Montag, 11. Dezember 2017

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Elektroauto-Pionier trickste bei Subventionen Bundesamt schmeißt Tesla aus Förderliste

Keine Förderung mehr: Tesla Model S
Tesla Motors
Keine Förderung mehr: Tesla Model S

Tesla-Käufer erhalten keine Umweltprämie mehr. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hat den Hersteller von der Förderliste gestrichen. Womöglich müssen Tesla-Käufer bereits gezahlte Prämien sogar zurückzahlen. Nach einem Medienbericht steht der Elektroautopionier im Verdacht des unlauteren Wettbewerbs und der Verbrauchertäuschung. Tesla dementiert.

1274 Käufer eines Tesla Model S haben bislang einen Antrag auf die Förderprämie gestellt. Das geht aus aktuellen Zahlen des zuständigen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hervor. "834 dieser Anträge wurden bewilligt und 648 bereits ausgezahlt", erklärte ein Sprecher am Freitag auf Anfrage von manager-magazin.de.

Vorerst aber wird das Amt keine weiteren Kaufprämien für die Basisversion des Model S genehmigen und auszahlen. Denn die Behörde hat Tesla nach eingehenden Prüfungen von der Förderliste gestrichen. Ob Tesla-Fahrer die mit Steuermitteln gezahlte Kaufprämie zurückzahlen müssen, stehe noch nicht fest. "Die Prüfungen laufen noch." Grundsätzlich ausschließen wollte das der Sprecher nicht.

Hintergrund ist ganz offensichtlich die Annahme, dass der kalifornische Autobauer durch Trickserei seine Kunden widerrechtlich in den Genuss der Kaufprämie gebracht haben könnte. Denn als die Bundesregierung im vergangenen Jahr eine Prämie von bis zu 4000 Euro für den Kauf eines Elektroautos auslobte, war es nicht ihr Ziel, damit bis zu 150.000 Euro teure Luxusversionen von Tesla oder Porsche zu subventionieren. Deshalb zog sie für die Förderfähigkeit eine Obergrenze von 60.000 Euro.

Mit einem Trick, über den manager-magazin.de bereits ausführlich berichtete, gelang es dem kalifornischen Autobauer dann gleichwohl, auch Tesla-Käufern Zugang zur Prämie zu verschaffen. Tesla-Chef Elon Musk ersann einfach ein arg abgespecktes Basismodell für rund 58.000 Euro. Die beim Model S eigentlich serienmäßigen Standards wie Navigationssystem, Rückfahrkamera oder elektrisch einklappbare Außenspielgel konnte der Käufer dann mittels "Komfortpaket" dazukaufen, ohne aus der Förderung zu fliegen.

Ein cleverer Schachzug, möchte man meinen: Denn auf diesem Umweg konnten Käufer quasi aller Tesla-Modelle die aus Steuermitteln subventionierte Prämie abgreifen - bis hin zur 150.000-Euro-Variante, die von 0 auf Hundert in 3 Sekunden beschleunigt. Hat sich Tesla damit widerrechtlich staatliche Subventionen erschlichen? Die Bundesbehörde interpretiert dies offenbar aktuell so, sonst hätte sie den Hersteller nicht aus von der Förderliste gestrichen.

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