Montag, 18. Dezember 2017

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40.000 Fahrern droht Lizenz-Entzug London jagt Uber aus der Stadt

Uber darf mit Ende des Monats September seine Dienst in der Metropole London nicht mehr anbieten

Weitere Schlappe für den Fahrdienstvermittler Uber: London entzieht dem US-amerikanischen Privat-Taxidienst die Lizenz mit Beginn des Monats Oktober. Mehr als 40.000 Fahrer, die für Uber fahren, dürften damit ihre Dienste nicht mehr anbieten, berichtet der "Guardian" unter Berufung auf eine Mitteilung der Verkehrsbehörde (TfL) am Freitag.

Uber will gegen die Entscheidung vor Gericht ziehen. Bis über den Einspruch entschieden ist, könne das Unternehmen aber seinen Fahrdienst vorläufig aufrecht erhalten. Die Verkehrsbehörde habe ihren Schritt damit begründet, dass Ubers Verhalten ein Risiko für die öffentliche Sicherheit darstelle.

Uber vermittelt Mitfahrgelegenheiten per App über das Internet. In Großbritannien erlitt Uber bereits mehrere Rückschläge und sieht sich von Gewerkschaften, Behörden und den überwiegend schwarzen Taxifahrern scharfer Kritik ausgesetzt. In der Folge verpflichteten britische Richter das Unternehmen, dass Uber-Fahrer ausreichende Englischkenntnisse besitzen müssen. Später verdonnerten sie Uber dazu, seine Fahrer wie reguläre Arbeitnehmer zu behandeln, ihnen also den Mindestlohn und auch Urlaubsgeld zu zahlen.

Die Missachtung sozialer Standards und Regeln zur Personenbeförderung sind nur ein Vorwurf, mit dem Uber weltweit zu kämpfen hat. In den USA wurde Uber zudem nachgewiesen , eine umstrittene Geheimsoftware eingesetzt zu haben, mit der das Unternehmen Behördenmitarbeiter und Strafverfolger in vielen Großstädten ganz offensichtlich in die Irre führte.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan sagte, er unterstütze die Entscheidung, Ubers Lizenz zu widerrufen, voll und ganz. Dabei betonte das Stadtoberhaupt, London solle ein "natürliches Zuhause für spannende neue Unternehmen" sein, die den Londonern mit einem besseren und erschwinglicheren Service helfen. Doch müssten alle in der Metropole agierenden Firmen nach den gleichen Regeln spielen und den "hohen Ansprüchen genügen, die wir erwarten - insbesondere, wenn es um die Sicherheit der Kunden geht."

Uber: Londoner Behörde raubt 40.000 Fahrern die Existenz

Uber kündigte rechtliche Schritte gegen die Entscheidung an. Mit dem Beschluss dokumentiere die Weltstadt London, dass sie alles andere als weltoffen sei, sondern im Gegenteil innovative Unternehmen einfach vor die Türe setze, kritisierte das Unternehmen den Beschluss der Verkehrsbehörde.

3,5 Millionen Menschen in London nutzten die Uber-App. Mehr als 40.000 lizenzierte Fahrer im Großraum London verdienten ihren Lebensunterhalt damit. Im Interesse aller Fahrer und Verbraucher werde man gegen die Entscheidung vor Gericht ziehen, kündigte Uber an.

Der von Expedia kommende neue Chef Dara Khosrowshahi hat damit einen weiteren Rückschlag abzufedern. Nicht genug, dass Uber bereits in vielen Städten in Europa mit Verboten kämpft. Khosrowshahi muss auch den ramponierten ruf Ubers entscheidend verbessern, wenn er die Investoren bei der Stange halten will.

Sein Vorgänger und Unternehmensgründer Travis Kalanick hatte Uber mit aggressiven Methoden auf Wachstum getrimmt. Die Unternehmenskultur allerdings blieb damit auf der Strecke. Immer wieder wurden Sexismus- und Diskriminierungsvorwürfe laut, Kalanick bekam die Probleme jedoch ganz offensichtlich nicht in den Griff und musste auf Druck von Investoren schließlich seinen Stuhl räumen.

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