover bei uns eine sehr starke Gewichtung. Doch jetzt investieren wir neu in Jaguar. Wir geben zusätzlich 1,8 Milliarden Euro für die Marke aus, unter anderem für die neue Aluminium-Fahrzeugarchitektur, und bringen eine kleine Sportlimousine auf den Markt. Auf der IAA stellen wir mit dem C-X17 eine Crossover-Studie aus. Das zeigt die Stärke der Marke Jaguar - und natürlich auch unser Bekenntnis zum Standort Großbritannien.

mm: Doch ein Produktionsstandort reicht heute kaum aus. Ihre großen deutschen Konkurrenten fertigen ihre Fahrzeuge bereits in China oder den USA. Wann wagt Jaguar Land Rover größere Sprünge im Ausland?

Speth: Natürlich bauen auch wir einen globalen Produktionsverbund auf, um näher am Markt zu sein und Kunden direkt anzusprechen. In Indien montieren wir bereits den Land Rover Freelander und den Jaguar XF. Bei unserem Jointventure mit dem chinesischen Autohersteller Chery liegen wir exakt im Zeitplan. Voraussichtlich Anfang 2015 werden hier die ersten Land-Rover-Fahrzeuge vom Band rollen.

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