Sonntag, 4. Dezember 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Auftritt von Travis Kalanick in München Ubers neue Masche für Europa: nett sein

Auf Beruhigungstour: Uber-Chef Travis Kalanick am Sonntag in München bei der Eröffnung der DLD (Digital-Life-Design) Konferenz.

Bislang war Uber mit Wonne der bad guy. Nun hat der Fahrdienstbetreiber seine Kommunikations-Strategie geändert. Er geriert sich als Heilsbringer, der die Umwelt rettet und gleichzeitig Tausende von Jobs schaffen will. Unter Umständen.

München - So schüchtern hatten die meisten Uber-Chef Travis Kalanick wohl noch nie erlebt. Mit fast schon zaghaften Schritten betrat er die Bühne bei der DLD-Konferenz in München. Verleger Hubert Burda hatte zum elften Mal zu seiner jährlichen Digital-Konferenz eingeladen. Facebooks Mark Zuckerberg war schon mal da, Google-Chairman Eric Schmidt oder Yahoo-Chefin Marissa Mayer, damals noch in Diensten Googles, ebenfalls. Wer in Amerika groß wurde, der schaute auch meistens hier vorbei - mit einer freundlichen Botschaft im Gepäck.

Da stand er nun, der Travis Kalanick. In der Hand die gelb-schwarze Fernbedienung für die Leinwandpräsentation, die er während seines Vortrags vor der angereisten Technologie-Elite immer wieder fest umklammerte. Kein glänzender Anzug, keine großspurigen Gesten. Travis Kalanick gab sich nervös und bescheiden, eine Eigenschaft, die man bei dem Mann bislang nicht beobachten konnte.

Bisher kannte man Kalanick so: Er setzte sich in einen Sessel, als habe er ihn gerade spielend erobert. Auf seinem Gesicht ein Siegerlächeln. Das Gespräch beherrschte er. Egal welche Frage der Moderator für ihn parat hatte, er meisterte sie auf seine Art und Weise. Ungehobelt, frech, arrogant. Ein ihm angebotenes Gespräch mit Politikern bezeichnete er mal als "a waste of time", also reine Zeitverschwendung. Und für das Taxi-Gewerbe, deren Geschäft er übernehmen will, hatte er nur Schimpfwörter wie "Arschloch" übrig. Und das nicht hinter vorgehaltener Hand, sondern in schöner Regelmäßigkeit auf den Bühnen der digitalen Welt.

Kalanick will mit seinem Unternehmen das Betriebssystem für Transport werden. Erst Menschen, dann immer mehr: Möbel, vielleicht auch Lebensmittel, die man nicht mehr tragen kann. Und das alles über eine App, die Fahrer und Fahrgast oder Auftraggeber miteinander verbindet. Mehr als 3,2 Milliarden Dollar hat er dafür von Investoren erhalten. Er benötigt das Geld für Anwälte, die für ihn weltweit vor Gerichten kämpfen und Ubers Regelverstöße verteidigen. Er braucht es für Berater und die vielen Subventionen für seine Kunden, mit denen er viele Gewohnheiten ändern muss, die der Fahrer und die der Fahrgäste.

Seite 1 von 3
Nachrichtenticker

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH