Montag, 20. November 2017

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Google investiert groß bei Uber-Rivalen Lyft Im teuren Poker um Fahrdienste werden die Karten neu gemischt

Lyft-Car in San Francisco: Google-Mutter Alphabet erhöht den Einsatz

In der Welt der neuen Fahrdienst-Vermittler sind Milliarden-Investments längst an der Tagesordnung. Nicht umsonst zählt der Fahrdienst-Vermittler Uber zu den weltweit höchstbewerteten Startups. Auch Ubers deutlich kleinere Konkurrenten konnten sich schon über Investorengelder in dreistelliger Millionenhöhe freuen.

Doch nun wird das Füllhorn nochmals größer für viele Startups, die mit Smartphone-Apps die Personenbeförderung vereinfachen wollen. Denn nun erhöht die Google-Mutter Alphabet den Einsatz - und steigt im großen Stil in den Fahrdienst-Poker ein.

Allerdings nicht beim Marktführer Uber, bei dem es weiterhin kräftig kriselt. Sondern bei der Konkurrenz. Der Investmentarm der Google-Mutter Alphabet, CapitalG, steckt eine hohe Summe in den Uber-Rivalen Lyft. CapitalG führt eine Finanzierungsrunde an, die Lyft eine Milliarde Dollar in die Kasse spült. Insgesamt wurde die Firma von Geldgebern dabei mit elf Milliarden Dollar bewertet, wie Lyft mitteilte.

Damit hat Lyft seinen Wert stark gesteigert, bleibt aber weit hinter dem großen Rivalen Uber. Der krisengeschüttelte Fahrdienst-Riese arbeitet gerade an einem Investment vom japanischen Technologiekonzern Softbank zur bisherigen Bewertung von 69 Milliarden Dollar. Bisherigen Berichten zufolge will Softbank mindestens 1,25 Milliarden Dollar bei Uber investieren. Softbank bereitet den Deal seit Wochen vor, er soll auch einen geplanten Börsengang von Uber beschleunigen. Doch bei anderen US-Deals hat Softbank bislang Probleme, die Zustimmung der US-Regierung zu erhalten - was wiederum die Frage aufwirft, ob die Japaner bei Uber überhaupt zum Zug kommen werden.

Jeder mit jedem - irgendwie

Dieses Problem hat Lyft mit seinem neuen Lead-Investor Google nicht - der damit neue Spannung in den harten Konkurrenzkampf der Fahrdienstvermittler bringt. Lyft ist bisher nur in den USA aktiv. Die Firma konnte dort ihren Marktanteil deutlich erhöhen, während Uber in eine Führungskrise nach Vorwürfen von Diskriminierung und Missmanagement schlitterte. Lyft denkt laut Medienberichten auch über eine raschere internationale Expansion nach, vor allem in London, wo Uber das Aus droht.

Im Zuge der Finanzierungsrunde rücken Alphabet und Lyft enger zusammen - CapitalG-Partner David Lawee erhält einen Platz im Verwaltungsrat. Die Google-Schwesterfirma Waymo, bei der Alphabet die Entwicklung selbstfahrender Autos gebündelt hat, kooperierte bereits mit Lyft.

Pikant macht die Investition, dass Alphabet über den CapitalG-Vorläufer Google Ventures auch ein bedeutender Investor bei Uber ist. Das Verhältnis verschlechterte sich jedoch, weil der damalige Uber-Chef Travis Kalanick Konkurrenz von Google befürchtete. Er forcierte deshalb auch die Entwicklung hauseigener Roboterwagen-Technologie und engagierte einen führenden Entwickler von Googles Roboterwagen-Technologie, Anthony Levandowski.

Dies handelte Uber jedoch eine Waymo-Klage ein, weil Levandowski in großem Stil vertrauliche Unterlagen mitgenommen haben soll. Uber bestreitet, dass diese Informationen den Fahrdienst-Vermittler erreicht hätten. Der Prozess soll im Dezember beginnen.

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