Mittwoch, 23. Mai 2018

Zu radikal, zu innovativ, zu schnell Woran Tesla scheitern könnte

Tesla Roadster im All: Will Elon Musk zu viel auf einmal?

2. Teil: Zuviel Innovation auf einmal?

Kann das gut gehen? Unmöglich ist die mehrfache Disruption nicht, im Gegenteil: Sie ist das, was Unternehmen wie Amazon Börsen-Chart zeigen erst erfolgreich gemacht hat. Am Anfang stand eine Handelsplattform im Internet, die vom Buchhandel auf andere Branchen ausgeweitet und schließlich zum Marktplatz wurde. Dann kam die Logistik hinzu, die Amazon vollkommen neu gedacht hat. Mittlerweile ist das Unternehmen mit Amazon Webservices auch noch einer der weltweit führenden Dienstleister für Cloudservices.

Doch es gibt einen gravierenden Unterschied zu Tesla: Amazon vollzog all diese Schritte nacheinander. Tesla versucht, sie alle auf einmal zu gehen. Damit ist das Unternehmen zur vielleicht riskantesten Wette geworden, die sich Investoren vorstellen können. Eine klassische "Win everything, or lose everything"-Situation. Tesla befindet sich in einem aggressiven Wettbewerb, bei dem noch nicht klar ist, ob das Unternehmen als bewunderter "First-Mover" in die Wirtschaftsgeschichte eingehen wird oder als gescheiterter Hoffnungsträger, der am Ende von den "Fast Followern" überholt wurde.

Erinnern Sie sich noch an den Netscape Navigator? Erst gefeierter Pionier auf dem Markt der Internetbrowser, anschließend in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Oder Myspace? Das erste weltweit erfolgreiche soziale Netzwerk wurde zunächst von Facebook überholt, danach stürzte es ab. Internationale Automobilhersteller - allen voran die deutschen - pilgern aktuell ins Silicon Valley, um in Sachen Digitalisierung möglichst schnell vorne mitzumischen. Eine neue Generation von Managern steht bereit, pragmatisch und digital geprägt. Bereit, die Zöpfe der Vergangenheit abzuschneiden.

Natürlich ist Tesla Börsen-Chart zeigen nicht zum Scheitern verurteilt. Wer disruptive Innovation vorantreibt, wandelt ständig auf dem Grat zwischen Ruhm und Absturz. Die Frage der nächsten Monate wird sein, ob das Unternehmen den immer schneller werdenden Wettlauf mit den traditionellen Autobauern gewinnen kann. "Kopieren und die Fehler der anderen vermeiden" ist ein bewährtes Geschäftsprinzip.

Genau darin liegt die größte Gefahr für Tesla. Während das Unternehmen - aktuell eher negativ - die Schlagzeilen beherrscht, sind die Mitbewerber dabei, die Fehler der Amerikaner von außen zu analysieren und selbst schnell besser zu werden.

Am treffendsten beschrieb die Situation, in der sich Tesla gerade befindet, Firmengründer Elon Musk selbst: "Unternehmer zu sein, ist wie Glas zu essen und in den Abgrund des Todes zu starren."

Jens-Uwe Meyer ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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