Freitag, 19. Oktober 2018

Wer finanziert Teslas Delisting? Warum Elon Musk von der Börse fliehen will

Tesla-Chef Elon Musk verspricht sich von einem Börsenrückzug mehr langfristige Orientierung - und Ruhe
Mark Brake/Getty Images
Tesla-Chef Elon Musk verspricht sich von einem Börsenrückzug mehr langfristige Orientierung - und Ruhe

Es sind mal wieder turbulente Tage für den Elektroauto-Hersteller Tesla: Mit seiner Twitter-Ankündigung, Tesla möglicherweise von der Börse nehmen zu wollen, sorgte Tesla-Boss Elon Musk für weltweite Aufregung - und für heftige Kursausschläge der Tesla-Aktie Börsen-Chart zeigen.

Immerhin beließ es der umtriebige Unternehmer - nach enormen Druck durch die Finanzmärkte - nicht nur bei Kurznachrichten: In einem Blogeintrag erklärte Musk genauer, was er sich von einem Delisting verspricht.

Als börsennotiertes Unternehmen, schreibt Musk, sei Tesla "wilden Ausschlägen in unserem Aktienkurs" ausgesetzt. Diese seien eine "große Ablenkung" für alle Mitarbeiter, die ja auch gleichzeitig Aktionäre des Unternehmens sind. Zudem zwinge die Börsennotierung Tesla dazu, vor allem in Quartalen zu denken und dafür Entscheidungen zu treffen, die langfristig "nicht notwendigerweise richtig" seien. Und die Börsennotierung biete einer Menge Leute den Anreiz, sein Unternehmen zu attackieren.

Mit anderen Worten: Musk hat wenig Lust, sich jedes Vierteljahr vor Investoren rechtfertigen zu müssen und gegen all jene anzukämpfen, die mit Leerverkäufen gegen Tesla wetten. Das passt auch zu seiner Linie in den letzten Monaten: Da attackierte er schon mal einen Analysten wegen dessen "langweiligen" Fragen. Auf Twitter teilte er regelmäßig gegen Short-Seller aus, die nach Darstellung von Musk Tesla scheitern sehen wollen.

Ein permanenter Abschied von der Börse soll das Delisting aber nicht werden. Wenn Tesla in der Zukunft in eine Phase von "langsamerem und besser voraussagbarem Wachstum" eintrete, werde es wahrscheinlich Sinn machen, an die Börse zurückzukehren, erklärte Musk.

Tesla soll "so frei wie möglich von Ablenkungen" werden

An der Grundstruktur seines Unternehmens will Musk aber dadurch möglichst wenig ändern. Der Multi-Unternehmer erklärte, auch nach einem Börsenrückzug weiterhin Tesla-Chef zu bleiben. Und auch sein Anteil an Tesla - aktuell hält er rund 20 Prozent am Unternehmen - soll sich nach dem Delisting nicht substanziell verändern. "Das hat nichts damit zu tun, dass ich mehr Kontrolle für mich selbst zusammentragen will", hielt Musk fest.

Er hoffe auch, dass die Tesla-Mitarbeiter als Anteilseigner an Bord bleiben, so Musk. Sie sollen - anstatt ihre Anteile zum Preis von 420 Dollar je Aktie zu verkaufen - wahlweise über einen Fonds weiter Aktionäre bleiben können. Entscheiden sie sich dafür, sollen sie ungefähr alle sechs Monate Anteile verkaufen oder kaufen können.

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"Ich versuche ein Ergebnis zu erreichen, in dem Tesla am besten arbeiten kann", schreibt Musk. Und zwar "so frei wie möglich von Ablenkungen und kurzfristigem Denken" und mit "so wenig Veränderung wie möglich für alle unsere Investoren inklusive unserer Mitarbeiter".

Eines verändert sich aber für Investoren bei einem Delisting auf jeden Fall: Die Pflicht, jedes Quartal einen ausführlichen Lagebericht zu veröffentlichen, fiele weg. Investoren haben also dann wohl weniger Möglichkeiten, die aktuelle Finanzlage und das Geschäftsgebahren von Tesla zu beurteilen.

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Noch, schreibt Musk, sei eine endgültige Entscheidung für ein Delisting nicht getroffen. Denn einen solchen Rückzug kann Musk nicht einfach verordnen, wie er via Twitter zugab. Dieser hängt von einem entsprechenden Votum seiner Aktionäre ab. Und das Procedere ist nicht ganz simpel, wie ein Wall Street-Banker gegenüber der Financial Times (FT) erklärte: Musk muss dafür einen formellen Vorschlag erstellen, in dem er auch Details zu den Financiers des Delistings offenlegen muss. Dieser Vorschlag muss von einem eigens einberufenen Ausschuss aus seinem Verwaltungsrat begutachtet werden. Danach muss der komplette Verwaltungsrat den Delisting-Vorschlag den Aktionären empfehlen. "Ein paar Tweets reichen dafür nicht aus", erklärte der Banker.

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