Mittwoch, 23. August 2017

Roboterautos Toyota spricht aus, was andere verschweigen

Autos, die selbst fahren: Wie weit die Hersteller beim autonomen Fahren sind
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AP

Es sieht reichlich futuristisch aus, hat einen Zukunft verheißenden Namen und auch noch künstliche Intelligenz an Bord. Mit seinem Showcar Concept-i hat Toyota Börsen-Chart zeigen einen Hingucker auf die Elektronikmesse CES gestellt. Im Armaturenbrett haust der elektronische Assistenz namens Yui. Dessen künstliche Intelligenz soll den Fahrzeuginsassen das Fahren angenehmer machen, ihre Vorlieben lernen und auch noch mit der Umwelt kommunizieren.

Ein sprechendes, lernendes Auto also - damit lässt es sich nicht nur bei amerikanischen Messebesuchern punkten. Doch für Aufsehen in den Medien sorgten nicht nur die künstliche Intelligenz, sondern auch die deutlichen Aussagen eines ranghohen Toyota-Ingenieurs. Gill Pratt, Leiter von Toyotas im vergangenen Jahr gegründeten Forschungsinstitut, schockte Technik-Apologeten mit einer ernüchternden Aussage zum autonomen Fahren: Vom Zeitalter völlig selbstfahrender Roboterautos sei man noch ein großes Stück entfernt, so Pratt.

Toyota starte nun erst mal mit sogenannter Level 2-Autonomie in seinen Neuwagen, führte der Chef des Toyota-Forschungsinstitut aus. Darunter versteht die Autobranche teilautomatische Funktionen - wie etwa automatisches Einparken, Spurhalten und Stauassistenten, die den Abstand zum vorderen Fahrzeug automatisch einhalten können. Natürlich streben auch die Japaner - wie ihre deutschen und amerikanischen Konkurrenten - nach Level 5-Autonomie. Damit sind Fahrzeuge gemeint, bei denen der Fahrer nur mehr das Ziel festlegt. Das Auto meistert den Weg - und jede Fahrsituation - ohne menschlichen Eingriff.

Doch bis dahin sei es noch ein weiter Weg, gab Pratt zu. "Ich muss das einmal glasklar sagen", erklärte er. Level-5-Autonomie sei "ein wunderbares Ziel. Aber niemand von uns in der Automobilindustrie oder der IT-Branche ist dabei, echte Level-5-Autonomie zu erreichen. Wir sind noch nicht mal nahe dran", so Pratt.

Konkurrenz suggeriert etwas anderes - mit geschickt gedrehten Aussagen

Pratt klingt damit doch deutlich zurückhaltender als etwa Google, das seine Roboterauto-Ambitionen nun im Subunternehmen Waymo gebündelt hat. Google will komplett selbstfahrende Autos auf den Markt bringen - und das möglichst noch in diesem Jahrzehnt.

Zwar hat der IT-Riese seine radikaleren Ideen zuletzt etwas gestutzt. Ursprünglich sollten die Google-Roboterautos ohne Pedale und Lenkrad ausgeliefert werden. Nun will der Konzern diese beiden Dinge doch in seine Fahrzeuge einbauen und begründet dies mit gesetzlichen Vorschriften. Doch Waymo-CEO John Krafcik erklärte noch im Dezember, dass sein Unternehmen dem echten Roboterauto näherkomme. "Wir machen uns bereit. Und wir wollen das die Welt wissen lassen", sagte er vor wenigen Wochen bei einer Presseveranstaltung.

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Waymo hat sich Fiat Chrysler als Autopartner geangelt und will in diesem Jahr eine Flotte neuer, selbstfahrender Chrysler-Minivans auf der Straße testen. Tesla liefert seine Neuwagen nun mit mehr Sensoren aus und verspricht, dass die Autos bald vollautonom fahren können. Renault-Chef Carlos Ghosn will bis 2020 Technologien anbieten, die teilautonomes Fahren auf Autobahnen ermöglichen sollen. Details zu den Plänen der einzelnen Hersteller finden Sie in der Bildergalerie.

Solche Aussagen suggerieren, dass das Zeitalter der Roboterautos in nur wenigen Jahren anbricht - doch das ist sehr, sehr optimistisch.

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