Dienstag, 19. Juni 2018

Tesla-Chef will eigene "Wahrheit" Musk verliert die Nerven und will Pravda wiederbeleben

"Selbstgefällige Heuchelei": Elon Musk hat Probleme mit dem Model 3 - und macht daraus ein Problem mit den Medien

Tesla-Chef Elon Musk verliert in der Krise die Nerven: Er wirft den Medien eine "heuchlerische" Berichterstattung über den Autobauer vor und kündigt eine eigene Website an, mit der er kritischen Berichten begegnen will. Sie soll ausgerechnet den Namen des einstigen sowjetischen Parteiblatts "Pravda" (Wahrheit) tragen.

Tesla-Chef Elon Musk steht offensichtlich mit dem Rücken zur Wand und greift ganz im Stile eines Donald Trump die Medien frontal über Twitter an. In einer Reihe von Tweets wirft er den Medien eine selbstgefällige und heuchlerische Berichterstattung über sein Unternehmen vor.

Die Öffentlichkeit respektiere die Presse nicht mehr, schrieb der Tech-Milliardär. Dabei verlinkte Musk auf einen Blogeintrag von "Electrek", der einen Analysten mit der Einschätzung zitiert, Teslas Aktien könnten steigen, weil die Negativität ihren Höhepunkt erreicht haben dürfte. Die Aktie von Tesla Börsen-Chart zeigen hat seit Ende Februar auf Dollar-Basis mehr als 20 Prozent nachgegeben.


Dass es sich hier eher um eine Einzelmeinung handelt, und viele Analysten Tesla wegen seiner Probleme beim Model 3 mittlerweile kritisch sehen, verschweigt Musk dabei geflissentlich, was ihn aber von weiteren Schimpftiraden nicht abhält: Niemand traue mehr der Presse . "Ihr habt eure Glaubwürdigkeit schon vor langer Zeit verloren."

In einem weiteren Tweet heißt es: Das Problem der Journalisten sei der laufende Druck, Klicks zu maximieren und Werbeerlöse zu verdienen, um nicht gefeuert zu werden. Das sei eine heikle Situation, da Tesla keine Werbung schalte und die Hersteller herkömmlicher Autos zu den größten Anzeigenkunden zählten.

Belege liefert Elon Musk für diese Behauptung nicht. Tatsächlich stehen Tesla und sein Chef als Angreifer gegen die etablierten Autobauer unter besonderer Beobachtung der Medien und der Kapitalmärkte. Denn die Aktie von Tesla Börsen-Chart zeigen ist hoch bewertet, doch das Unternehmen schreibt seit seiner Gründung mit Ausnahme eines einzigen Quartals keine Gewinne.

Dabei messen Medien und Analysten Tesla auch an den vollmundigen Versprechungen von Elon Musk, die er in der Vergangenheit immer wieder gebrochen hat. Besondere und kritische Aufmerksamkeit geniest der Tesla-Chef auch deshalb, weil er sich selbst und laufend über Twitter inszeniert - mitunter aber beschädigt er sich dabei auch selbst.

Vom Erfolg des Massen-Elektroautos Model 3 hängt für Tesla sehr viel ab. Dabei sind die Probleme offensichtlich, Musk hat die Produktionsziele mehrfach verfehlt und verschieben müssen. Auf kritische Nachfragen oder Berichte reagiert der Tesla-Chef in dieser Phase äußerst gereizt und nervenschwach. Ein paar Beispiele:

  • Kritische Fragen von Analysten bügelte Elon Musk kürzlich arrogant ab, weil er sie angeblich zu langweilig fand.
  • Investoren, die auf einen Kursverfall der Tesla-Aktie wetten - das tun sie auch bei anderen Aktien und ist normales Geschäft - beschimpfte der Tesla-Chef.
  • Einen kritischen und aufwändig recherchierten Bericht zur Arbeitssicherheit in der Tesla-Fabrik im kalifornischen Fremont verunglimpfte Musk als "ideologisch motivierten Angriff einer extremistischen Organisation, die direkt mit Gewerkschaftsfans arbeitet".
  • Als Musk ganz offensichtlich gegen festgelegte Regeln bei der Aufklärung eines tödlichen Unfalls verstieß und dafür von der NTSB von den Ermittlungen ausgeschlossen wurde, greift er die Behörde frontal an.

Musk plant neue "Pravda"

Später kündigte Musk eine Website zur Bewertung des Wahrheitsgehalts von Artikeln an, die einen "Glaubwürdigkeitswert" für Journalisten und Publikationen liefern solle.

Er erwäge die Seite "Pravda" zu nennen, was auf russisch "Wahrheit" bedeutet und einst Titel des sowjetischen Parteiblatts war. Musk ließ Twitter-Nutzer dann abstimmen, ob er eine solche Website einrichten solle. Die Auswahloptionen: "Ja, das wäre gut" oder "Nein, Medien sind toll".

Dass sich Musk offenbar schon länger mit der Gründung einer eigenen Parteizeitung beschäftigt, die der Tesla-Gemeinde die firmeneigene Wahrheit ungestört von kritischer Berichterstattung anderer Medien nahe bringen soll, darauf deutet laut einem Bericht von "Bloomberg" ein Eintrag im kalifornischen Firmenregister hin. Bereits im Oktober sei eine "Pravda Corporation" unter der Adresse "216 Park Road, Burlingame, California" gegründet worden: Es ist die selbe Adresse, die Musk bereits für zwei andere Unternehmungen (Neuraling und Boring Company) genutzt hat.

mit dpa

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