Montag, 18. Dezember 2017

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Präsentation von E-Truck erneut verschoben Hat Elon Musk beim Elektro-Lkw zu viel versprochen?

Geheimer Schnappschuss aus Kalifornien: So könnte der neue Elektro-Lastwagen von Tesla aussehen

Erneut muss Elon Musk die Präsentation des Elektro-Lastwagen "Tesla Semi" verschieben. Angeblich machten ihm die Produktionsprobleme beim Model 3 einen Strich durch die Rechnung. Offensichtlich aber hat es Musk beim E-Truck nicht wirklich eilig. Die Vorreiterrolle haben hier auch andere inne.

Für Tesla-Chef Elon Musk läuft es derzeit nicht rund. Erst musste Musk erhebliche Produktionsengpässe beim neuen Model 3 bekanntgeben. Nun verschob der US-Elektroautobauer erneut die Präsentation seines elektrischen Sattelzugs. Ursprünglich wollte Tesla den Elektro-LkW im September vorstellen, verlegte den Termin Mitte September auf Ende Oktober und kündigte nun per Tweet den 16. November als mögliches Datum an.

Als Begründung für die erneute Verschiebung gab Musk eben die Produktionsprobleme beim Model 3 und seine jüngste Wette für das vom Sturm gebeutelte Puerto Rico an. Hier will der Tausendsassa öffentlichkeitswirksam das vom Hurrikan weitgehend zerstörte Energienetz mit Batterien und Solartechnik wieder aufbauen.

Mit dem Elektro-Truck selbst soll es laut Tesla keine Probleme geben. "Der Prototyp ist fertig", schrieb das Unternehmen an zur Premierenfeier geladene Gäste.

Musk hatte im Juli 2016 bei der Vorlage eines "Masterplans" erklärt, ein "Tesla Semi" - vom Englischen "semi truck" für "Sattelzug" - würde mehr Sicherheit bei geringeren Transportkosten bieten. Die Investmentbank Morgan Stanley bezifferte den möglichen Kostenvorteil auf bis zu 70 Prozent. Diese Rechnung setzt allerdings einen Betrieb ohne Fahrer voraus.

Zudem kündigte der Tesla-Chef in seinem "Masterplan" einen Bus für den öffentlichen Nahverkehr an. Bislang setzt Tesla auf die Sportlimousine Model S und das größere Model X. Das Model 3 soll nun den Massenmarkt erobern.

Bei elektrischen Lastwagen hat das Unternehmen keineswegs die Vorreiterrolle inne. Vielleicht auch deshalb hat es Musk hier mit der Präsentation nicht so eilig, zumal die in Aussicht gestellte Reichweite des "Tesla Semi" alles andere als zukunftsweisend klingt:

Früheren Berichten zufolge soll der Teslas Elektro-Lastwagen eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern schaffen. Damit läge Tesla am unteren Ende der Definition von Langstreckenfahrzeugen, die mit einer Tankfüllung bis zu 1600 Kilometer schaffen können. Mögliche Batterie-Wechselstationen wie sie Tesla bereits einmal beim Model S angeboten und getestet hatte, könnten ein langwieriges Aufladen vielleicht vermeiden. Doch nahmen seinerzeit nur 2 Prozent der Test-Kunden das Angebot an. Verlässliche Hinweise, dass Musk dies auch für Elektro-Lkw-plant, gibt es bislang nicht.

Dabei versteht sich Musk als Visionär, der die Welt verbessern möchte. Würden eines Tages die stinkenden Diesel-Lastwagen von den Straßen dieses Planeten verschwinden und durch surrende Elektro-Sattelschlepper ersetzt - die Meriten ums Klima und der Dank der Menschheit wären Tesla sicher.

Nur hinkt der die Vorreiterrolle gewohnte Musk beim E-Truck hinterher: Die Schweizer Firma E-Force zum Beispiel hatte 2013 einen rein elektrisch betriebenen 18-Tonner-Lkw vorgestellt und erzielt damit in der Alpenrepublik offenbar beachtliche Erfolge. Auch andere Wettbewerber wie Daimler arbeiten schon länger an elektrischen Lkw.

Bis schwere Elektro-Sattelschlepper mit mehreren Dutzend Tonnen Gesamtgewicht den Fernverkehr bestimmen werden, dürfte wohl noch viel Zeit ins Land gehen, glaubt man bei Daimler. Der Konzern sieht daher das größte Potential für Elektro-Lkw vor allem in und im Umkreis von Städten.

Test-Reisebus überrascht mit erstaunlichem Ergebnis

In diesem Segment der leichteren Elektro-Lieferwagen für den Stadtverkehr ist bereits die Deutsche Post mit ihrem "Streetscooter" am Start, dessen neuere Versionen zusehends auch mehr Gewicht an Bord nehmen können. Auch andernorts wollen Wettbewerber Elektro-Tranporter auf die Straßen bringen.

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