Samstag, 16. Dezember 2017

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Enormer Kapitalverzehr Tesla verbrennt stündlich 480.000 Dollar

Tesla-Chef Elon Musk präsentierte zuletzt nicht nur einen neuen E-Truck, sondern ließ aus dem Laster auch gleich einen neuen Roadster herausfahren

Tesla hat enormen Kapitalbedarf. Schreitet der Kapitalverzehr in gleichem Tempo voran, könnten die Geldreserven im Sommer 2018 aufgebraucht sein, rechnen Analysten vor. Doch so weit wird es nicht kommen, ist Tesla überzeugt. Dafür aber müssen die Erlöse des Massen-Elektroautos Model 3 möglichst bald und reichlich fließen.

Nein, Benzin oder Diesel verbrennen die Gefährte des Elektroauto-Pioniers Tesla nicht - aber viel Geld. Und das in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. In den vergangenen 12 Monaten hat das Unternehmen von Gründer Elon Musk rund 8000 Dollar pro Minute oder 480.000 Dollar pro Stunde verbrannt, berichtet Bloomberg. Würde der Kapitalverzehr in der gleichen Geschwindigkeit fortschreiten, dürfte Tesla am 6. August 2018 das Geld ausgehen, haben die Finanzanalysten von Bloomberg ausgerechnet.

Sicher, das ist nur eine Hochrechnung, das räumen die Finanzexperten von Bloomberg selbst ein. Andere Beobachter erwarten, dass sich der Geldverzehr verlangsamen wird. Auch weil die Verkaufserlöse des zuletzt noch mit Produktionsproblemen kämpfenden Model 3 schon bald verstärkt fließen sollen.

Auch die Investoren scheinen derzeit keine Not zu erkennen. Die Tesla-Aktie Börsen-Chart zeigen legte zuletzt wieder auf 318 Dollar zu. Mit einer Marktkapitalisierung von 53 Milliarden Dollar ist Tesla damit noch gut 5 Milliarden Dollar mehr wert als der US-Autobauer Ford.

Kleine finanzielle Engpässe könnte Musk dadurch überbrücken, dass potentielle Käufer des angekündigten neuen Super-Roadster den Kaufpreis von 250.000 Dollar vorab bezahlen müssen. Bei der limitierten Stückzahl von 1000 könnten so 250 Millionen Dollar fließen, ohne dass Tesla auch nur eines der Modelle ausgeliefert hat. Und auch für die herkömmliche Roadster-Version müssen Käufer 50.000 Dollar vorstrecken - und auf ihr Statussymbol womöglich Jahre warten.

Ein Tropfen auf den heißen Stein, glauben manche Analysten. Auch wenn die Reserven noch für ein Jahr reichen sollten, "Tesla braucht Geld, und zwar schnell", ist Kevin Tynan, Senior-Analyst von Bloomberg, überzeugt. Der Experte geht davon aus, dass Tesla bis Mitte 2018 erneut den Kapitalmarkt anzapfen und sich dort bis zu zwei Milliarden Dollar besorgen müssen wird.

Und Teslas Möglichkeiten seien beschränkt: Schon jetzt würden hoch verzinste Anleihen in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar, die Tesla vor einem Vierteljahr begeben hatte, bereits unter Wert gehandelt auch wenn sich die Papiere von ihrem Tiefstand zuletzt leicht erholten, so der Bloomberg-Analyst. Auf neu ausgegebene Aktien wiederum könnten die Anleger verschnupft reagieren und den Kurs belasten.

"So lange Tesla Geld verbrennt, ist das Unternehmen abhängig von der Geduld und dem Enthusiasmus der Investoren", zitiert Bloomberg Christian Hoffmann, Vermögensverwalter bei Thornburg Investment Management. "Oder einen weißen Ritter mit tiefen Taschen", merkt der Experte weiter kritisch an. Auch US-Autoveteran Bob Lutz merkte in der vergangenen Woche kritisch an, dass Tesla Börsen-Chart zeigen kein technisches Alleinstellungsmerkmal gegenüber der rasant aufholenden Konkurrenz habe.

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Tesla selbst hatte Anfang November mitgeteilt, dass der Autobauer ab kommenden März wöchentlich 5000 Model 3 bauen werde und dass dafür ausreichend Geld vorhanden sei. Ab diesen Zeitpunkt erwarte das Unternehmen einen "signifikanten Cashflow aus dem operativen Geschäft", hieß es in einer Mitteilung an die Aktionäre. Da die Investitionen für das neue Massenauto dann auch zurückgingen, sollte der Kapitalverzehr sich deutlich verlangsamen.

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