Donnerstag, 13. Dezember 2018

Tesla-Verlust mehr als verdoppelt, aber ... Elon Musk verspricht's - und die Aktionäre drehen durch

Probleme, welche Probleme? Elon Musk weiß die Aktionäre nach einem mehr als verdoppelten Quartalsverlust einmal mehr wieder einzufangen

Tesla hat im zweiten Quartal seinen Verlust mehr als verdoppelt. Er steigt damit viel schneller als die Umsätze. Was machen die Aktionäre? Sie sind begeistert, schenken den Worten des vielfach nahezu gottesfürchtig verehrten Konzernchefs Elon Musk tiefen Glauben: Die Aktie legt nachbörslich um bis zu 10 Prozent zu.

Der Elektroautobauer Tesla ist im zweiten Quartal tiefer in die roten Zahlen gefahren, zugleich aber nährte Firmenchef Elon Musk am Mittwoch nach Börsenschluss einmal mehr die Hoffnung, dass der Autobauer zum Jahresende trotzdem einen Gewinn ausweisen werde. Ob Musk damit das operative Ergebnis (Ebit) oder das Konzernergebnis nach Steuern meinte, ließ er offen. Da Tesla im abgelaufenen Quartal zugleich seinen Umsatz deutlich erhöht hatte, entschieden sich die Aktionäre nach kurzem Zögern, den neuerlichen Versprechungen zu glauben: Die Aktie von Tesla kletterte in der Spitze um rund 10 Prozent.

Dabei hatte Tesla im zweiten Quartal den Verlust auf 718 Millionen Dollar (615 Millionen Euro) mehr als verdoppelt, teilte die Firma am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitteilte. Im Vorjahreszeitraum lag der Fehlbetrag bei 336 Millionen Dollar. Dass Tesla das Jahr mit einem Gewinn abschließen wird, glauben zwar viele Analysten nicht. Doch Tesla stehe kurz davor, "nachhaltig profitabel" zu werden, versprach Musk.

Seinen Umsatz steigerte Tesla um über 40 Prozent auf 4,0 Milliarden Dollar. Damit kletterte der Verlust deutlich schneller als die Erlöse. Das Unternehmen geht davon aus, bis Ende August wöchentlich 6000 Model 3 zu produzieren. Danach soll das Tempo rasch weiter steigen. Musk wolle die Produktion so schnell wie möglich auf bis zu 10.000 Stück pro Woche auszuweiten, schrieb er zugleich im Brief an die Aktionäre.

Im abgelaufenen Quartal produzierte Tesla insgesamt 53.339 Fahrzeuge, ausgeliefert davon wurden lediglich 40.768. Gründe für die große Diskrepanz nannte Tesla zunächst nicht. Davon waren nach Unternehmensangaben 18.449 Stück Model 3.

Nur 18.449 Model 3 verließen im letzten Quartal die Fabrik

Musk steht wegen der Produktionszahlen des Models 3 unter großem Druck. Bei dem Projekt hat es seit dem vergangenen Jahr immer wieder Rückschläge gegeben. Das Unternehmen hat wiederholt erklärt, kein frisches Kapital zu benötigen. Einige Analysten gehen dagegen davon aus, dass der Schritt bis Ende des Jahres fällig wird.

Tesla wies zum Quartalsende 2,2 Milliarden Dollar an Barmitteln aus. Dem Autobauer kommt dabei zugute, dass die Kunden für Hunderttausende Model-3-Vorbestellungen Anzahlungen leisten müssen. Teslas Ausgaben übersteigen die Einnahmen aber weiter deutlich. Dass Teslas Liquiditätsprobleme offenbar größer sind als der Konzern selbst öffentlich zugesteht, wurde zuletzt daran deutlich, dass Tesla von seinen Lieferanten rückwirkend (!) deutliche Preisnachlässe für bereits bezahlte Rechnungen einforderte.

Das Model 3 als Hoffnungsträger soll nach dem Willen von Musk eigentlich den Massenmarkt erobern. Doch die von ihm versprochene günstige Version für rund 35.000 Dollar bleibt vorerst ein Phantom. Bislang verließen mindestens 50.000 Dollar und noch teurer ausgestattete Model-3-Variante das Werk.

Kaufprämie in den USA kassieren bislang vor allem die Luxus-Tesla-Käufer

Das ist ärgerlich für die breite Masse der Tesla-Fans in den USA, die mitunter schon 2 Jahre und länger auf ihr Elektroauto warten und mit fortschreitender Zeit Gefahr laufen, gar keine staatliche Kaufprämie mehr zu bekommen. Denn die gibt es in voller Höhe von rund 7500 Dollar nur für die ersten 200.000 ausgelieferten Tesla - und halbiert sich danach jeweils alle sechs Monate, bis sie ganz wegfällt. Tesla hatte unlängst erklärt, die 200.000 E-Autos irgendwann im Jahresverlauf 2018 zu erreichen.

Gut möglich, dass deshalb noch mehr enttäuschte Tesla-Fans ihre Bestellung stornieren, was die Liquiditätsengpässe des Autobauers eher vergrößern dürfte: Nach Insiderberichten soll Tesla bis Anfang Juni 23 Prozent der Kunden die Anzahlung von 1000 Dollar zurückgezahlt haben. Tesla dementierte die Zahlen, nannte aber keine anderen.

Tesla-Fabrik: Die Verluste bei Tesla steigen rasant
Tesla Motors
Tesla-Fabrik: Die Verluste bei Tesla steigen rasant

Statt die Kunden eines vorbestellten günstigen Model 3 zu besänftigen, stellte Musk unlängst lieber eine rund 78.000 Dollar teure aufgemotzte Version des Model 3 vor, mit der er sich bewusst an zahlungskräftigere Kunden wendet. Das ist angesichts knapper Kassen nachvollziehbar - denn die Gewinnmargen sind am oberen Ende der Preisspanne bekanntlich deutlich höher. Allerdings wird das 2003 gegründete Unternehmen, das noch nie einen Jahresgewinn abgeliefert hat, an der Börse nach Einschätzung von Analysten auch deshalb so hoch gehandelt, weil Anleger Tesla zutrauen, mit seinen Elektroautos aus der Luxus-Nische herauszufahren und ein echter Massenhersteller zu werden.

mit Nachrichtenagenturen

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