Dienstag, 20. November 2018

Die wilde Kommunikation des Tesla-Chefs Wie Elon Musks Narzissmus jetzt Tesla schadet

CEO von Tesla Motors, Elon Musk

Nur wenige CEOs schaffen es, Fans hinter sich zu scharen wie Tesla-Chef Elon Musk. Dem 47-Jährigen folgen treue Jünger, die nichts auf das Unternehmen oder seinen Chef kommen lassen. Präsentiert Musk neue Modelle wie den elektrischen LKW "Tesla Semi", jubelt ihm die Menge zu. Popstar Elon.

Doch das Bild des angesehenen Visionärs bekommt immer mehr Risse. Plötzlich beschimpft der Milliardär einen Taucher, der thailändische Kinder rettet, als pädophil. Er beleidigt Analysten, die kritische Fragen stellen, Journalisten und Leerverkäufer, die an der Börse gegen Tesla wetten. Wegen der Untersuchung eines Unfalls mit einem Tesla, bei dem der Fahrer starb, legt Musk sich mit den prüfenden Behörden an.

Die Launen des Tesla-Chefs werden zum schwerwiegenden Problem. Denn wer einen Börsenkonzern leitet, darf nicht mehr im Alleingang entscheiden und muss sich bestimmten Regeln beugen. Die sind wichtiger als das Bedürfnis, seine eigenen Gedanken direkt in die Welt zu senden.

Denn mit seinem Tweet zu Teslas geplantem Abgang von der Börse hat Musk eine Lawine voller Probleme losgetreten. Das hält den E-Autobauer von weit Wichtigerem ab: die massiven Schwierigkeiten bei der Produktion des Model 3 zu lösen. Musk hat zwar zuletzt mehr Autos herstellen können, er bleibt aber hinter seinen Zielen zurück und hat noch nicht bewiesen, dass Teslas dauerhaft in großen Mengen gefertigt werden können.

Zweifel an Musks Aussagen

Statt sich damit auseinanderzusetzen, muss Tesla jetzt seine Kapazitäten darauf richten, viele verärgerte Parteien zu besänftigen. So war Musks impulsiver Tweet laut der New York Times nicht mit allen Mitgliedern des Aufsichtsrats abgesprochen. Von Tesla hieß es am Dienstag, man habe keinen formellen Antrag erhalten, das Unternehmen von der Börse zu nehmen, und prüfe nun Musks Vorschlag in einem speziellen Komitee.

Neben den internen Querelen muss sich Tesla auch um die Börsenaufsicht SEC kümmern. Sie fordert Belege dafür, dass die Finanzierung für den Rückzug von der Börse tatsächlich wie von Musk behauptet gesichert ist. Auch will die Behörde wissen, warum die Information nicht zuerst in einer offiziellen Meldung bekanntgegeben wurde. Es ist fraglich, ob ein solcher Schritt ausschließlich per Tweet angekündigt werden darf, wenn üblicherweise Hunderte Seiten erforderlich sind, um die Details zu erklären. Dass Musk die Informationen bestimmten Nutzern vorenthält, die er bei Twitter blockiert hat, hilft ihm nicht.

Hinzu kommt, dass Musk die kursrelevante Information rechtzeitig bei der US-amerikanischen Börse Nasdaq hätte ankündigen müssen. Sie kann dann darüber entscheiden, ob der Handel pausiert werden sollte, um Anleger vor Schwankungen zu schützen. Nach Musks Tweet aber hat es 80 Minuten gedauert, bis der Handel ausgesetzt wurde. Der Kurs sprang in dieser Zeit stark nach oben: Schließlich hatte Musk verkündet, Tesla für einen Preis von 420 US-Dollar pro Aktie von der Börse zu nehmen - das wären 23 Prozent mehr als am Vorabend. Tesla wollte gegenüber dem Wall Street Journal nicht kommentieren, ob das Unternehmen die Nasdaq vorab informiert habe. Wer aber die Regeln verletzt, könnte öffentlich gerügt oder sogar von der Börse genommen werden.

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