Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Umstrittene Geheimsoftware entdeckt Wie Uber Behörden und Strafverfolger täuscht

Kein Uber-Fahrzeug verfügbar? Der Fahrdienst hat in vielen Städten der Welt offenbar mit einer Geheimsoftware Ermittler und Strafverfolger in die Irre geführt

In vielen Städten auf dieser Welt liegt der Fahrdienstvermittler Uber mit Behörden und Taxiunternehmen im Clinch. Wird dem Unternehmen von Gründer Travis Kalanick doch vorgeworfen, soziale Standards und andere Regeln etwa zur Personenbeförderung nicht einzuhalten. Dass Behörden bemüht sind, das mit Dumpingpreisen als aggressiv empfundene Verhalten Ubers in einem umkämpften Markt zu überwachen, liegt auf der Hand.

Doch hatte Uber nach Berichten unter anderem von "New York Times" (NYT) und "Huffington Post" offenbar schon früh einen Weg gefunden, sich unliebsamen Kontrollen der Behörden zu entziehen. Den Berichten zufolge setzte Uber dabei eine Software mit einem Tool namens "Greyball" ein, die es dem Unternehmen erlaubte, über die Uber-App und andere Techniken Kunden zu identifizieren, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf ehemalige und noch aktive Fahrer.

Im Grunde eine geniale Erfindung, möchte man meinen, wenn sie denn tatsächlich nur zur ihren ursprünglichen Zweck eingesetzt worden wäre: der Identifizierung von problematischen oder gewaltbereiten Kunden.

Geheimnisvolle Stornierungen und Geisterfahrzeuge

Tatsächlich aber soll Uber ab 2014 in Großstädten wie Boston, Paris, Las Vegas oder auch in China und Südkorea die Software eingesetzt haben, um Behördenmitarbeiter und Strafverfolger in die Irre zu führen. Es gab dann einfach kein freies Uber-Auto in der Nähe oder das bestellte Fahrzeug wurde kurzerhand storniert.

Mitarbeiter der US-amerikanischen Stadt Portland waren Uber auf die Schliche gekommen. Auch in dieser Stadt hatte Kalanick - wie so oft in der Vergangenheit - seinen Fahrdienst einfach ohne behördliche Genehmigung gestartet und kassierte prompt das Verbot. Uber scherte das nicht, bot seinen Dienst weiter an.

Um das zu unterbinden, mussten die Strafverfolgungsbeamten der US-Stadt Beweise sammeln und versuchten über die App ein Uber-Auto zu bestellen. Doch zumeist bekamen sie eben keines oder lediglich Geisterfahrzeuge angezeigt. Uber hatte dank der eingesetzten Software, ausgewerteter Login-Daten, hinterlegter Kreditkarten-Informationen und eines Abgleichs der Informationen in sozialen Medien die Strafverfolger identifizieren und schließlich in die Irre führen können, heißt es in der "New York Times".

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