Montag, 23. Juli 2018

Elon Musk legt sich mit "Economist" an Tesla kündigt via Twitter trotzig Gewinn an und gibt ein weiteres Verspechen ab

"Der Economist ist nur noch langweilig": Elon Musk dementiert, dass Tesla dieses Jahr Verlust mache und frisches Geld brauche

Tesla-Chef Elon Musk mag es zusehends ruppiger: Im Streit um einen tödlichen Unfall keilte er diese Woche erst heftig gegen die US-Verkehrsaufsicht, dann kanzelte er noch das renommierte Wirtschaftsmagazin "Economist" wegen eines kritischen Berichts ab.

Dass Tesla Luxusautos bauen kann, hat der Elektroautopionier mit dem Model S und Model X längst unter Beweis gestellt. Bei vergleichsweise kleinen Stückzahlen bleibt trotz hoher Verkaufspreise aber immer noch zu wenig Geld übrig, so dass Tesla seit seiner Gründung 2003 Jahr für Jahr nur Verluste schreibt. Mit dem Volumenmodell Model 3 will Elon Musk Tesla endlich in die Gewinnzone führen.

Der Aufbau dieser Produktion verschlingt enormes Geld, bis zu 480.000 Euro stündlich hatten Analysten unlängst errechnet. Zugleich machte Tesla Fehler, wie Elon Musk jetzt in seltener Offenheit in einem Interview mit dem Sender CBS einräumte.

Viele der gut 400.000 vorbestellten Model 3 würden ihre Kunden deshalb sechs bis neun Monate später erreichen, sagte Musk und versicherte zugleich: "You'll definitely get your car."

Damit will Musk nicht nur Kunden beruhigen, sondern auch die Investoren. Denn zusehends stornieren ungeduldige Käufer ihre Model-3-Bestellung und verlangen ihre Anzahlung zurück - womöglich auch deshalb, weil der Streit um die Sicherheit des "Autopiloten" wieder aufflammt.

Zwar versicherte Musk bereits Anfang April, außer bestehender Kreditlinien in diesem Jahr keine weiteren Schulden aufnehmen oder das Kapital erhöhen zu müssen. Doch Analysten haben weiter Zweifel.

Zuletzt taxierten Experten vom Bankhaus Jeffries im Gespräch mit dem "Economist" (kostenpflichtig) den zusätzlichen Kapitalbedarf von Tesla in diesem Jahr auf bis zu drei Milliarden Dollar. Analysten von Moody's, die zuletzt Teslas Bonität herabstuften, erwarten eine Kapitalerhöhung für das Jahr 2019.

Allein für die Erweiterung der Model-3-Produktion benötige Tesla noch in diesem Jahr zwei Milliarden Dollar, heißt es in dem Bericht. Zudem werden Anfang nächsten Jahres Wandelanleihen in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar fällig.



Und wieder springt Musk, der mal en passant im (April-) Scherz die Tesla-Pleite verkündet, via Twitter in die Bresche, um die bösen Geister der Niedergangspropheten zu vertreiben. Der "Economist" war früher "langweilig, aber schlau mit einem boshaften, trockenen Witz. Jetzt ist er nur langweilig", schreibt Musk fast herablassend.

Tesla werde im dritten und vierten Quartal Gewinne ausweisen, verspricht der Manager und erneuert die Aussage, der Autobauer benötige kein zusätzliches Kapital mehr in diesem Jahr. Analysten rechnen zwar mit dem Gegenteil (also mit Verlusten), doch Tesla-Investoren sind trotz schon mehrfach gebrochener Versprechen von Elon Musk offenbar unverbesserliche Optimisten: Nach dem kleinen Tweet schloss die Tesla-Aktie Börsen-Chart zeigen am Freitag in New York 2,13 Prozent fester.

Mission accomplished, Mr. Musk!

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