Donnerstag, 24. August 2017

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Gericht lehnt Vorziehen der HV ab Showdown bei Autozulieferer Grammer ist erstmal vertagt

Grammer-Zentrale in Amberg: Kurze Verschnaufpause im Übernahmekampf

Verschnaufpause für die Führung des umkämpften bayerischen Autozulieferers Grammer: Ein Gericht wies einen Antrag auf ein Vorziehen der Hauptversammlung zurück. Zum Kräftemessen zwischen Grammer und der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor wird es nun Ende Mai kommen.

Im Übernahmekampf um Grammer gewinnt die Führung des bayerischen Autoherstellers etwas Zeit: Das Amtsgericht Amberg hat nun den Antrag der Cascade International Investment GmbH auf die vorzeitige Einberufung einer Hauptversammlung zurückgewiesen.

Hinter dem Investmentvehikel verbirgt sich die bosnische Unternehmensfamilie Hastor und deren Autozulieferer-Gruppe Prevent, die im Sommer 2016 für einen Produktionsausfall bei Volkswagen sorgte - wegen eines mit harten Bandagen ausgetragenen Streits um Aufträge.

Das Amtsgericht Amberg urteilte am Dienstag, dass für den Cascade-Antrag auf eine gesonderte, vorgezogene Hauptversammlung "kein Rechtsschutzbedürfnis" bestehe. Der Investmentgesellschaft sei zuzumuten, mit ihrem Anliegen bis zur geplanten Grammer-Hauptversammlung am 24.05.2017 zu warten.

Das Anliegen von Cascade und Hastor hat es allerdings in sich: Cascade hatte im Januar angekündigt, fünf der sechs Grammer-Aufsichtsräte auf der Kapitalseite absetzen zu wollen. Auch Hartmut Müller, den Chef des Autozulieferers mit 12.000 Mitarbeitern und 1,5 Milliarden Euro Umsatz, wollen sie loswerden. Die Begründung von Cascade dafür: Die Marge des Autozulieferers sei zu gering. Zudem wollen die Hastors Schadenersatzansprüche gegen die Führung prüfen lassen.

Über zwei Investmentvehikel, Cascade und die Halog AG, halten die Hastors mittlerweile mehr als 20 Prozent an Grammer. Grammer wehrt sich nach Kräften gegen die sich abzeichnende feindliche Übernahme: Mitte Februar erklärte der Autozulieferer, dass der chinesische Mittelständler Jifeng über eine Wandelanleihe 10 Prozent der Anteile halte. Jifeng soll als "weißer Ritter" zum Gegenspieler der Hastors werden.

Auf Seiten des Hastor-Unternehmens Prevent läuft zur Zeit nicht alles rund: Der Chef von Prevents Automotive-Sparte, der ehemalige BMW-Manager Torsten Walter, verließ vor kurzem das Unternehmen. Dies berichtet das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe. Hintergrund sind die wachsenden Probleme des umstrittenen Zulieferers mit der Autoindustrie.

Warum noch unklar ist, ob Jifeng die Hastors stoppen kann

Auch aus der Politik erhofft sich der Autozulieferer Hilfe: Kommenden Freitag besucht die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Eigner ein Grammer-Werk. Dabei soll sie sich auch "über die wirtschaftlichen Perspektiven sowie die aktuellen Entwicklungen in der Aktionärsstruktur" informieren, wie es in einer Grammer-Einladung heißt.

Wieweit Jifeng die Hastors stoppen kann, ist aber noch unsicher. Auf der Hauptversammlung kann mit der Mehrheit der Stimmen der Aufsichtsrat ausgewechselt werden. Das Kontrollorgan kann wiederum die Vorstände austauschen.

Jifeng ist mit seinem Umsatz von 200 Millionen Euro ein eher kleiner Player. Durch die Zukäufe der Hastors ist der Grammer-Aktienkurs zuletzt deutlich gestiegen. Wenn Jifeng nun weitere Anteile zukaufen soll, dürfte das teuer werden - und die Chinesen möglicherweise überfordern. Bis Ende Mai muss die Grammer-Führung also versuchen, mehr Aktionäre auf Seiten Jifengs zu bringen.

Die großen deutschen Autohersteller sehen bei Grammer besonders genau hin. Denn sie müssen fürchten, dass die Hastors ihre Blockade-Taktik vom vergangenen Sommer bei Grammer wiederholen. Volkswagen kostete der Produktionsausfall Millionen und wohl auch einiges an Reputation.

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