Mittwoch, 22. August 2018

Börsenaufsicht SEC schaltet sich bei Tesla ein Die Rechtsrisiken des Elon Musk

Elon Musk: Knapper Tweet, weitreichende Folgen

Mit einem 9-Worte-Tweet hat Tesla-Chef Elon Musk die Finanzwelt in helle Aufregung versetzt. "Am considering taking Tesla private at $420. Funding secured." (Erwäge, Tesla von der Börse zu nehmen für einen Preis von 420 Dollar pro Aktie. Finanzierung gesichert.)

Sein Vorhaben wäre nicht nur der größte Buy-out der Börsengeschichte. Es wirft auch zahlreiche Fragen und Rechtsrisiken auf, mit denen sich Musk nun auseinandersetzen muss. Die US-Börsenaufsicht SEC hat inzwischen eine Untersuchung angekündigt. Die wichtigsten Fragen und Risiken im Überblick.

Kann Musk Tesla überhaupt im Alleingang von der Börse nehmen?

Nein. Musk als größtem Einzelaktionär gehören rund 20 Prozent von Tesla Börsen-Chart zeigen. Er braucht für ein Delisting die Zustimmung der Mehrheit der Aktionäre. Rund 63 Prozent der Aktien werden von institutionellen Investoren gehalten, darunter die Investmentfonds Fidelity, Baillie Gifford, T. Rowe Price Associates und neuerdings wohl auch der saudische Staatsfonds PIF. Der Rest der Tesla-Aktien ist in Besitz privater Aktionäre.

Vor einer Entscheidung über eine Privatisierung muss zudem das Tesla-Board (dem Verwaltungsrat gehören außer dem für seine einsamen Entscheidungen bekannten Musk noch sieben weitere Personen an) ein unabhängiges Komitee einsetzen, das ein solches Vorhaben gründlich prüft und entscheidet, ob der von Musk aufgerufene Preis von 420 Dollar je Aktie korrekt ermittelt und im Interesse des Unternehmens ist.

Erst dann könnte über ein Buy-out des aktuell rund 65 Milliarden Dollar schweren Unternehmens entschieden werden - es wäre die größte Privatisierung der Börsengeschichte.

"Finanzierung gesichert." Stimmt das auch?

Musks knappe Mitteilung "Finanzierung gesichert" klingt äußerst lässig. Doch nun muss der Tesla-Chef rasch Belege liefern, dass er die für einen Buy-out zum Kurs von 420 Dollar je Aktie benötigten 82 Milliarden Dollar auch aufbringen kann. Nach Abzug seines eigenen Anteils von rund 20 Prozent sind das immer noch knapp 60 Milliarden Dollar. Liefert Musk keinen Nachweis über die Finanzierung, läuft er Gefahr, wegen Kursmanipulation verklagt zu werden und Ärger mit der US-Börsenaufsicht SEC zu bekommen.

In seinem Tweet hat Musk einen konkreten Kaufpreis von 420 Dollar je Aktie genannt und damit den Kurs von Tesla Börsen-Chart zeigen an der Nasdaq Börsen-Chart zeigen binnen weniger Stunden um 11 Prozent in die Höhe schießen lassen. Short-Seller, die auf sinkende Kurse bei dem hoch verschuldeten Elektroautobauer wetten, verloren am Dienstagabend mehrere Milliarden Dollar. Diese Investoren dürften klagen, sollte Musk nicht schleunigst Belege für seinen stark kursbewegenden Tweet liefern.

Lesen Sie auch: Teslas Diktator - die dunkle Seite des Elon Musk

Auch der deutsche Autobauer Porsche Börsen-Chart zeigen musste sich jahrelang mit milliardenschweren Forderungen US-amerikanischer Hedgefonds auseinandersetzen, die im Zuge des Porsche-VW-Übernahmepokers auf dem falschen Fuß erwischt wurden, viel Geld verloren und daraufhin dem Porsche-Management Marktmanipulation vorwarfen.

Klagen drohen - Börsenaufsicht SEC erwartet weitere Informationen

"Wenn Musk keinen Nachweis erbringt, dass die Finanzierung tatsächlich steht, dann könnte sein Tweet durchaus als Marktmanipulation gewertet werden", sagt John Coffee, Ökonom an der Columbia University, gegenüber dem Wall Street Journal. "Es ist eine kursbewegende Nachricht, die neue börsenrelevante Fakten schafft - und wenn sie nicht detailliert durch Belege gestützt wird, wird das ein Fest für potenzielle Kläger."

Musk muss zudem der Börsenaufsicht SEC genau erläutern, wie der geplante Deal aussehen soll, wenn er keinen Ärger mit den Regulierungsbehörden riskieren will. Ein SEC Filing sowie eine ausführliche Pressemitteilung von Tesla müssten daher in wenigen Tagen folgen, um den Aufsehern ausreichend Material zur Verfügung zu stellen.

Anderenfalls könnte Musks kühner Tweet als "irreführendes" oder gar "falsches Statement" gewertet werden - und Klagen gegen Tesla Tür und Tor öffnen.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH