Mittwoch, 21. November 2018

Tester kritisieren Model 3 Teslas Billig-Model-3 bleibt vorerst ein Phantom

Das Interesse am Model 3 ist groß, doch die "günstige" Version für 35.000 Dollar wird so schnell nicht die Massen erreichen - dabei haben die Kunden die Version zu hunderttausenden vorbestellt

Bremsweg zu lang, unhandliche Bedienelemente: Das einflussreiche US-Verbrauchermagazin "Consumer Reports" empfiehlt Teslas Model 3 nicht zum Kauf. Zugleich wird eines immer deutlicher: Teslas "günstiges" E-Auto bleibt für die Massen vorerst ein Phantom. Bisher lieferte Tesla Varianten aus, die mehr als 50.000 Dollar kosten.

Neuer Rückschlag für den US-Elektroautopionier Tesla: Das wohl einflussreichste und renommierteste US-Verbrauchermagazin "Consumer Reports" empfiehlt das neue Model 3 nicht zum Kauf. Der Fahrspaß sei groß, aber es gebe auch erhebliche Mängel, heißt es in dem Bericht.

Das Magazin, das viele Produkte und jedes Jahr auch in den USA verkaufte Autos testet, nennt als Beispiele, dass der zentrale Touchscreen schwer zu bedienen und der Bremsweg zu lang sei. Bei Tests habe das Tesla-Modell 46 Meter gebraucht, um bei 100 Kilometern pro Stunde zum Stehen zu kommen. Das sei länger als ein Pick-up-Wagen brauche. Tesla wies diese Angaben allerdings zurück, eigene Tests unter bestimmten Bedingungen hätten einen Bremsweg von 40,5 Metern ergeben, je nach Bereifung sogar von nur 38,4 Metern.

Tesla ist nach Jahren des Wachstums und Erfolgs in schwierigeres Fahrwasser gekommen. Mit dem Model 3 will das Unternehmen von Elon Musk den Aufstieg von einem Nischenanbieter zu einem Massenhersteller von Elektroautos schaffen. Allerdings gibt es immer wieder Probleme in der Produktion und Experten sehen die Fertigungsziele mit Skepsis. Musk will die Produktion des wichtigen Fahrzeugmodells bis zur Jahresmitte auf 5000 Stück in der Woche zu steigern.

Kunden, die die mit 35.000 Dollar beworbene Standardversion vor langer Zeit bestellt haben, müssen womöglich noch länger auf ihr Elektroauto warten. Firmenchef Elon Musk gab am Wochenende zu, dass Tesla mit dieser günstigeren Version bei den aktuellen Produktionsmengen "Geld verlieren und sterben" würde. Dabei will der Konzernchef mit dem Model 3 den Massenmarkt erobern.

Musk kündigt lieber eine mehr als doppelt so teure Version an

Statt guter Nachrichten für Kunden, die auf den Mittelklasse-Tesla warten, pries der Tech-Milliardär bei Twitter eine neue hochgerüstete Premium-Version mit zwei Motoren an, die ab Juli verkauft werden solle. Das schnellere und leistungsstärkere Model 3 hat einen Preis von 78.000 Dollar (ohne den Fahrassistenten "Autopilot"). "Etwa genauso viel, wie der BMW M3", ergänzte Musk und lieferte damit einen Hinweis auf die Zielgruppe.

Bisher lieferte Tesla Varianten aus, die über 50.000 Dollar kosten. Damit ist das Angebot noch weit entfernt vom Rivalen Chevrolet Bolt EV für gut 36.000 Dollar.

Musk gestand ein, die Basisversion frühestens drei bis sechs Monate, nachdem die wöchentliche Model-3-Produktion auf 5000 Stück gestiegen sei, an den Start bringen zu können. Dieses Ziel soll im Juni erreicht sein. Kunden mit einem geringerem Budget müssen also vermutlich noch mindestens bis Ende dieses Jahres auf ihr 35.000-Dollar-Modell warten. Dabei will Konzernchef mit dem im Vergleich zum Model S deutlich günstigeren Elektrowagen den Massenmarkt erobern.

Ob Tesla nun tatsächlich Ende Juni auf die angekündigten 5000 Model 3 pro Woche kommt ist ungewiss. Nach Kalkulation des Finanzdienstes Bloomberg, der anhand der Zulassungszahlen einen "Model 3 Tracker" eingerichtet hat, liegt die Produktion aktuell bei etwa 2900 Stück pro Woche.

Luxuriöses Model 3 verspricht höhere Gewinnmargen

Dass sich Tesla jetzt mit einer aufgemotzten Version des Model 3 wieder an zahlungskräftigere Kunden wendet, mag wirtschaftlich Sinn machen - die Gewinnmargen sind am oberen Ende der Preisspanne höher. Allerdings wird das 2003 gegründete Unternehmen, das noch nie einen Jahresgewinn geschafft hat, an der Börse nach Einschätzung von Analysten so hoch gehandelt, weil Anleger Musk zutrauen, mit seinen Elektroautos aus der Luxus-Nische zu kommen.

Doch je mehr Zeit vergeht, desto komplizierter wird der Angriff im Massenmarkt, in dem auch viele etablierte Hersteller günstigere Elektroautos planen. Erschwerend hinzu kommt: Das Zeitfenster für die amerikanische E-Auto-Prämie droht sich für die Basisversion des Model 3 zu schließen.

US-Steueranreiz bislang vor allem für teure Model 3

Die 7500 Dollar, die es in den USA als Steueranreiz beim Kauf von Elektroautos gibt, gelten nur für die ersten 200.000 Modelle eines Herstellers. Danach halbiert sich die Prämie im Sechsmonatstakt, bis sie ganz wegfällt. Tesla hat mitgeteilt, die 200 000 E-Autos irgendwann im Jahresverlauf 2018 zu erreichen.

Für Schnäppchenjäger, die auf einen günstigen Model-3-Preis und staatliche Fördermittel hoffen, dürfte es deshalb knapp werden. Das könnte auch für Teslas Finanzen Folgen haben. Die rund 500.000 Anzahlungen für vorbestellte Model 3 machen einen großen Teil der Geldreserven aus. Wenn Kunden es sich anders überlegen, müssten sie zurückerstattet werden.

Rei/dpa

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH