Samstag, 28. Mai 2016

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Die ganze Tour im Toyota Mirai zum Nachlesen Der weite Weg zum Wasserstoff

Zwei Tage im Toyota Mirai: Das haben unsere Redakteure bei der Wasserstoff-Expedition erlebt
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Ist die Brennstoffzelle der Autoantrieb der Zukunft? Zwei Tage lang sind die mm.de-Redakteure Wilfried Eckl-Dorna und Nils-Viktor Sorge mit dem Wasserstoffauto Toyota Mirai durch Deutschland gefahren. Lesen Sie ihre Erlebnisse und ihr Fazit im chronologisch geordneten Ticker-Protokoll.

Dies ist der chronologisch sortierte und etwas ausgebesserte Ticker des zweitägigen Toyota-Mirai-Tests von manager-magazin.de. Die Originalfassung lesen Sie hier.

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Montag, 2. November 2015, 9.00 Uhr: Es geht los! Guten Morgen aus dem Toyota Mirai! Wir starten von der Vattenfall-Wasserstoff-Tankstelle am Spiegel-Haus zu einer Expedition mit dem Brennstoffzellen-Auto. Wir wollen auf einer zweitägigen Deutschland-Reise herausfinden: Ist dieser Wagen der Weg in die Zukunft des Automobils? Und: Ist Deutschland gerüstet für das viel beschworene Wasserstoffzeitalter?

9.10 Uhr: Der Mirai ist das erste Großserienauto, das eigens als Wasserstofffahrzeug konzipiert wurde. Eine Brennstoffzelle erzeugt aus getanktem Wasserstoff und Sauerstoff aus der Luft Strom. Der treibt wiederum einen Elektromotor an. Also ist der Mirai auch ein Elektroauto. Benzin und Diesel? Nicht mehr nötig.

Scharfe Kanten, schmale Scheinwerfer: Von vorne sieht Toyotas Brennstoffzellenauto Mirai schon ziemlich futuristisch aus. Kein Wunder, bedeutet sein Name doch auf japanisch "Zukunft" ...

... die riesigen Luftöffnungen vorne sehen nicht nur martialisch aus, sie haben auch gute Gründe: Denn die Niedrigtemperatur-Brennstoffzelle im Motorraum wandelt Sauerstoff in elektrische Energie um - und braucht doppelt so viel Kühlluft wie ein konventioneller Antrieb. Denn die Betriebstemperatur des Aggregats darf nicht höher steigen als etwa 80 Grad Celsius.

Selbst von hinten bietet der Mirai noch ein paar Knicke als Anblick. Der hochgezogene Kofferraumdeckel hat aber auch technische Gründe. Denn die beiden Wasserstofftanks des Autos, die 5 Kilogramm Wasserstoff speichern können, befinden sich über der Hinterachse und unterhalb der Rücksitzlehne.

Knapp 4,90 Meter ist das Auto lang, der von der Brennstoffzelle mit Strom versorgte Elektromotor leistet 155 PS. Toyota verlangt 78.540 Euro oder eine Leasingrate von 1219 Euro für den Mirai - diesen Preis können und sollen nur wohlhabende Pioniere zahlen.

Mit 700 bar wird der Wasserstoff in die Tanks des Mirai gepresst - über eine solche Öffnung. Ein Kilogramm Wasserstoff kostet an den 19 derzeit in Deutschland bestehenden Tankstellen einheitlich 9,50 Euro. Auf 100 Kilometer verbraucht der Mirai bei moderater Fahrweise rund 0,7 Kilogramm Wasserstoff - und versacht so Kosten von 6,7 Euro.

Das Tanken selbst ist in drei bis fünf Minuten erledigt und nur unwesentlich komplizierter als Benzinzapfen. Damit unterscheidet sich der Mirai deutlich von herkömmlichen Elektroautos, deren Batterien um ein Vielfaches länger für eine Vollladung brauchen.

Im Inneren fällt der Mirai auch ziemlich futuristisch aus - mit vielen Bildschirmanzeigen. Die sonst üblichen Rundinstrumente hat sich Toyota gespart - und die wichtigsten Anzeigen in der Mitte untergebracht.

Eine Wasser-Taste findet sich wohl sonst in keinem anderen Auto. Im Mirai putzt sie sozusagen den Auspuff durch - sie drückt das Wasser, das sich in den Leitungen angesammelt hat, nach außen.

Von Haus aus ist der Mirai ohnedies genügsam - mit dem Eco-Modus wird er noch etwas sparsamer. Allerdings leidet darunter dann auch die Fahrleistung - die im Normalmodus nicht zu verachten ist: In 9,6 Sekunden kommt das Auto auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 178 km/h.

Das ist das revolutionäre Herz des Mirai: In der Brennstoffzelle verbinden sich Wasserstoff und Sauerstoff in einer chemischen Reaktion. Getrennt sind beide Gase durch eine Membran, die als Elektrolyt fungiert und dafür sorgt, dass die Reaktion geordnet abläuft. Dabei entsteht Strom, der Energie für den E-Motor liefert - und Wärme. Allerdings sind die für die Membran benötigten Materialien noch sehr teuer - so steckt in der Brennstoffzelle etwa das Edelmetall Platin.

Noch ist die Alltagstauglichkeit der Brennstoffzellenautos eher niedrig. In Deutschland gibt es aktuell nur 16 öffentlich zugängliche Tankstellen. Doch auf lange Sicht halten viele Experten Wasserstoff für die beste Alternative zu Benzin und Diesel. Fast alle Autohersteller haben deshalb Brennstoffzellen-Prototypen und Kleinserien-Modelle - diese fahren aber anders als bei Toyota noch in sehr konventionellen Hüllen herum.

9.15 Uhr: Wir gleiten noch durch den Hamburger Stadtverkehr in Richtung Autobahn. Unser erstes Ziel ist heute Berlin. Zu hören ist ein leichtes Surren des Elektromotors, dazu saugt die Brennstoffzelle beim Beschleunigen etwas vernehmbar Luft an. Alles ruhig und sehr komfortabel. Anders als bei vielen Batterie-E-Autos: Wenn der Fahrer vom Gas geht, rollt der Wagen aus, es gibt keine Bremswirkung.

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Welcher der genannten alternativen Antriebe hat in zehn Jahren die größte Bedeutung?

9.20 Uhr: Toyota will mit dem Wagen mal wieder technische Überlegenheit demonstrieren und langfristig seine Position als größter Autohersteller der Welt festigen. Bis zum Jahr 2050 wollen die Japaner so gut wie keine Autos mit Verbrennungsmotor (Diesel, Benzin) mehr herstellen, haben sie zuletzt angekündigt. Wasserstoff ist dazu ein entscheidender Faktor. Schon 1997 erregte Toyota mit dem Prius Aufsehen. Der Hybridwagen wurde zunächst belächelt, inzwischen hat sich die Technik etabliert. Wie wird es wohl mit der Brennstoffzelle und dem Mirai? Schreiben Sie uns Ihre Meinung auf Facebook! Und machen Sie mit bei unserem Vote: Welcher alternative Antrieb wird in zehn Jahren am bedeutendsten sein?

9.25 Uhr: Wir sind auf der Autobahn in Richtung Berlin und schwimmen bei 110 Stundenkilometern mit. Der Wagen soll 500 Kilometer mit einer Ladung Wasserstoff weit fahren können. Nach Berlin zur nächsten Wasserstofftankstelle sollten wir es also leicht schaffen, das sind knapp 300 Kilometer. Daher wollen wir gleich auch einmal den ersten Sprinttest mit dem Auto wagen.

9.35 Uhr: Einmal die Power-Mode-Taste gedrückt, und ab geht's. Von 90 Stundenkilometern hinter den Lastwagen auf 170 geht's recht flott. Danach ist dann bald Schluss. Ein 120-Schild hat uns in diesem Fall den letzten Kick vereitelt. Wir sitzen definitiv nicht in einem Sportwagen, aber für ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse geht die Beschleunigung völlig in Ordnung. Offiziell schafft es der Wagen von 0 auf 100 in 9,6 Sekunden. Und das ansatzlos, wie bei Elektroautos üblich. Wenn der Mirai anzieht, ist kaum etwas zu hören. Dabei wissen wir, dass der Wagen unter Höchstlast große Mengen Sauerstoff in die Brennstoffzelle ansaugen muss.

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