Mittwoch, 23. Mai 2018

Krach mit Elon Musk? Mitten im Model-3-Krimi - Tesla-Produktionschef nimmt Auszeit

Tesla-Produktion in der US-Fabrik in Fremont

Hat Tesla-Chef Elon Musk seinen Produktionschef Doug Field entmachtet? Tesla bestreitet das. Mitten im Model-3-Krimi nimmt Field mindestens anderthalb Monate Auszeit - zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt also. Noch ein wichtiger Manager wird fehlen: Teslas Sicherheitsbeauftragter wechselt zu einem Wettbewerber.

Man kann nicht sagen, dass bei Tesla gerade alles rund liefe: Den Verlust zuletzt mehr als verdoppelt, die Produktion des Hoffnungsträgers Model 3 noch weit von den gesetzten Zielen entfernt, ein weiterer ungeklärter Unfall mit zwei Todesopfern eines Model S in der vergangenen Woche … Da mag es nicht wirklich wundern, dass Konzernchef Elon Musk zusehends dünnhäutiger wird, Analysten schon mal angespannt barsch über den Mund fährt.

Mitten in dieser angespannten Phase nun, wo es um sehr viel für Tesla geht, nimmt sich Produktionschef Doug Field eine Auszeit. Der Manager wolle "Kraft tanken und Zeit mit der Familie verbringen", zitiert das "Wall Street Journal" einen Tesla-Sprecher. Es soll um eine mindestens sechswöchige Pause gehen. Verlassen habe Field das Unternehmen aber nicht, ergänzt der Sprecher.

Der ehemalige Apple-Manager Field arbeitet seit fünf Jahren für Tesla, ist für die Fahrzeugentwicklung zuständig und übernahm 2017 auch die Verantwortung für die Produktion.

Die Auszeit des Top-Managers ereilt Tesla zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Produktion des Massenmodells Model 3 kommt deutlich langsamer voran als angekündigt. Mehrfach musste Musk das Ziel von 5000 Fahrzeugen pro Woche verschieben und räumte zuletzt ein, zu stark auf Automatisierung gesetzt zu haben. Musk ordnete gar einen vorübergehenden Produktionsstopp an, um die Probleme zu beheben. Mindestens 400.000 Kunden warten ungeduldig auf ihren neuen Elektrowagen, vereinzelt stornieren sie bereits ihre Bestellung.

Tesla-Sicherheitsbeauftragter geht zu Waymo

Dass Musk seinen Produktionschef wegen der Probleme kurzerhand entmachtet und ihm die Zwangspause verordnet habe, dementiert der Autobauer. Musk hatte allerdings Anfang April selbst in einer Reihe von Tweets angekündigt, die Model-3-Produktion zur Chefsache zu machen: "Ich schlafe wieder in der Fabrik", twitterte der Tesla-Chef. Er übernehme aber nur einen Teil der Aufgaben von Field, der sich künftig auf die technische Konstruktion der Autos konzentrieren werde, versicherte Musk.

Das wird Field jetzt für die Zeit des Sabbatical nicht können - was dann wird, bleibt abzuwarten. Vergleichsweise sicher aber scheint der Abschied des Tesla-Sicherheitsbeauftragten Mathew Schwall zu sein, der in einem weiteren Bericht des "Wall Street Journal" zu der Alphabet-Tochter Waymo wechseln wird. Schwall koordinierte verantwortlich die Kommunikation mit den US-Sicherheitsbehörden.

Hier war es in der Vergangenheit im Streit um die Aufklärung eines tödlichen Tesla-Unfalls von Ende März zum Eklat zwischen dem Autobauer und der Bundesbehörde NTSB gekommen gekommen. Die Behörde schloss Tesla daraufhin von den Ermittlungen zu dem Unfall aus. Laut WSJ soll sich Schwall nun um die Sicherheitsfragen beim autonomen Fahren kümmern.

Im vergangenen Monat erst hatte der Chef des Tesla-Assistenzsystems "Autopilot", Jim Keller, Tesla die Freundschaft aufgekündigt und war zu Intel gewechselt. Es war der dritte Wechsel auf dieser Position in gerade mal 18 Monaten

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