Mittwoch, 22. November 2017

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Ein Manager nach dem anderen geht Bei Uber regiert das Chaos

Was nun Herr Kalanick? Ein weiterer Spitzenmanager verlässt Uber

Nach nur sieben Monaten schmeißt mit Präsident Jeff Jones ein weiterer Spitzenmanager bei Uber hin. Womöglich tobt ein Machtkampf. Die BBC berichtet, dass sich Uber-Chef Travis Kalanick sogar von der Spitze zurückziehen könnte, um Investoren zu beruhigen.

Er galt als großer Hoffnungsträger, doch nach nur sieben Monaten gibt der neue Uber-Präsident des Fahrdienstvermittlers seinen Job schon wieder auf. Der Marketingfachmann Jeff Jones war vom Einzelhändler Target zu Uber gekommen, um die nach einer Reihe von Skandalen angeschlagene Reputation des Unternehmens zu verbessern. Uber nannte zunächst keine Gründe für Jones' Weggang.

Höchst verärgert: Jeff Jones verlässt Uber

Jones selbst zeigte sich offensichtlich verärgert: "Es ist klar, dass die Überzeugungen und Ansätze, die meine Karriere bestimmt haben, nicht vereinbar sind mit dem, was ich bei Uber gesehen und erlebt habe", sagte Jones dem Tech-Blog "Recode" am Sonntag. Er sei mit dem Ziel angetreten, Uber zu Reife und nachhaltigem Erfolg zu führen. Seine Erfahrungen bei Uber stünden aber nicht im Einklang mit seinen Maßstäben für Führungsstil.

Allerdings könnte für seinen Schritt auch ein im Hintergrund gärender Machtkampf eine Rolle gespielt haben. So hat Uber in diesem Monat die Stelle eines Chief Operating Officers (COO) ausgeschrieben, der das Unternehmen zusammen mit Vorstandschef Travis Kalanick leiten soll. Jones jedoch war bisher für einige Aufgaben eines COO zuständig gewesen und galt Beobachtern als die Nummer zwei bei Uber hinter Kalanick.

Gerüchte um Kalanick-Rücktritt

Nun berichtet die BBC unter Berufung auf zwei unabhängige Quellen aus Unternehmenskreisen, dass Konzernchef Kalanick womöglich nach der Besetzung des COO-Postens vom Vorstandsvorsitz zurücktreten könnte, um damit auch die Investoren, die schon lange auf einen Börsengang des Unternehmens warten, zu beruhigen. Ein Sprecher wollte den BBC-Bericht nicht kommentieren. Später aber sei aus Unternehmenskreisen zu vernehmen gewesen, die Wahrscheinlichkeit eines Rücktritts des Uber-Gründers tendiere gegen Null.

Mit Jones geht ein weiterer Spitzenmanager

Jones ist indes nicht der erste Spitzenmanagern, der Uber verlässt. Im Feburar wurde der hochrangige Technik-Experte Amit Singhal nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung bei seinem früheren Arbeitgeber Google gebeten, Uber zu verlassen. Ex-US-Justizminister Eric Holder prüft nun firmenintern Vorwürfe einer früheren Mitarbeiterin, Uber lasse sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu.

In diesem Monat stiegen zudem der für Produkte und Wachstum zuständige Vizepräsident Ed Baker und der leitende Sicherheitsexperte Charlie Miller aus. Fast zeitgleich mit Jones geht nun auch der für Navigationssysteme zuständige Manager Brian McClendon. Er heuert in der Politik an, soll aber Berater bei Uber bleiben.

Klagen, Sexismusvorwürfe, Fahrverbote - Negativschlagzeilen ohne Ende

Negativschlagzeilen schütteln das Unternehmen auch auf anderen Feldern druch. So hat die Google-Schwester Waymo Uber verklagt. Ein ehemaliger ranghoher Entwickler soll Informationen über sensible Sensoren-Technologie für selbstfahrende Autos mit zu Uber genommen haben. Uber will hier ein öffentliches Gerichtsverfahren unbedingt vermeiden und stattdessen vor ein Schiedsgericht gehen. Hier würde ein Richter hinter verschlossenen Türen entscheiden.

Uber gilt in geschäftlichen Dingen als rücksichtslos und aggressiv. Seit seinem Start in Europa vor fünf Jahren läuft das traditionelle Taxi-Gewerbe in zahlreichen Ländern Sturm gegen die neue Konkurrenz. In vielen Städten sind private Uber-Fahrer verboten. In Thailand gehen Behörden derzeit landesweit gegen Uber-Fahrer vor, hier droht ein Komplettverbot des Angebots.

Zudem wurde kürzlich bekannt, dass Uber Strafverfolger und Behörden in den USA über eine Geheimsoftware lange getäuscht hat, um so einer Kontrolle zu entgehen. Uber erklärte, diese Software künftig nicht mehr gegen Behörden einzusetzen.

Auch machte Uber-Chef Travis Kalanick kürzlich selbst keine gute Figur, als er sich bei einer aufgezeichneten Auseinandersetzung mit einem Uber-Fahrer wenig diplomatisch verhielt. Später gestand Kalanick ein, den Fahrer nicht respektvoll behandelt zu haben, entschuldigte sich und erklärte: "Es ist das erste Mal, dass ich eingestehe, ich brauche Hilfe bei der Führung."

mit Nachrichtenagenturen

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