Freitag, 22. September 2017

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Gehen 106 Tote auf VWs Konto? VW-Debakel - US-Medien machen erste Todesbilanzen auf

Tödliche Abgase: In den USA werden erste Rechnungen zu tödlichen Konsequenzen von VWs Abgastrickserei angestellt

Es ist noch keine zwei Wochen her, dass der VW-Abgasskandal an die Öffentlichkeit drang, schon machen US-Medien erste Bilanzen auf, wie viele Menschenleben der Autobauer durch seinen Abgasbetrug auf dem Gewissen haben soll.

Am Dienstag präsentierte die renommierte "New York Times" auf Basis von Expertenschätzungen eine erste Rechnung: Demnach könnte VW wegen der Manipulationen alleine in den USA für bis zu 106 Tote verantwortlich sein. In Europa angesichts der weiteren Verbreitung seiner Diesel-Fahrzeuge wohl für deutlich mehr, merkte das Blatt an.

Allerdings, räumt die Zeitung ein, seien die Opferzahlen des Abgasdebakels deutlich weniger eindeutig zuzuordnen als bei GMs Zündschloss-Skandal. Der Einbau des fehlerhaften Teils, das ein ungewolltes Abschalten des Motors während der Fahrt zur Folge haben konnte und so das Aufblasen des Airbags verhinderte, hatte Unfälle mit mindestens 124 Todesopfern zur Folge.

Den größten Schaden in den USA dürfte VW dem Blatt zufolge in Kalifornien angerichtet haben, wo die Verbreitung von Diesel-Fahrzeugen landesweit am höchsten ist.

Bei ihren Kalkulationen rechneten die Zeitung und die von ihr befragten Forscher unter anderem Ergebnisse einer Studie hoch, die die Folgen neuer Stickoxid-Vorgaben für Kraftwerke auf die dortige Sterblichkeit erhoben hatte.

Schätzungen wie die der New York Times sind umstritten und selbst die von dem Blatt befragte Expertenhochrechnungen unterscheiden sich beträchtlich.

Teilweise fielen sie deutlich niedriger aus. Für die Hochrechnung der Schadstoffwerte war die Zeitung von einer 39-fachen Überschreitung der gesetzlichen Stickoxid-Höchstwerte ausgegangen, eine möglicherweise hohe Annahme, wie das Blatt selbst schreibt.

Allerdings dürfte auch die EPA, die den Skandal bei Volkswagen aufgedeckt hatte, ähnliche Rechnungen anstellen, wenn es darum geht, die Strafe festzulegen, die VW für seine Manipulation in den USA bezahlen muss.

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