Mittwoch, 12. Dezember 2018

Ökobilanz von Elektroautos Darum ist ein fetter Tesla sauberer als ein kleiner Ford

Ford Fiesta (l.), Tesla Model X

3. Teil: Schwedische Elektroauto-Studie sorgt für Verwirrung

Mit anderen Worten: Ein Großteil der im Sprit gespeicherten Energie verpufft nutzlos als Wärme aus dem Verbrennungsmotor, insbesondere im Stadtverkehr mit Stop and Go. Für 100 Kilometer benötigt ein Kleinwagen gut 50 Kilowattstunden Energie, die im Benzin enthalten ist. Der Elektromotor dosiert die Kraft gezielter - ein Tesla Model X braucht nur etwa 25 Kilowattstunden für dieselbe Strecke.

Dies auch, weil der Motor beim Bremsvorgang als Generator arbeitet, der Strom zurückgewinnt und in die Fahrbatterie speist. Das ist ein wesentlicher Grund dafür, dass das hohe Gewicht eines Teslas nicht ausschließlich schädlich für die Ökobilanz ist, sondern auch nützlich - beispielsweise beim Bergabfahren.

Diesen Vorteil hat etwa ein klassischer Diesel-SUV wie der BMW X5 nicht - und schneidet im Vergleich mit einem Elektro-SUV daher besonders schlecht ab (siehe Grafik oben). Davon abgesehen ist der Bayer trotz fehlender Fahrbatterie nur gut 10 Prozent leichter als der Trumm aus Kalifornien.

Ausbau erneuerbarer Energien lässt den Vorteil weiter anwachsen

So überraschend die Berechnungen der Wissenschaftler aus Massachussetts für manchen klingen mögen - prinzipiell reihen sie sich doch ein in das, was zahlreiche andere Studien nahelegen: Elektroautos sind schon heute klimafreundlicher als Diesel- und Benzinwagen. Und der weltweite Ausbau erneuerbarer Energien lässt den Vorteil weiter anwachsen.

Sogar die vieldiskutierte Untersuchung für das schwedische Verkehrsministerium widerspricht dem nicht. Die Studie unterstellt allerdings einen wesentlich höheren CO2-Ausstoß bei der Batterieproduktion als das MIT. Die Studie setzt dabei einen deutlich schmutzigeren Strommix in China und den USA an als etwa die Internationale Energie-Agentur und das US-Energieministerium.

Doch selbst auf Basis der schwedischen Zahlen ist ein dicker Elektro-SUV bei einer sehr hohen Fahrleistung von um die 270.000 Kilometern nach Berechnungen von manager-magazin.de noch sauberer als ein Kleinwagen mit Benzinantrieb - und sauberer als ein Diesel-SUV allemal. Tesla selbst nimmt für sich sogar in Anspruch, Batterien in der Gigafactory ausschließlich mit Ökostrom zu produzieren. Überprüfen lässt sich das derzeit schwer, Tesla beantwortete eine Anfrage von manager-magazin.de dazu nicht.

Deutsche und andere Autobauer, die in den kommenden Jahren zahlreiche reichweitenstarke Elektromodelle auf den Markt bringen, werden sich jedenfalls auf eine im Vergleich zum Verbrenner positive Klimabilanz berufen können. Volkswagen Börsen-Chart zeigen, Daimler Börsen-Chart zeigen und BMW Börsen-Chart zeigen planen allesamt Autos mit großer Reichweite und entsprechend üppigen Batterien.

Dass die EU-Kommission diese Fahrzeuge mit einem CO2-Ausstoß von Null ansetzt, ist gleichwohl irreführend und hemmt tendenziell Innovation. Nicht berücksichtigt wird der Herstellungsprozess und der Energiespar-Vorteil kleiner und effizienter Wagen. Denn auch wenn der Vergleich zwischen einem großen Elektroauto und einem konventionellen Kleinwagen schon heute zugunsten des ersteren ausgeht - das CO2-Sparpotenzial bei Herstellung und Nutzung von Elektroautos bleibt immer noch gewaltig.

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