Freitag, 22. März 2019

Rechtsrisiken für Tesla US-Börsenaufsicht SEC lädt neun Tesla-Vorstände vor

Elon Musk: Knapper Tweet, weitreichende Folgen

Die US-Börsenaufsicht SEC hat einem TV-Bericht zufolge konkrete Schritte eingeleitet, um den von Tesla-Chef Elon Musk per Twitter ins Gespräch gebrachten Börsenrückzug des Unternehmens zu untersuchen. Wie der TV-Sender Fox Business News berichtete, hat die SEC sämtliche neun Vorstandsmitglieder von Tesla Börsen-Chart zeigen gerichtlich vorladen lassen. "Die SEC setzt in ihrer Untersuchung von Teslas Privatisierungsplänen einen drauf und lädt Tesla wegen der Privatisierungspläne und Musks Statement zur "gesicherten Finanzierung" vor", so Fox Business News.

Musk hatte am 7. August in einem Tweet überraschend verkündet, Tesla zum Aktienkurs von 420 US-Dollar zu privatisieren. Als rechtlich brisant gilt vor allem seine Behauptung, die Finanzierung für einen solchen Deal sei gesichert.

In den Untersuchungen der SEC wird es auch darum gehen, ob Musk mit seinen Tweets vor allem den Aktienkurs von Tesla in die Höhe treiben wollte. Der zwischenzeitige Kursanstieg hatte Hedgefonds und Short-Sellern, die auf einen Niedergang von Tesla Börsen-Chart zeigen und damit auf einen sinkenden Kurs wetten, Verluste in Milliardenhöhe beschert.

Nach der Veröffentlichung des Fox-Business-Berichts sackte die Tesla-Aktie zwischenzeitlich um mehr als vier Prozent ab. Das Papier war nach dem umstrittenen Tweet von Musk von 342 Dollar auf knapp 380 Dollar gestiegen. Inzwischen liegt der Kurs mit 338 Dollar wieder unter dem Niveau vor der Ankündigung des Börsenrückzugs.

Mit seinem 9-Worte-Tweet hatte Tesla-Chef Elon Musk die Finanzwelt in helle Aufregung versetzt. Sein Vorhaben wäre nicht nur der größte Buy-out der Börsengeschichte. Es wirft auch zahlreiche Fragen und Rechtsrisiken auf, mit denen sich Musk nun auseinandersetzen muss.

Kann Musk Tesla überhaupt im Alleingang von der Börse nehmen?

Nein. Musk als größtem Einzelaktionär gehören rund 20 Prozent von Tesla Börsen-Chart zeigen. Er braucht für ein Delisting die Zustimmung der Mehrheit der Aktionäre. Rund 63 Prozent der Aktien werden von institutionellen Investoren gehalten, darunter die Investmentfonds Fidelity, Baillie Gifford, T. Rowe Price Associates und neuerdings wohl auch der saudische Staatsfonds PIF. Der Rest der Tesla-Aktien ist in Besitz privater Aktionäre.

Vor einer Entscheidung über eine Privatisierung muss zudem das Tesla-Board (dem Verwaltungsrat gehören außer dem für seine einsamen Entscheidungen bekannten Musk noch sieben weitere Personen an) ein unabhängiges Komitee einsetzen, das ein solches Vorhaben gründlich prüft und entscheidet, ob der von Musk aufgerufene Preis von 420 Dollar je Aktie korrekt ermittelt und im Interesse des Unternehmens ist.

Erst dann könnte über ein Buy-out des aktuell rund 65 Milliarden Dollar schweren Unternehmens entschieden werden - es wäre die größte Privatisierung der Börsengeschichte.

"Finanzierung gesichert." Stimmt das auch?

Musks knappe Mitteilung "Finanzierung gesichert" klingt äußerst lässig. Doch nun muss der Tesla-Chef rasch Belege liefern, dass er die für einen Buy-out zum Kurs von 420 Dollar je Aktie benötigten 82 Milliarden Dollar auch aufbringen kann. Nach Abzug seines eigenen Anteils von rund 20 Prozent sind das immer noch knapp 60 Milliarden Dollar. Liefert Musk keinen Nachweis über die Finanzierung, läuft er Gefahr, wegen Kursmanipulation verklagt zu werden und Ärger mit der US-Börsenaufsicht SEC zu bekommen.

In seinem Tweet hat Musk einen konkreten Kaufpreis von 420 Dollar je Aktie genannt und damit den Kurs von Tesla Börsen-Chart zeigen an der Nasdaq Börsen-Chart zeigen binnen weniger Stunden um 11 Prozent in die Höhe schießen lassen. Short-Seller, die auf sinkende Kurse bei dem hoch verschuldeten Elektroautobauer wetten, verloren am Dienstagabend mehrere Milliarden Dollar. Diese Investoren dürften klagen, sollte Musk nicht schleunigst Belege für seinen stark kursbewegenden Tweet liefern.

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Auch der deutsche Autobauer Porsche Börsen-Chart zeigen musste sich jahrelang mit milliardenschweren Forderungen US-amerikanischer Hedgefonds auseinandersetzen, die im Zuge des Porsche-VW-Übernahmepokers auf dem falschen Fuß erwischt wurden, viel Geld verloren und daraufhin dem Porsche-Management Marktmanipulation vorwarfen.

Klagen drohen - Börsenaufsicht SEC erwartet weitere Informationen

"Wenn Musk keinen Nachweis erbringt, dass die Finanzierung tatsächlich steht, dann könnte sein Tweet durchaus als Marktmanipulation gewertet werden", sagt John Coffee, Ökonom an der Columbia University, gegenüber dem Wall Street Journal. "Es ist eine kursbewegende Nachricht, die neue börsenrelevante Fakten schafft - und wenn sie nicht detailliert durch Belege gestützt wird, wird das ein Fest für potenzielle Kläger."

Musk muss zudem der Börsenaufsicht SEC genau erläutern, wie der geplante Deal aussehen soll, wenn er keinen Ärger mit den Regulierungsbehörden riskieren will. Ein SEC Filing sowie eine ausführliche Pressemitteilung von Tesla müssten daher in wenigen Tagen folgen, um den Aufsehern ausreichend Material zur Verfügung zu stellen. Anderenfalls könnte Musks kühner Tweet als "irreführendes" oder gar "falsches Statement" gewertet werden - und Klagen gegen Tesla Tür und Tor öffnen.

Börsenrückzug: Ist Tesla für private Investoren überhaupt interessant?

Tesla ist das Gegenteil von dem, wofür sich Private-Equity-Firmen und andere Buy-out-Spezialisten eigentlich interessieren. Normalerweise suchen diese nach profitablen Firmen mit einem soliden, regelmäßigen Cash-Flow. Idealerweise soll das Unternehmen einen auf Pump finanzierten Kauf mit seinen eigenen Erträgen binnen kurzer Zeit selbst finanzieren. Einige Investoren spezialisieren sich auch auf niedrig bewertete Unternehmen, die neu aufgestellt (restrukturiert) werden müssen.

Tesla ist jedoch hoch verschuldet, verbrennt wegen der hohen Kosten für Gigafactory und Serienproduktion des Model 3 viel Geld und ist von nachhaltiger Profitabilität noch weit entfernt. Der Elektroautobauer ist vor allem eine Wette auf die Zukunft - und ist damit als börsennotiertes Unternehmen in der Vergangenheit auch bestens gefahren.

Tesla hat von Börsen-Notierung extrem profitiert

Allein seit 2016 hat sich der Kurs an der Nasdaq mehr als verdoppelt: Tesla-Aktionäre haben immer wieder Geduld bewiesen, wenn Musk seine ehrgeizigen Ziele wieder einmal verschieben musste, und den Kurs auf immer neue Höhen getrieben. Teslas Börsenwert ist deutlich höher als der von Ford Börsen-Chart zeigen oder General Motors Börsen-Chart zeigen - weil Tesla-Anleger offenbar auf Musks Visionen vertrauen.

Wenn Musk nun von einem Börsenrückzug als beste Option für Tesla spricht, ist das nicht ohne Ironie: Die hohe Börsenbewertung hat es dem Nasdaq-Liebling Tesla Börsen-Chart zeigen in der Vergangenheit erleichtert, immer neue Geldquellen zu erschließen und seinen enormen Kapitalhunger zu stillen. Ob private Investoren abseits der Börse noch mehr Geduld mit Musk haben werden, bleibt offen.

Der von Musks Tweet verursachte Kurssprung hat für Tesla nach Angaben der "NZZ" zudem einen angenehmen Nebeneffekt: Laut Analysten kann das Unternehmen nun Wandelanleihen mit einem Volumen von mehr als 2 Milliarden Dollar bedienen, da der Wandlungspreis durch die Kursrally überschritten wurde. Die Wandlungsoption auszuüben, wäre laut NZZ eine deutliche finanzielle Entlastung für den hoch verschuldeten Elektroautobauer.

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