Mittwoch, 20. Juni 2018

Riesen-Batteriefabrik So funktioniert Teslas Gigafactory

Mega-Bauprojekt: Teslas Gigafactory soll das viertgrößte Gebäude der Welt werden

Tesla errichtet seine Batteriefabrik in der Wüste von Nevada. Die Ausmaße der "Gigafactory" sind so groß wie die Steuervergünstigungen - und die mit dem Werk verbundenen Risiken.

Hamburg - Mit einer Feldexpedition schaffte es Bob Tregilus Ende Juli weltweit in die Schlagzeilen. Der Lokalblogger verbrachte mehrere Tage und Nächte in der Gebirgswüste des US-Bundesstaats Nevada. In der Nähe der Stadt Reno fotografierte er, wie 50 Bulldozer eine riesige ebene Fläche planierten. Hermetisch abgeriegelt sei die Baustelle gewesen, berichtete er. Der einzige Hinweis auf den Auftraggeber der Bauarbeiten war ein Schild mit der nichtssagenden Aufschrift "Project Tiger".

Nach Gesprächen mit Anwohnern, Lokalpolitikern und Arbeitern war sich Tregilus jedoch sicher, dass er die Vorarbeiten für das derzeit größte Industrieprojekt der USA entdeckt hatte: Die ganz unbescheiden "Gigafactory" getaufte Batteriefabrik des Elektroautoherstellers Tesla. Am Ende hat der Blogger hat recht behalten. Anfang September gab der Elektroautohersteller Tesla offiziell bekannt, dass er sein vor Monaten angekündigtes Riesen-Akkuwerk in Nevada Wüste hochziehen will - auf dem Gelände des Tahoe Reno Industrial Center 15 Meilen östlich von Reno.

Die von Tesla geplanten Ausmaße des Werks beeindrucken nicht nur die Fachwelt: Im Endausbau soll die Nutzfläche bis zu einer Million Quadratmeter betragen. Damit wäre die Fabrik nach der Netto-Nutzfläche das viertgrößte Gebäude der Welt. Samt Verkehrsflächen soll sich die Gigafactory auf ein Gebiet von bis zu vier Quadratkilometern ausdehnen.

Den Betrieb soll das Werk zügig aufnehmen. Schon 2017 sollen die ersten Lithium-Ionen-Akkus in Nevada produziert werden. Drei Jahre später erreicht das Werk nach Teslas Planungen die volle Kapazität: Pro Jahr sollen dann Akkus mit einer Gesamtkapazität von 50 Gigawattstunden produziert werden, genug für 500.000 Tesla-Elektroautos pro Jahr und eine größere Anzahl stationärer Batterien. Im Jahr 2020 soll die Gigafactory damit mehr Lithium-Ionen-Akkus produzieren als alle Batteriefabriken weltweit im Jahr 2013. Bis zu 6500 Arbeitsplätze will Tesla in der Wüste schaffen. Das Werk soll komplett mit Strom aus Solar- und Windkraftanlagen betrieben werden - und auch noch alte Batterien wiederverwerten.

Tesla ist dabei allerdings nicht vom Größenwahn getrieben, sondern von wirtschaftlichen Überlegungen. Ab 2017 wollen die Kalifornier ein neues Elektroauto-Modell namens Model III zum Preis von rund 35.000 Dollar auf den Markt bringen. Das soll Tesla die beste Startposition im Wettrennen um ein Elektroauto für den Massenmarkt sichern.

Um mit dem Model III Profit zu machen, müssen die Kosten für die Elektroauto-Batterien - bislang der teuerste Bestandteil der Fahrzeuge - deutlich sinken. Genau das Tesla mit seiner Batteriefertigung im großindustriellen Maßstab hinkriegen. Je Kilowattstunde Batterieleistung sollen die Produktionskosten im Vergleich zu heute um mehr als 30 Prozent sinken, prognostiziert Tesla, und das bereits ab 2017.

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