Mittwoch, 15. August 2018

Produktionsprobleme reißen offenbar nicht ab Tesla-Ingenieure erwarten weitere Probleme beim Model 3

Tesla-Produktion in Freemont

Elon Musk hatte die Produktionsziele für die Serienfertigung des Model 3 schon zweimal revidieren müssen. Vom Erfolg des geplanten ersten elektrischen Serienautos aus dem Hause Tesla hängt viel ab. Dabei wird sich Musk weniger um die eigene Bezahlung sorgen, die er zuletzt öffentlichkeitswirksam mit sehr ambitionierten Zielen verknüpfte, sondern vielmehr um das Vertrauen der Investoren.

Bislang halten sie ihm die Stange. Doch was sollen sie davon halten, wenn in der Gigafactory von Nevada Mitarbeiter die Batterien für das Model 3 bis vor Kurzem noch händisch zusammensetzen mussten, wie CNBC jetzt unter Berufung auf Werkspersonal berichtet. Wie sollen dann in wenigen Monaten wöchentlich 5000 Stück des Hoffnungsträgers vom Band rollen?

Die Probleme bei der Batterieproduktion scheinen Teslas Ziele einmal mehr in Frage zu stellen. Sie könnten nach Aussagen von ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern zu weiteren Verzögerungen und Qualitätsproblemen beim Model 3 führen, berichtet CNBC.

Angeblich sollen fehlerhafte Batterien das Werk verlassen haben

So mussten die Batterien teils per Hand hergestellt werden und Musk dafür viele Leiharbeiter einstellen, um die Montagearbeiten bewältigt zu bekommen. Teslas Zukunft als Massenhersteller elektrischer Autos hängt von der automatisierten Produktion ab. Mehr als 400.000 Menschen sollen ein Model 3 bereits vorbestellt haben. Ihre Geduld ist endlich, und sie könnten geneigt sein, ihre Anzahlung von 1000 Dollar zurückzuverlangen.

Tesla sei von einer qualitativ hochwertigen Massenproduktion noch weit entfernt, berichtet CNBC unter Berufung auf einzelne Ingenieure bei Tesla. Dem Bericht zufolge warnen sie zugleich vor Risiken der automatisierten Produktionslinien, die deshalb immer noch nicht unter voller Kapazität laufen könnten.

Einige der zitierten Mitarbeiter sprachen zugleich von unerfahrenen Kollegen in der Qualitätskontrolle. Mit angeblich gravierenden Folgen: So sollen sogar defekte Batterien das Werk verlassen haben. Ein Sprecher von Tesla dementierte diese Aussagen energisch.

Analyst erwartet höhere Preise für Model 3 und sieht Renditeziele in Gefahr

Dass einzelne Schritte des Produktionsprozesses vorübergehend auch per Hand bewältigt werden müssten, darüber hätte Musk unlängst informiert. Die Probleme hätten aber keinerlei Auswirkungen auf die Sicherheit und die Qualität der Batterien, entgegnete der Sprecher.

Skeptiker dagegen fühlen sich durch Meldungen wie die jüngste in ihrer Einschätzung bestätigt: Er glaube, dass Tesla seine Produktionsprobleme beim Model 3 wahrscheinlich in den Griff bekommen werde, sagte Mark B. Spiegel von Stanley Capital. Der Investor solle dem Bericht zufolge bedeutende Short-Position bei Tesla-Aktien aufgebaut haben.

Der Analyst erwarte aber, dass die Produktionskosten des Model 3 deutlich steigen werden und Musk die Basisversion letztlich zu einem höheren Preis als 35.000 Dollar anbieten müsse. "Und selbst bei diesen erhöhten Preisen wird Tesla seine Profitabilitätsversprechen kaum einhalten können", warnte Spiegel laut CNBC.

Aktien von Tesla Börsen-Chart zeigen gaben am Freitagvormittag rund 1,7 Prozent nach, stehen auf Jahressicht aber immer noch mit mehr als 5 Prozent im Plus.

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