Freitag, 14. Dezember 2018

Model-3-Probleme Elon Musk will Tesla "gründlich" umbauen

Tesla-Produktion in der US-Fabrik in Fremont: Wieder mehr Menschen statt nur Maschinen bei der Arbeit

Der Stotterstart des Model-3 beunruhigt Aktionäre und Kunden zusehends. Jetzt zieht Tesla-Chef Elon Musk offenbar die Reißleine und kündigt eine "gründliche Neuorganisation" des Unternehmens an. Die Investoren zeigen sich trotzdem verschreckt.

Die jüngsten Personalmeldungen bei Tesla waren offenbar nur der Anfang: Firmenchef Elon Musk plant eine "gründliche Neuorganisation" des Elektroautopioniers, zitiert das "Wall Street Journal" (kostenpflichtig) aus einem Memo an die Mitarbeiter.

Zuvor war bekannt geworden, dass Produktionschef Doug Field in einer entscheidenden Phase des Unternehmens überraschend eine Auszeit nimmt und der Tesla-Sicherheitsbeauftragte Matthew Schwall den Elektroautobauer verlässt.

Musk will dem Schreiben zufolge flachere Hierarchien im Management schaffen, die Kommunikation verbessern und Bereiche beschneiden, die nicht entscheidend für den Erfolg von Tesla sind. Was das konkret für die Personal- und Führungsstruktur bedeutet, erläuterte der Tesla-Chef dem Bericht zufolge nicht. Das Unternehmen wollte sich auch nicht dazu äußern.

Bei Anlegern kam die Nachricht nicht gut an - die Tesla-Aktie ging mit einem Minus von mehr als 3 Prozent aus dem US-Börsenhandel.

Tesla befindet sich in einer schwierigen Phase: Den Verlust hatte das Unternehmen zuletzt mehr als verdoppelt, die Produktion des Hoffnungsträgers Model 3 ist noch weit von den gesetzten Zielen entfernt, mindestens 400.000 Kunden warten auf ihr vorbestelltes Auto, die ersten Kunden stornieren bereits ihre Bestellung ob der langen Wartezeit. Zudem sorgte ein weiterer ungeklärter Unfall mit zwei Todesopfern eines Model S in der vergangenen Woche für Negativschlagzeilen.

Konzernchef Elon Musk wirkt zusehends dünnhäutiger , legt sich mit Analysten und US-Behörden an, musste zuletzt auch Berichte über angeblich vermehrte Arbeitsunfälle in der US-Fabrik in Fremont dementieren und immer wieder Mutmaßungen zurückweisen, dass Tesla wegen der immensen Kosten der Model-3-Produktion bald das Geld ausgehen könne.

Jetzt zieht der Tesla-Chef offenbar die Reißleine, um die Produktionsprobleme besser in den Griff zu bekommen. Musk hatte dabei eingeräumt, selbst auch Teil des Problems zu sein, etwa dass er zu lange auf eine vollständige Automatisierung der Produktion des Model 3 gesetzt hatte.

Das Elektroauto soll den Massenmarkt erobern und Tesla aus dem Dasein eines Nischenanbieters führen. Bislang aber blieb Musk den Beweis schuldig, dass das Unternehmen Elektroautos in großer Stückzahl ohne größere Probleme bauen und auch rechtzeitig an die Kunden bringen kann.

Tesla schreibt seiner Gründung ausschließlich Verluste. Elon Musk hat für das zweite Halbjahr Gewinne angekündigt.

mit dpa

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